Verkehrschaos 

Notarzt bittet Tal-Bewohner: Rufen Sie uns nur, wenn es wirklich notwendig ist

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Auch Notärzte müssen durch den Stau im Tegernseer Tal. Wir haben Dr. Thomas Straßmüller gefragt, wie die Retter mit dem Verkehrschaos umgehen und wie Autofahrer helfen können. Ein Interview.

Gmund – Bis jetzt ist immer alles gut gegangen. Auch beim schweren Frontalzusammenstoß am Sonntag, 12. August, auf der B 307 bei Glashütte, als auf den Straßen im Tegernseer Tal durch Staus und Baustellen kaum ein Durchkommen war, waren die Rettungskräfte schnell vor Ort. Zwar hatte der Rettungswagen aus Moosrain eine lange Anfahrt, dafür kümmerten sich Notärzte und die Feuerwehr Kreuth um die beiden verletzten Autofahrerinnen (wir berichteten).

Dr. Thomas Straßmüller (46) ist Leiter der Notarztgruppe Tegernseer Tal.

Doch während die Feuerwehren dank ihrer Verteilung über alle Gemeinden im Landkreis meist keine allzu weite Anfahrt haben, sind die Notärzte mitunter voll vom Verkehrschaos im Tal betroffen. Wir haben uns mit dem Leiter der Notarztgruppe, Dr. Thomas Straßmüller (46) aus Gmund, über die Probleme und mögliche Lösungsansätze unterhalten.

Herr Straßmüller, die Verkehrssituation im Tegernseer Tal wird immer schlimmer. Müssen die Notärzte bald auf Luftrettung umstellen?

So weit ist es zum Glück noch nicht. Beim Unfall in Glashütte am Sonntag, 12. August, war eine Kollegin von Rottach-Egern aus innerhalb der Hilfsfrist von zwölf Minuten vor Ort. Vor dem Hubschrauber, wohlgemerkt. Es stimmt aber schon, dass auch wir vermehrt mit vollen Straßen zu kämpfen haben, gerade in den Ferien und am Wochenende. Erschwerend hinzu kommt die Zunahme an der eigentlich sinnvollen verkehrsberuhigten Zonen.

Weil Sie da nicht mehr so schnell fahren können?

Weil wir manchmal gar nicht mehr durchkommen. Ich denke da zum Beispiel an die Verkehrsinsel am Tegernseer Rathaus. Wenn da vorne die Fußgängerampel rot ist, können wir nicht mehr ausweichen – und die Autos vor uns auch nicht. Die Lösung wäre, dass die Fahrzeuge ganz vorne trotz Rotsignal ein Stück vor fahren. Natürlich ganz langsam und vorsichtig, damit sie niemanden gefährden. Nur die wenigsten Autofahrer wissen aber, dass das erlaubt ist, um einem Einsatzfahrzeug Platz zu machen. Leider nicht der einzige Punkt, wo noch Aufklärungsarbeit notwendig ist.

Lesen Sie auch: Zwölf Minuten bis zum Einsatzort: Nicht überall ist das möglich

Wo hakt es noch?

Wir müssen auch immer wieder an die Leute appellieren, den Rettungsdienst nur dann zu verständigen, wenn es wirklich notwendig ist. Jeder unnötige Alarm sorgt dafür, dass ein Einsatzfahrzeug für eine bestimmte Zeit blockiert ist. Damit steht es im Ernstfall bei Unfällen nicht zur Verfügung – und die Vertretung hat oft eine weitere Anfahrt.

Muss man aber nicht auch über eine Aufstockung der Kapazitäten nachdenken?

Aktuell sind die Eintreffzeiten noch gut. Die Situation wird aber mittels Gutachten fortlaufend analysiert und der Ausstattungsplan alle paar Jahre angepasst. Entweder nach unten, oder eben auch nach oben.

Dann ist da ja noch die in der Fläche oft besser verteilte Feuerwehr.

Die Zusammenarbeit klappt hier wirklich hervorragend. Gerade bei der Versorgung von Patienten in oberen Stockwerken sind wir oft auf eine Drehleiter angewiesen. Zudem sind die Feuerwehrler für ihren Einsatz als Ersthelfer geschult, zum Beispiel im Umgang mit Defibrillatoren. Die medizinische Versorgung sollte aber schon eine Aufgabe von Notärzten und Rettungsdienst bleiben.

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa / Patrick Seeger

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