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Mit Grant und Grandezza geigte in Gmund Florian „Flickä“ Oberlechner der lokalen Politprominenz als Fastenprediger die Meinung.

Fastenprediger Florian Oberlechner in Bestform

Starkbierfest in Gmund:  Grandioser Grantler

Mit Grant und Grandezza geigte in Gmund Florian „Flickä“ Oberlechner der lokalen Politprominenz als Fastenprediger die Meinung. Im Gasthof am Gasteig stand der Kreuther zum neunten Mal auf dem Podium.

Gmund – Dass der Flickä einer der ganz Großen ist, machte er für die, die es vielleicht bisher noch nicht wussten, in diesem Jahr einmal selbst deutlich. Es wird schließlich gerade in der großen Politik vorgemacht. Und so stellte er sich denn auch gleich international und weltmachtmassig auf Englisch vor: „I am the Flickä mit the glorian Wamp, nicht zu verwechseln mit the Donald Trump.“ Er fürchtete aber gleich, dass der Preysing Schorsch ihn dann in das „Guantanamo von Gmund, oiso den Erhard-Platz, einsperrt“.

Die Hitliste der abstrusen Lokalpolitik dürfte dem Fastenprediger zufolge auch dieses Jahr wieder ungeschlagen Bad Wiessee anführen. Jedes Gemeinderatsmitglied dort habe inzwischen mindestens ein Bürgergespräch einberufen, und jeder Satz davon sei in der Zeitung nachzulesen. Das habe Konsequenzen in Kreuth: An der Fischerei würde keiner mehr den Fisch in Zeitungspapier einwickeln, weil der sonst zu stinken anfange. In Bad Wiessee sprudelten früher die Heilquellen, jetzt seien es die wahnwitzigen Ideen, die wie Geysire aus dem Wiesseer Gemeinderat sprühten. Und das alles unter der unterhaltsamen Führung des Bürgermeister-Duos Höß-Huber. Die, so Flickäs Beobachtung, sprechen sich ab, um sich zu widersprechen. Sein Rat: Bad Wiessee solle sich überlegen, ob es überhaupt weiterhin an dieser Art Badekur festhalten will. Die Mitarbeiter im Jod-Schwefelbad seien in ihrem Provisiorium gut aufgeräumt, und der Christoph von Preysing habe im Wiesseer Aquadome ohnehin schon das alternative Badehaus etabliert. Allerdings, und das wäre das Problem, könne man diese Schaumwein-Anwendungen noch nicht auf Kassenrezept erhalten.

Schade nur, dass kaum jemand von der Wiesseer Lokalpolitik bei dieser Fastenpredigt Gast war.

Aber auch Kreuth nahm sich der Flickä in diesem Jahr vor. Langjährige Beobachter seiner Predigten zum Starkbieranstichs wissen, dass ihm das als Einheimischen dieses verträumten Ortes nicht leicht fällt. Während es im Tal zugehe wie im Haifischbecken, sei die Geschwindigkeit in Kreuth eher die einer 300 Jahre alten Galapagos-Schildkröte, stellte er fest. Aber es müsse etwas geschehen, forderte der Flickä. Denn es mehrten sich die Ruinen.

Der Bichlwirt sei nun „ein Gut Aiderbichl für kaputte Heizungskessel und Baukräne“. Und was die alte May-Klinik angeht: Es sei lobenswert, dass der Kreuther Bürgermeister auf dem Grundstück Wohnraum für einheimische Familien schaffen möchte, aber das sei im Tegernseer Tal der Spekulanten ungefähr so, als würde man „ein paar frischgschlupfte Bieberl in einen Löwenkönig werfen“.

Rottach-Egern wiederum brauche in der Fastenpredigt dieses Jahr keine Erwähnung – die Predigt habe Bürgermeister Christian Köck jüngst selbst gehalten. Und in Tegernsee werde es so langweilig, wie Johannes Hagn den Gemeinderat am Zügel habe und nur noch in homöopathischen Dosen Tatendrang zeige. Aufpassen müsse man nur, dass der Tegernsee nicht bald Saunasee heiße, schließlich vergrößere sich die Seesauna permanent.

Auch auf die großen Themen wagte der Fastenprediger einen Blick. Da ging’s ihm ums „vegan Essen“, denn „wegam Essen“ ordne sich der Mensch inzwischen hinter Blattlaus und Mehltau ein. Oberlechner wagte aber auch an die Flüchtlingsproblematik. „Flüchtlinge raus, schreien die, die nicht mal wissen, wo das Ausland beginnt“, meinte er.

Der Flickä hat wieder einmal mehr bewiesen, dass er es kann: das Kleine und das Große des Weltgeschehens mit Grant verbinden, dabei ins Gewissen reden und doch sein Publikum permanent zum Lachen zu bringen. Tosender Applaus war das Lob an ihn. Den gab es auch zu späterer Stunde: Im anschließenden Einakter, einem „Spielsing“, sorgten Anian Roth und Silvester Leo für beste Unterhaltung.

Von Sonja Still

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