1. Startseite
  2. Lokales
  3. Tegernsee
  4. Gmund

Schwunghaften Drogenhandel betrieben: Gmunder (21) erhält Strafe auf Bewährung und muss 15 000 Euro zahlen

Erstellt:

Kommentare

Justitia
.Wegen des Handels mit Marihuana stand ein Gmunder (21) vor dem Miesbacher Jugendschöffengericht. © Arne Dedert/dpa/Symbolbild

Wegen des Handels mit Marihuana stand ein Gmunder (21) vor dem Miesbacher Jugendschöffengericht. Das Urteil: eineinhalb Jahre Freiheitsstrafe auf Bewährung.

Gmund - Mit Marihuana soll ein Gmunder (21) einen schwunghaften Handel im Tegernseer Tal betrieben haben. Angeklagt hat die Staatsanwaltschaft mehrere Fälle, die zwischen Februar und Juni 2020 vorgefallen sein sollen. Vor dem Miesbacher Jugendschöffengericht erhielt er nun in Form einer sogenannten Einheitsstrafe die Quittung für seine Taten. Bei der Einheitsstrafe wird aus mehreren Strafen eine gebildet, da der erzieherische Aspekt der Verurteilung im Vordergrund stehen soll.

Bei insgesamt zehn Gelegenheiten habe der Gmunder von einem Mann in Tegernsee insgesamt 1,5 Kilogramm Marihuana erworben. Zudem soll er demselben Mann wiederum drei Mal 500 Gramm Marihuana verkauft haben – zu einem Grammpreis von mindestens sieben Euro. Bei der Durchsuchung seiner Wohnung ist die Polizei laut Anklage auch auf Falschgeld gestoßen. Wegen unerlaubten Handeltreibens mit Betäubungsmitteln sowie Geldwäsche stand der 21-Jährige nun vor dem Jugendrichter.

Geld aus China bestellt

„Aus rechtlicher Sicht war das keine Geldwäsche“, sagte Verteidiger Max-Josef Hösl. Über die Shopping-App Wish habe sein Mandant das Geld aus China bestellt. „Es sollte nur als Spielgeld zum Pokern verwendet werden“, erläuterte Hösl. Bezüglich der Drogengeschäfte zeigte sich der Gmunder weitgehend geständig. Er habe in Unterhaching Marihuana besorgt und die Hälfte davon an besagten Mann verkauft. Lediglich die verkaufte Menge stimme nicht mit der aus der Anklage überein.

Weitere Fragen zu den Drogengeschäften wollte der Angeklagte nicht beantworten. Das übernahm dann sein Geschäftspartner, wenn man ihn so nennen mag. Der 29-Jährige, der vor einigen Jahren ebenfalls einen Handel mit Betäubungsmitteln im Tegernseer Tal betrieben hat, wurde bereits rechtskräftig verurteilt und sitzt derzeit in Haft. „Ich habe mit dem Angeklagten Drogengeschäfte gemacht“, gab der Zeuge, der in Begleitung zweier Polizisten vor Gericht erschien, unverblümt zu. „Ich war Drogendealer und hatte wenig Materialnachschub.“ Als er Wind davon bekam, dass der Gmunder billig an Gras käme, nahm er Kontakt zu ihm auf.

9000 Euro für ein Kilo Marihuana

„Die Preise bei meinen Händlern waren beschissen“, meinte der 29-Jährige. Er habe sein Marihuana für 9000 Euro pro Kilo eingekauft. Der Gmunder hingegen habe Kontakte nach Unterhaching gehabt, „wo er nur 7000 Euro pro Kilo zahlte“. Drei Mal, so der Zeuge, habe der Gmunder für beide eingekauft – jeweils ein Kilo, welches immer 50:50 geteilt wurde. „Beim Verkauf hat dann jeder sein Ding gemacht“, ergänzte der 29-Jährige. „Wir waren Konkurrenten, die ein entspanntes Verhältnis zueinander hatten.“

Bezüglich des Geldwäsche-Vorwurfs berichtete eine Beamtin (50) der Kripo Miesbach von einem Gutachten, das ergeben habe, dass die im Schlafzimmer gefundenen beiden Geldbündel „echtem Geld im Zahlungsverkehr zum Verwechseln ähnlich sehen“. Einen Makel hatten die falschen Scheine aber doch: Sie tragen klein den Vermerk „Copy“.

Freispruch in Sachen Geldwäsche

Dennoch sah die Staatsanwaltschaft alle Anklagepunkte als bestätigt an und forderte eine Jugendstrafe auf Bewährung sowie eine Geldauflage von 1000 Euro sowie die Einziehung des Wertersatzes von 21 194 Euro – eine Berechnung der Verkaufserlöse aus den Drogengeschäften. Anwalt Hösl hingegen forderte Freispruch in puncto Geldwäsche und plädierte für Sozialstunden statt einer Jugendstrafe. Die von der Staatsanwältin geforderte Wertersatz-Summe bezeichnete er als „wahnsinnig für einen Heranwachsenden“. Gerechtfertigt seien „allerhöchstens 7500 Euro“.

Bei der Forderung ging Amtsgerichtsdirektor Klaus-Jürgen Schmid nicht mit. Er verurteilte den 21-Jährigen letztlich wegen der Drogengeschäfte zu eineinhalb Jahren Einheitsstrafe auf Bewährung – zudem muss der Gmunder 15 000 Euro an Wertersatz bezahlen. Einen Freispruch erhielt der Angeklagte in Sachen Geldwäsche. Schmid hierzu: „Das ist ganz klar Falschgeld, aber wir können die Absicht, das Geld in den Verkehr zu bringen, nicht nachweisen.“

Übrigens: Alles aus der Region gibt‘s jetzt auch in unserem regelmäßigen Tegernsee-Newsletter.

Von Philip Hamm

Auch interessant

Kommentare