Experten an der Schiene: Markus Schöllenberger (l.) und Manfred Mayr von der Tegernsee Bahn prüfen und justieren die neue Spurkranzschmieranlage an den Gleisen im Bereich des Gmunder Bahnhofs.
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Experten an der Schiene: Markus Schöllenberger (l.) und Manfred Mayr von der Tegernsee Bahn prüfen und justieren die neue Spurkranzschmieranlage an den Gleisen im Bereich des Gmunder Bahnhofs.

Neue Spurkranzschmieranlage installiert

Testbetrieb gestartet: „Anti-Lärm-Anlage“ in Gmund soll Kreischen von BRB-Zügen reduzieren

  • Sebastian Grauvogl
    vonSebastian Grauvogl
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Ist es mit dem Zuglärm am Gmunder Bahnhof bald vorbei? Die neue Spurkranzschmieranlage, die die Tegernsee Bahn dort installiert hat, scheint zu helfen. Der Testbetrieb läuft.

Gmund/Holzkirchen – Mit dem Schmieren von Schienen ist es so eine Sache. Einerseits wird die Reibung der Zugräder auf den Gleisen und damit auch das für die Anwohner der Bahnstrecken unangenehme Quietschen reduziert. Andererseits kann es bei einer Überdosierung auch schnell rutschig werden beim Bremsen oder Beschleunigen. „Dann kommen die Züge den Gmunder Berg nicht mehr rauf“, sagt Heino Seeger, Betriebsleiter und Aufsichtsrat der Tegernsee-Bahn-Betriebsgesellschaft.

Im Gmunder Bahnhof scheint nun ein guter Kompromiss gefunden. Mitte vergangener Woche sind dort zwei stationäre Anti-Lärm-Anlagen in einen dreimonatigen Testbetrieb gegangen. Die ersten Eindrücke seien vielversprechend, betont Seeger. Zumindest subjektiv sei das Quietschen deutlich zurückgegangen. „Es hört sich gut an.“

Auch die Bürgerinitiative „Endstation Lint“ vermeldet eine „erhebliche Reduzierung des Lärms und der Vibrationen in Gebäuden“. Die Initiatoren bedanken sich deshalb umso mehr bei Seeger sowie den Bürgermeistern Johannes Hagn (Tegernsee) und Alfons Besel (Gmund) und auch Landrat Olaf von Löwis, welche diese Testphase ermöglicht hätten. Die Anlage der slowenischen Firma Elpa komme weltweit zum Einsatz, um „Lärm-Hotspots“ im Schienennetz spürbar zu entschärfen.

Technische Lösung reduziert Lärm und Verschleiß

Der Clou liegt in der Zusammensetzung des Mittels, das über die Spurkranzschmieranlage auf die Gleise aufgebracht wird, erklärt Seeger. Dieses enthalte Graphit und weise damit einen höheren Feststoffanteil als beispielsweise Fett auf. Gleichzeitig verringere es den Reibwert sogar weiter als die klassische Schmiere und beuge parallel erhöhtem Verschleiß vor. Auch der Unterhaltsaufwand halte sich in Grenzen. Nur alle vier bis sechs Monate müssen laut Seeger die Behälter mit dem Spezialmittel aufgefüllt werden. Sollte sich die Anlage weiterhin im Test bewähren, denke man über eine fixe Installation der zwischen 50 000 und 70 000 Euro teuren Anlagen an den neuralgischen Punkten im Netz der Tegernsee Bahn nach, erklärt der Betriebsleiter und Aufsichtsrat.

Die Bürgerinitiative sieht derweil „weiter dringenden Handlungsbedarf auf Seiten der BRB, um den Bahnbetrieb im Oberland endlich auf ein für alle Bürger erträgliches Niveau zu heben“. Sollte der angekündigte Test der sogenannten Absorber an den Zugrädern das Kreischen der Triebwagen tatsächlich vermindern, müssten „umgehend alle BRB-Züge des Typs Lint 54 umgerüstet werden“.

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Testbetrieb von Schallabsorbern soll Ende April starten

Der erste Satz mit 16 Rädern an acht Achsen ist mittlerweile produziert, teilt der technische Geschäftsführer der BRB, Arnolf Schuchmann, auf Nachfrage unserer Zeitung mit. Eine Nachrüstung der bereits im Einsatz befindlichen Räder sei nicht möglich. Die Nut für die schalldämpfende Wirkung der Absorberringe könne laut Herstellerangaben nur bei der Fertigung eingefräst werden. Weil es nach der Montage noch eine neue Zulassung brauche, habe man die für das Gutachten notwendigen Unterlagen beim Eisenbahnbundesamt bereits eingereicht. Ende April soll dann das Testfahrzeug im normalen Flottenbetrieb unterwegs sein, um die Erfahrungen für die Komplettumstellung aller Züge zu veranlassen, erklärt Schuchmann.

Die Kosten wird die BRB nicht ohne Zuschüsse stemmen können, sagt Geschäftsführer Fabian Amini. Sollte sich die Technik aber bewähren, werde es sicher nicht an der Finanzierung scheitern. Hoffnung macht laut Schuchmann die Ausstattung für das Testfahrzeug, an der sich die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG) mit 75 Prozent beteiligen werde.

Die immer wieder laut werdende Kritik, die BRB würde nur zögerlich und erst auf öffentlichen Druck hin gegen den Lärm vorgehen, weist Amini klar zurück. „Wir arbeiten seit Monaten an einer technischen Lösung des Problems.“ Dass die Umsetzung an den Fahrzeugen länger dauere als stationär am Gleis, sei nachvollziehbar.

Die nun erfolgte Installation der Anlage durch die Tegernsee Bahn begrüße man natürlich, betont Amini. Wie berichtet, hatte die BRB dies selbst beim Runden Tisch zur Problematik vorgeschlagen. „Letztlich“, sagt der Geschäftsführer, „arbeiten wir alle am selben Ziel“.

sg

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