Die Anordnungen für Sitzungen liegen laut Ministerium im Ermessen des Sitzungsleiters, also Bürgermeister Alfons Besel (M.), hier mit seinen Vertretern Herbert Kozemko (l.) und Christine Zierer bei der konstituierenden Sitzung vom Mai 2020 im Neureuthersaal.
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Die Anordnungen für Sitzungen liegen laut Ministerium im Ermessen des Sitzungsleiters, also Bürgermeister Alfons Besel (M.), hier mit seinen Vertretern Herbert Kozemko (l.) und Christine Zierer bei der konstituierenden Sitzung vom Mai 2020 im Neureuthersaal.

Zahlreiche Gemeinderäte erkranken nach Zusammenkunft

Sitzung wird zum Corona-Hotspot

  • Gerti Reichl
    vonGerti Reichl
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Die Gemeinderatssitzung im Gmunder Neureuthersaal vom 27. April wurde offenbar zum Corona-Hotspot. Fünf Ratsmitglieder sind danach erkrankt, bei zweien stand das Ergebnis des PCR-Tests bis gestern noch aus.

Gmund – Ob sich der Spreader am Ratstisch befand oder im Zuschauerbereich, das kann Rathauschef Alfons Besel (FWG) nicht sagen. Denn ausgerechnet bei dieser Sitzung waren die Bürger wegen des Themas Bike-Park zahlreich gekommen, etwa 15 an der Zahl. Fakt ist: Bis gestern sind fünf Gemeinderatsmitglieder, quer durch alle Fraktionen, an Corona erkrankt. Bei zwei Mitgliedern steht das Ergebnis des PCR-Tests noch aus, nachdem auch sie zunächst im Schnelltest positiv auf Covid-19 getestet wurden. Ob sich auch Zuschauer infiziert haben, ist bisher nicht bekannt. Viele wussten bis Dienstag nichts von dem Ausbruch. Manche erfuhren es von anderen Zuhörern, andere wurden per Corona-App informiert.

Die Spurensuche ist schwierig. „Eigentlich sind alle Gemeinderäte aufgefordert, sich vor den Sitzungen zu testen“, sagt Besel, der selbst nicht erkrankt ist und sich täglich einem Test unterzieht. Dass das Gmunder Hygienekonzept zu lasch sein könnte, findet Besel nicht: „Gemäß den Handlungsanweisungen des Innenministeriums empfehlen wir lediglich das Tragen der Maske.“ Dass dies nicht verpflichtend ist bei den Sitzungen, man auf den Abstand und die Lüftungsanlage im Neureuthersaal vertraut, hatte das Gremium mit Bezug auf ein Schreiben des Ministeriums vom Dezember 2020 mehrheitlich festgelegt.

Masken im Sitzungssaal: Laura Wagner (Grüne) kämpft schon lange darum

Laura Wagner (Grüne), in einem ersten Test negativ, kämpft von Anfang an für strenge Regeln. Sie gehört wegen einer Vorerkrankung zur Risikogruppe. Wagner und ihre Fraktionskollegen behalten die Maske immer an. „Mir fehlt die Solidarität“, sagt Wagner. Sie kritisiert zudem die schlechte Vorbildfunktion des Gremiums: „Da schickt man die Kinder heim, und wir machen einfach so weiter.“ Dass sie erst gestern von der Gemeinde informiert wurde, findet sie „fahrlässig“.

Dass Gmund sein Konzept überdenken und nachbessern müsse, fordert Barbara von Miller (SPD), deren Schnelltest am Dienstag ebenfalls positiv ausfiel. „Nur anzunehmen, dass wir uns vor den Sitzungen testen, ist zu wenig“, sagt von Miller. „Das muss man überprüfen.“

Erwischt hat es auch Vize-Bürgermeister Herbert Kozemko (CSU). Dass die Infektionskette tatsächlich am Ratstisch ausgelöst wurde, darauf möchte er sich nicht festlegen. „Jeder von uns ist doch überall unterwegs.“ Die Geschichte sei „krass und bitter“, sagt Kozemko.

„Hinterher ist man schlauer“, reagiert Georg Rabl (FWG). Auch er sei bisher überzeugt gewesen, dass das Verhalten im Neureuthersaal angemessen sei.

Was ist angemessen? Landratsamts-Sprecherin Sophie Stadler verweist auf „Innenministerielle Schreiben“ (IMS) an alle Gemeinden und Bürgermeister und darauf, dass die Ausübung des Hausrechts im Ermessen des Sitzungsleiters, also Alfons Besel liege. Dies betrifft die Maskenpflicht für Zuhörer, Ratsmitglieder sowie das Testen. Was künftige Sitzungen betrifft, so seien nun auch „Hybridsitzungen“ möglich – teils mit Präsenz, teils online. Eine Zwei-Drittel-Mehrheit sei dafür nötig. Ob die für nächsten Dienstag geplante Sitzung mit Haushaltsdebatte tatsächlich stattfindet, sei offen und richte sich, so Besel, nach den Anordnungen des Gesundheitsamts.

Dieses und das Contact-Tracing-Team würden nun unter Hochdruck ermitteln, erklärt Stadler.

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