Mitarbeiter eines Film-Teams statt Zuschauer saßen Alfons Besel (am Stehpult) gegenüber, als er im Neureuthersaal seinen Rückblick hielt.
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Mitarbeiter eines Film-Teams statt Zuschauer saßen Alfons Besel (am Stehpult) gegenüber, als er im Neureuthersaal seinen Rückblick hielt.

„Wollen innovativer Zukunfts-Ort bleiben“

Viele Zuschauer, viele Fragen im Chat: So lief die erste Online-Bürgerversammlung in Gmund

  • Gerti Reichl
    vonGerti Reichl
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Premiere in Gmund: Zum ersten Mal lud Bürgermeister Alfons Besel zu einer Online-Bürgerversammlung ein. Die Gmunder nahmen das Angebot rege an - und chatteten mit der Gemeinde.

Gmund – 330 Zuschauer, 50 Chat-Anfragen, acht schriftliche Anfragen im Vorfeld – „wunderbar“, freute sich Rathauschef Alfons Besel am Ende der Online-Bürgerversammlung am Donnerstag (4. März), die für Gmund eine Premiere war: Nicht vor Publikum und voll besetzten Reihen berichtete Besel über Entwicklungen und Ereignisse, sondern vor der Kamera eines Film-Teams und an einem Stehtisch im leeren Neureuthersaal. Nur ein harter Kern an Mitarbeitern saß für Chat-Fragen bereit.

Besel: „Corona ist eine unglaubliche Herausforderung“

Eine Stunde und fünf Minuten dauerte die technisch einwandfreie Übertragung in die Wohnzimmer der Bürger. Eine Broschüre mit allen Infos wurde zudem gestern am Rathaus ausgelegt. Beinahe war alles wie immer: Das Gedenken an verdiente Mitbürger (Mesner Hans Latein), der Dank an die Gemeinderäte und Mitarbeiter, an Vereine und sozial sowie ehrenamtlich Engagierte. Doch an Corona kam Besel nicht vorbei. Die Pandemie bezeichnete er als „unglaubliche Herausforderung für das Gesundheitssystem und die Familien“. Sie sei eine „wirtschaftliche Katastrophe“. Deshalb bat er alle: „Kauft’s vor Ort ein.“ Er sei überzeugt, dass mit Vernunft, Vorsicht, Zuversicht und Zusammenhalt die Krise zu meistern ist.

Pandemie rüttelt an solider Finanzlage der Gemeinde

Wie sich Corona auswirkt, wurde an vielen Stellen deutlich: So werde sich die derzeit noch „sehr solide“ Finanzlage ändern. Bereits jetzt würden die Einnahmen aus der Einkommensteuer um 200.000 Euro unter dem geplanten Ansatz liegen. Bei der Gewerbesteuer rechne der Kämmerer mit einem Minus von 1,1 Millionen Euro. 4,2 Millionen werde er nurmehr ansetzen. Vieles sei schon 2020 der Pandemie zum Opfer gefallen: etwa die Einweihung der Kinderkrippe. „Hier zu arbeiten, ist schon zu normalen Zeiten der Wahnsinn, aber jetzt ist das anspruchsvoll hoch zwei“, sagte Besel und dankte dem Team dafür, dass es einen „unaufgeregten und professionellen Job“ mache.

Lesen Sie hier: Ein Jahr der Planung: Das hat die Gemeinde Gmund 2021 vor

Die Grundschule betreffend berichtete Besel von der digitalen Ausstattung, die auch die Anschaffung von Leihgeräten im Wert von 15.500 Euro umfasse. „Die komplette IT-Infrastruktur ist auf dem Prüfstand.“ 81.000 Euro stünden an Fördermitteln bereit, der Glasfaser-Antrag für schnelles Internet sei am Laufen. Überhaupt seien im vergangenen Jahr 7,7 Kilometer Glasfaserkabel in Gmund verlegt worden, mit Plänen zur weiteren Versorgung der Randgebiete werde sich der Gemeinderat wohl im April befassen.

Umbau des Bahnhofs gehört zu den größten Projekten

Anhand vieler Beispiele zeigte Besel, wie sich Gmund entwickeln werde. Der Umbau des Bahnhofs Gmund mit Parkplatz und Busbahnhof gehört da ebenso dazu wie der Plan, fahrradfreundliche Kommune zu werden. „25 Prozent unseres Konzepts haben wir geschafft“, sagte Besel und machte auf neue Radabstellanlagen und E-Bike-Ladestationen aufmerksam.

„Wir wollen ein innovativer Zukunfts-Ort bleiben und auf unseren Stärken aufbauen“ – mit dieser Ansage fasste Besel die Gedanken zur strategischen Entwicklung des Orts zusammen. Er kündigte Exkursionen und Workshops an, um das Thema Wohnen und Architektur zu beackern.

Thema Wohnen bewegt die Gmunder Bürger

Gerade dieses Thema bewegte die Zuschauer im Netz. Sie wollten wissen, ob etwa Einheimischen-Programme oder kommunaler Wohnungsbau geplant seien und was unternommen werde, um der Wohnungsnot für Familien zu begegnen. Hierzu kündigte Besel an, dass sich der Gemeinderat in einer Klausur damit befassen werde. „Es gibt hohe Fördergelder, die wir nutzen sollten.“ Anfragen betrafen unter anderem die Einführung von Tempo 50 bei Seeglas. Die, so gab Besel die Stellungnahme des Landratsamts wieder, sei jedoch „nicht gerechtfertigt und nicht vermittelbar“.

gr

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