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Diskutierten unter der Moderation von Ursula Heller über Bargeld: (v.l.) Ex-BKA-Chef Jörg Ziercke, Ulrich Binnebößel vom Handelsverband, Johannes Beermann von der Bundesbank und Gastgeber Wolfram Seidemann von Giesecke & Devrient. 

Experte rät beim „Tegernseer Dialog“

„Bargeld nicht weiter schlechtreden“

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Es ist das einzige staatliche Zahlungsmittel und kommt bei 74 Prozent aller Einkäufe zum Einsatz: Bargeld. Dennoch wird in regelmäßigen Abständen über sein Ende spekuliert.

Gmund - „Wir dürfen Bargeld nicht noch weiter schlechtreden“, forderte deshalb Geschäftsführer Ulrich Binnebößel vom Handelsverband Deutschland beim „Tegernseer Dialog“ in Louisenthal. „Seine Vorteile gehören mehr herausgestellt.“

Auf Einladung des Technologiekonzerns Giesecke& Devrient (G&D), der sein Geld

mit der Herstellung von Banknoten, aber auch mit der Entwicklung von bargeldlosen Zahlungs- sowie Sicherheitssystemen verdient, diskutierte eine illustre Runde über „Bargeld als öffentliches Gut“. Vorstandsmitglied Johannes Beermann von der Deutschen Bundesbank berichtete eingangs vom staatlichen Versorgungsauftrag seiner Behörde, stellte aber auch klar: Die Bundesbank verhalte sich neutral, was die Vorlieben der Bevölkerung bei ihrem Zahlungsverhalten betrifft. Fakt sei aber auch: „Bargeld ist immer noch das beliebteste und kostengünstigste Zahlungsmittel in Deutschland.“

Binnebößel bestätigte das – und nannte als Beispiele aus Handelssicht teils hohe Kartengebühren und Ausgaben fürs sogenannte Cashback. Supermärkte sparten sich keineswegs Kosten, wenn Kunden an der Kasse Geld abheben, denn pro Transaktion wird wiederum eine Gebühr fällig. „Es wäre für die Märkte günstiger, das Bargeld abholen zu lassen“, stellte er klar. „Cashback oder Kartenzahlungen sind ein notwendiger Service.“

Ob die Kriminalitätsrate sinken würde, wenn man das Bargeld abschafft, wollte Moderatorin Ursula Heller vom früheren Präsidenten des Bundeskriminalamts wissen. „Kriminalität ist ohne Geld nicht vorstellbar, aber man muss sie auch hinnehmen als Teil einer freien Gesellschaft“, sagte Jörg Ziercke. Mittlerweile gebe es im Cyberspace aber ganz neue Formen von Kriminalität, unter anderem durch das Abgreifen von Kreditkartendaten. 2017 wurden in Deutschland laut Ziercke 91 000 falsche Geldscheine sichergestellt, betroffen ist auch der 500er. Der Schaden durch Fälschungen lag nach den Worten von Beermann bei 4,1 Millionen Euro – ein vergleichsweise „überschaubarer Betrag“.

Die Bemühungen der Fälscher zeigen freilich: Bargeld ist weiter von immenser Bedeutung. Als „kritische Infrastruktur eines Landes“ bezeichnete es der Gastgeber des Abends, Geschäftsführer Wolfram Seidemann von der G&D-Tochter Currency Technology. Bargeld, für das in Louisenthal Papier und Sicherheitsmerkmale hergestellt werden, werde noch lange als Backup erforderlich sein, weil sich keines der anderen Zahlungssysteme allein durchsetzen kann. Und Bargeld sei bezüglich der Kosten die Richtschnur für alle anderen Zahlungsformen.

Letztlich lasse sich der richtige Umgang mit Geld nur mit Münzen und Banknoten lernen. Seidemann rief deshalb dazu auf, dieses Gefühl auch der nächsten Generation zu vermitteln: „Geben Sie Ihren Kindern und Enkelkindern das Taschengeld in bar.“

sh

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