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Bei den olympischen Winterspielen 1954 holte sich Marianne Seltsam gleich drei Goldmedaillen auf einmal.

Ski-Legende Marianne Seltsam

"Die überragende Läuferin" ist tot

Gmund - Sie ist eine Legende: Ski-Rennläuferin Marianne Seltsam aus Gmund. Jetzt ist die mehrfache Olympiasiegerin mit 83 Jahren in ihrer Heimat gestorben.

Wahrscheinlich hätte sie sich das alles angeschaut. Ach was, mitgefiebert hätte sie. Sotschi, die Rennen, der Nervenkitzel. Dass Maria Höfl-Riesch Gold geholt hat, das hätte sie gerne gewusst. „Wenn ein Rennen ist, sagst mir Bescheid“, bat sie eine Freundin bis zuletzt. Vor dem Fernseher konnte sie leidenschaftlich fluchen und jubeln. Es kam nicht mehr dazu. Marianne Seltsam, die in den 50er Jahren selbst zwei Mal an Olympischen Spielen teilnahm, ist im Alter von 81 Jahren gestorben.

Bis vor einigen Jahren leitete Marianne Seltsam mit viel Leidenschaft Ski-Kurse.

Dass sie ein wenig in Vergessenheit geriet, muss überraschen. Denn die Frau vom Tegernsee war mal eine richtige Nummer im Skisport. Ein Blick aufdie Schlagzeilen von damals – und man ist im Bilde: „Marianne internationale Klasse“, „Die überragende Läuferin“ oder „Marianne nicht zu schlagen“. Bei den Spielen in Oslo 1952 holte sie Platz zehn im Riesenslalom, vier Jahre später Platz zwölf. Dazwischen räumte sie in Sestrière, Italien, drei Goldene auf einmal ab. „Sie war eigentlich immer weg“, erzählt die Freundin, die ungenannt bleiben will. Es blieb also nichts übrig: „Mariannes Mama und ich sind immer vorm Radio gesessen und haben die Ergebnisse aufgeschrieben.“ Das war im Elternhaus im Gmunder Ortsteil St. Quirin.

Dorthin kehrte Seltsam, die lange in München lebte, später zurück. Vom Sport konnte sie aber trotz Rente nicht die Finger lassen. Bis vor einigen Jahren leitete sie zwei Skigruppen, die Dienstagsdamen und die Donnerstagsdamen. Und auch mit den Team-Kolleginnen von Oslo hielt sie Kontakt. Auf einem Wintersport-Foto von 1991 ist sie mit Ossi Reichert und Mirl Buchner zu sehen. „Z’am 190 Jahre“ steht quer drüber geschrieben. Sollte wohl heißen: Skifahren kennt kein Alter. „Sie hat auch etwas für das Selbstbewusstsein der Deutschen getan“, sagt Seltsams Freundin – wie die Fußballer von 1954. Das bleibt, viel länger vielleicht als die ganzen Pokale, die noch immer in einem Schrank in Seltsams Elternhaus stehen. Ihre Freundin wird ihn demnächst ausräumen – und vielleicht einen Pokal behalten.

Von Marcus Mäckler

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