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Austausch über die Kreativwirtschaft: (v.l.) Mathias Leidgschwendner, Regina Huber, Symposiums-Kurator Christoph Böninger, Christina Mayr, Regionalmanagerin Ingrid Wildemann-Dominguez, Landrat Wolfgang Rzehak und SMG-Geschäftsführer Alexander Schmid.

symposium „mcbw meets mb“

Die Stadt zerzaust Kreativität – eine Chance

Über 100 Kreative haben sich aufs Land hinausgewagt und in Gmund ihre beruflichen Möglichkeiten außerhalb der Stadt gecheckt. Inspirierende Erfolgsgeschichten von Machern in der Kreativwirtschaft.

Landkreis Die Münchner Design-Messe MCBW und die Standortmarketing Gesellschaft (SMG) Landkreis Miesbach boten ein Symposium der kreativen Art: Unter der Ägide von Designer und Unternehmer Christoph Böninger (Auerberg Produkte GmbH aus Fischbachau) brachten die Wirtschafts-Networker junge Vertreter der Kreativwirtschaft mit erfahrenen und solche aus der Stadt mit jenen, die auf dem Land arbeiten, zusammen. Die Zielsetzung: ein produktiver, praxisbezogener Austausch.

Inmitten der Produktionshallen der Büttenpapierfabrik Gmund startete der bekannte Philosoph Wilhelm Vossenkuhl mit dem Impulsvortrag „Raum des Erfolgs“. Dabei machte er deutlich, dass Gestalten mehr ist als Designen oder Architektur zu entwerfen. „Gestalten bedeutet, die Welt so zu verändern, dass sie lebenswert ist.“ Zur Entfaltung brauche es Freiheit. Und die gäbe es in der Stadt nicht mehr. Im Gegenteil: „Die Stadt zerzaust Kreativität. Isolation fördert sie.“

Daher müsse der ländliche Raum – und diese Forderung richtete Vossenkuhl in Richtung der Wirtschaftsförderer – als Raum der Kreativität und Bildung gestaltet werden, als Raum der Selbstbestimmung. Denn auch alles, was auf dem Land gestaltet wird, muss dem Wettbewerb standhalten und sich weltweit bewähren.

Über Strategien, Hindernisse, Erfolge und auch das Scheitern berichteten spannend der Möbelhersteller Nils Holger Moormann aus Aschau, der e-commerce-Macher Johannes Altmann (shoplupe GmbH Miesbach), Flowmotion-Agentur-Chefin Anja Freitag (Coworkerei Gmund) und Ex-Snowboard-Profi Peter Bauer aus Fischbachau (Amplid und Pally’Hi Snowboard und Skiausstattung). Ihnen ist gemein, dass sie ihr direktes Umfeld – meist in alten Bauernhäusern oder umgebauten Scheunen – so kreativ gestaltet haben, dass ihre Kunden die Geschäftsmeetings auf dem Land schätzen. Der Arbeitsplatz selbst wird zum Marketing-Werkzeug. Die Kunden seien entspannt, und die Kreativen selbst auch. Denn sie stehen nicht täglich im Stau, sind nah dran an der Kraft und Inspiration spendenden Natur und an der eigenen Familie.

„Es ist inspirierend und ermutigend, dass das klappen kann“, sagte deshalb die 25-jährige Regina Huber aus Erding. Sie arbeitet in einer Münchner PR-Agentur, würde aber lieber auf dem Land leben und arbeiten. Gemeinsam mit ihrer Freundin Christina Mayr (26), Produkt-Design-Studentin aus Coburg, war sie nach Gmund gekommen. Mayr möchte sich später selbstständig machen und gerne ein Praktikum bei Moormann absolvieren. „Schön zu sehen, dass ,selbstständig‘ auch im Hinterland funktioniert“, sagte sie.

Dass dem so ist, wusste der Haushamer Mathias Leidgschwendner (28) als Grafik-Designer Herausgeber des („Fasson“) bereits. Er habe aber immer wieder überlegt, ob er nicht doch nach München gehen soll. Das sei aber vom Tisch. Die Vielfalt von Machern und Schaffern aus der Kreativwirtschaft, mit denen man sich über das Symposium „MCBS meets MB“ unkompliziert vernetzen kann, habe ihn überrascht.

SMG-Regionalmanagerin Ingrid Wildemann-Dominguez findet: „Das Gefühl, dass man nicht allein kreativ unterwegs ist, ist wichtig.“

Weil der Landkreis Miesbach Investitionsstandort sein möchte, habe sie besonders bei den Workshops gut zugehört, in denen es um die verschiedenen Wünsche der Kreativen ging. „Auch wenn wir jetzt schon super Voraussetzungen bieten: Wir müssen über den Tellerrand hinausschauen und selbst kreative Ideen entwickeln, sonst ziehen andere Regionen an uns vorbei.“

Alexandra Korimorth

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