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Ein Relikt aus Zeiten, in denen Gmund Hochburg des Skisprungs war: Die Stögmeierschanze damals und heute.

Serie: Wintersport anno dazumal

Die Stögmeierschanze in Finsterwald: Für immer im Tiefschlaf?

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13 Jahre liegt   der letzte Bewerb auf der Stögmeierschanze in Finsterwald zurück. Seitdem ist die Skisprungtradition im Tegernseer Tal eingeschlafen. Es gibt einen, der will das ändern. 

Finsterwald – Wer vom Feichtner Hof in Finsterwald in Richtung See unterwegs ist, dem fällt sie beinahe zwangsläufig auf. Die Stögmeierschanze, die rechterhand eine kleine Schneise in den Wald schneidet. Sie steht in exponierter Lage – gerade an den Wochenenden ist die Kaltenbrunner Straße stark befahren. Eines suchen Passanten derzeit allerdings vergeblich: Skispringer.

Dabei reicht die Skisprungtradition in der Gemeinde Gmund zurück bis in die 1920er-Jahre. Damals wurde allerdings nicht in Finsterwald, sondern am Gmunder Stachus – etwa 150 Meter westlich der Mangfallbrücke um Höchstweiten gerungen, erzählt Georg Hofmann sen. (87). Auf der sogenannten Pauli-Schanze. Erst 1946 stieß der Gmunder „Springervater“ Karl Lang den aufwendigen Bau der Stögmeier-Schanze an. Und zwar in Handarbeit, mit Schaufel und Pickel. „Die Schanze wurde richtig konstruiert“, sagt Schorsch Hofmann jun.. „Das war eine der ersten überhaupt mit einem Profil.“ Die typische S-Form von An- und Auslauf erreichte man mittels provisorisch verlegter Schienen. Auf denen wurde Material von oben hinab zum Auslauf transportiert, um den Hang aufzufüllen.

Einst lockte das traditionsreiche Faschingsspringen (Bild oben) – hier schießt Georg Hofmann Junior den Hang hinab – die Zuschauer in Scharen an die Stögmeierschanze. 

Und das machte sich bezahlt: Lang, der schon Mitte der 1920er-Jahre mit dem Skispringen begonnen hatte, scharte schnell eine große Mannschaft um sich. Bis zu 25 Teilnehmer entsandten die Gmunder regelmäßig zu Gaumeisterschaften. Gmund galt als die „Springerhochburg“ des Oberlandes, heißt es in der Chronik der Sportfreunde Gmund-Dürnbach.

Unter den zahlreichen erfolgreichen Athleten des Vereins – darunter der ehemalige Bürgermeister Hans Taubenberger und nordische Kombinierer wie Hofmann sen. – stach vor allem einer hervor: Edi Heilingbrunner. Neben drei Teilnahmen bei der Vierschanzen-Tournee war sein größter internationaler Erfolg der dritte Platz bei den Vorolympischen Wettkämpfen 1955 in Cortina. Ein Jahr später hatte Heilingbrunner dann Pech: Trotz guter Leistungen blieb ihm die Olympia-Teilnahme verwehrt. Dennoch war die Skisprung-Begeisterung in der Gemeinde groß, nicht zuletzt beim traditionellen Faschingsspringen.

So groß, dass die Stögmeierschanze 1972 unter der Leitung von Hofmann sen. neu aufgebaut wurde. Das Leistungsvermögen der Athleten hatte sich rasant vergrößert, die 28-Meter-Schanze war zu klein geworden. Deshalb wurde der Schanzentisch zurückversetzt. So, dass es im Schnitt rund zehn Meter weiter ging. „Das war eine richtig gute Schanze, die sind wir lange gesprungen“, sagt Georg Hofmann jun.. Unter seiner Regie erfolgte 1992 die nächste bauliche Veränderung. Modern, den neuen Anforderungen entsprechend, mit Weiten um die 40 Meter. Inklusive einer 20-Meter-Schanze für den Nachwuchs.

Nach einer längeren Wettkampfpause – die Schanze erfüllte ab 1996 nicht mehr die nötigen Sicherheitsstandards – stieß Hofmann jun., inzwischen Trainer bei den Sportfreunden, 1999 den bis dato letzten Umbau an. Ein Komplett-Umbau. „Wir haben 250 Kubikmeter Kies angekarrt, um den Radius hinzubekommen.“ Also den richtigen Winkel zwischen Anfahrtsspur, Hang und Auslauf. Hinzu kamen eine Erhöhung des Turms um zwei Meter und 2003 eine neue Anfahrtsspur aus Edelstahl. „Da haben wir richtig gut trainiert.“

Ein Relikt aus Zeiten, in denen Gmund Hochburg des Skisprungs war. 

Seine ersten Stehversuche machte dort auch Moritz Baer, inzwischen Mitglied des deutschen B-Kaders und jüngst Debütant bei der Vierschanzen-Tournee. Auch an dem 20-Jährigen hängen Hofmanns Hoffnungen auf eine Wiederbelebung der über 90-jährigen Skisprung-Tradition in Gmund. Die ist nach dem Bayerischen Schülercup mit über 100 Teilnehmern im Jahr 2004 nämlich in einen Tiefschlaf verfallen.

Nun ist Baer das Aushängeschild. Der einzige Werbeträger für eine neue Mattenschanzen-Anlage in Finsterwald. Schließlich werden Skispringer im Sommer geformt, betont Hofmann. Und: „Das ist einer der besten Plätze für eine Schanze im gesamten Alpenraum.“

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