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Die Kirche St. Quirin ist für die Sanierung eingerüstet.

Sie kostet 1,7 Millionen Euro

St.Quirin: So aufwändig ist die Sanierung

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Der Turm des Kirchleins in St. Quirin ist schief, die Zwiebel muss runter. Aber das ist erst der Anfang. Die aufwendige Sanierung verschlingt 1,7 Millionen Euro.

St. Quirin – Der Kirchturm in St. Quirin ist eingerüstet, bald wird ein Kran die Zwiebel nach unten hieven. Im Dachstuhl haust der Holzbock, in den Mauern wächst Schimmel, der Stuck droht von der Decke zu fallen, das Fundament ist völlig durchnässt. Dass die kleine Kirche direkt an der Straße eine Rundumerneuerung braucht, ist schon lange bekannt (wir berichteten). Jetzt endlich hat die Sanierung begonnen. Sie kommt deutlich teurer als erwartet. Erst war von 500 000 Euro die Rede, jetzt liegt die Kalkulation bei 1,7 Millionen Euro. Die Arbeiten werden sich bis 2019 hinziehen.

„Wir fangen von oben an“, erklärt Fidel Niggl. Erst würden Turm und Dachstuhl saniert, im nächsten Jahr dann die Fundamente und zum Abschluss der Innenraum. Niggl ist oft auf der Baustelle: Als Verbundspfleger kümmert er sich im Auftrag des Pfarrverbands Tegernsee/Egern/Kreuth um die großen Baumaßnahmen. „Für uns ist sein Engagement ein Geschenk“, würdigt Pfarrer Walter Waldschütz die ehrenamtliche Arbeit. Ansonsten ließen sich so große Projekte kaum stemmen.

Vor seinem Ruhestand hat Niggl noch weit größere Summen bewegt. 31 Jahre lang war er für die Bayerische Landesbank tätig. Gewohnt hat Niggl immer an der Tegernseer Neureuthstraße. Seinen Eltern gehörte das Bahnhotel Tegernsee, auch er selbst wurde Hotelier. Später entschied er sich, doch noch Betriebswirtschaft zu studieren. Das Bahnhotel wurde 1973 abgebrochen. Und Niggl kümmerte sich bei der Landesbank um internationale Projekte.

Als Ruheständler einfach nur den Tag zu genießen, war ihm zu wenig. Seit 2013 engagiert er sich in der Kirchenverwaltung, seit 2014 kümmert er sich als Verbundspfleger um Jahresrechnung und Haushaltsplanung des Pfarrverbands. Die Betreuung der Immobilien ist eigentlich Aufgabe der Kirchenpfleger, die es in den einzelnen Orten zusätzlich gibt. Doch Niggl, der einzige Rentner unter den Kirchenpflegern, ist der Kümmerer für die großen Projekte. Davon gibt es aktuell gleich mehrere. Neben der Sanierung von St. Quirin ist ein ganzes Bündel von Brandschutzmaßnahmen im Tegernseer Pfarrzentrum Quirinal zu begleiten. Dort mussten vor allem Fluchtwege geschaffen werden, aus dem Gebäude und der Tiefgarage. Inzwischen sind die Arbeiten weitgehend abgeschlossen. 360 000 Euro haben die Maßnahmen gekostet. Um die Nutzung von regenerativen Energien zu befördern, wurde auch noch eine Pelletsheizung eingebaut, die im ganzen Pfarrzentrum mit Forsthaus, Saal und Verwaltungsgebäude für Wärme sorgt. Schwer beschäftigt ist Niggl auch mit der Tegernseer Pfarrkirche St. Quirinus, deren Instandhaltung und Restaurierung eine Daueraufgabe darstellt.

Um den Beginn der Renovierung des Kirchleins St. Quirin hat der Pfarrverband lange gerungen. „Das ist ein echtes Kleinod“, sagt Niggl. Seit 550 Jahren schon steht das historisch bedeutsame Kirchlein an seinem Platz. Der hat allerdings seine Tücken. Die Ostseite des Gotteshauses ragt zwei Meter in den Hang. „Und wir müssen rundum abgraben“, berichtet Niggl. Die nassen Fundamente sollen komplett freigelegt werden. Dabei müssen die Zufahrten zu den umliegenden Grundstücken frei gehalten werden. Die Enge ist ohnehin ein Problem: Bei der Kirche gibt es keinen einzigen Parkplatz. Wer dort eine Hochzeit feiert oder sein Kind taufen lässt, braucht einen Transfer mit dem Bus. Um Stellplätze zu gewinnen, führt Niggl Verhandlungen mit den Besitzern der Nachbargrundstücke. Auch dies ist eine Aufgabe, die viel Fingerspitzengefühl erfordert, wie Niggl durchblicken lässt: „Die Grundbesitzer sind da sehr vorsichtig.“

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