1. Startseite
  2. Lokales
  3. Tegernsee
  4. Gmund

Umfrage von Endstation Lint und BRB Barrierefrei: „Vernichtende Ergebnisse“ - BRB kontert

Erstellt:

Von: Christian Masengarb

Kommentare

Sehen sich bestätigt: (v.l.) Das Bündnis BRB Barrierefrei um Gisela Hölscher (FW-Kreisvorsitzende), Markus Ertl (Vorsitzender Ungehindert e.V.), Ralph Seifert (Behindertenbeauftragter Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen) und Helmut Gries sowie Endstation-Lint-Sprecher Rudolf Probst.
Sehen sich bestätigt: Das Bündnis BRB Barrierefrei um (v.l.) Gisela Hölscher (FW-Kreisvorsitzende), Markus Ertl (Vorsitzender Ungehindert e.V.), Ralph Seifert (Behindertenbeauftragter Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen) und Helmut Gries sowie Endstation-Lint-Sprecher Rudolf Probst bei der Präsentation der Umfrage-Ergebnisse am Gmunder Bahnhof.. © Thomas Plettenvberg

Die Debatte um die Lint-Züge der BRB geht weiter. Die Initiativen Endstation Lint und BRB Barrierefrei haben eine Umfrage vorgestellt, die dem Lint „vernichtende Ergebnisse“ bescheinigen soll. Die BRB hält die Studie für tendenziös.

Landkreis – Zum Ortstermin am Gmunder Bahnhof kommt Gisela Hölscher einige Minuten zu spät: Stau bei der Anfahrt. Ein Grund, dass nicht mehr Menschen von der Straße auf den Zug umsteigen, meint die FW-Kreisvorsitzende, seien die aus ihrer Sicht untragbaren Lint-Züge, mit denen die BRB seit einem Jahr zwischen Landkreis und München pendelt. Zu laut seien diese, viele schafften es wegen Hindernissen beim Einstieg gar nicht in den Zug. Am Bahnhof angekommen, zeigt Hölscher die Ergebnisse einer Umfrage, die belegen sollen: Tausende denken wie sie. „Die Ergebnisse sind für den Lint vernichtend.“

Mehr zum Thema: BRB: Lint-Züge bereits leiser - Weitere Verbesserungen geplant

Umfrage von Endstation Lint und BRB Barrierefrei: „Vernichtende Ergebnisse“ - BRB kontert

Die Umfrage hat das Bündnis BRB Barrierefrei um Hölscher, Markus Ertl vom Verein Ungehindert, Ralph Seifert, Behindertenbeauftragter des Landkreises Bad Tölz-Wolfratshausen, und dem Gmunder Helmut Gries zusammen mit der Aktion Endstation Lint um Rudolf Probst durchgeführt. Bei 17 Fragen verglichen knapp 3000 Teilnehmer den neuen Zug mit seinen Vorgängern: Besser, gleich, schlechter oder inakzeptabel?

Hölscher betont: Im Gegensatz zu einer Umfrage der BRB – diese hatte dem Lint im April rund 95 Prozent Zufriedenheit bei Fahrgästen bescheinigt – hätten die Bündnisse nicht nur Menschen befragt, die bereits im Zug saßen; sondern auch die, die nicht hinein kommen und an der Strecke wohnen. Jeder konnte das Formular per Post einschicken oder online ausfüllen. Das ergebe ein realistischeres Bild. Das Blocken benutzter IP-Adressen habe doppelte Stimmabgaben verhindert. Hölscher: „Wir haben denen eine Stimme gegeben, die sonst nicht gehört werden.“

Vor der Wahlplakatwand am Gmunder Bahnhof erklärt Hölscher das Ergebnis: 2850 Menschen – etwa 95 Prozent der Befragten – beurteilen laut Umfrage den Ein- und Ausstieg im Lint als inakzeptabel oder schlechter als in den alten Zügen. Der Spalt zum Bahnsteig, steile Rampen und enge Treppen stellten Senioren, Eltern mit Kinderwagen und Fahrgäste mit Koffern gefährliche Fallen; Rollstuhlfahrern und Blinden sowieso. Für Anwohner seien Geräusche und Vibration schlimmer geworden, sagen laut Umfrage über 2000 Menschen – auch die Mehrheit.

Lesen Sie auch: Runder Tisch Lint: BRB will Lint-Mängel schnellstmöglich beseitigen

Interessant: Bei den Fragen zu Pünktlichkeit, Sauberkeit und Komfort beurteilt die große Mehrheit den Lint im Vergleich zu den alten Zügen als besser oder gleich.

Was bedeuten diese Zahlen? „Der versprochene Quantensprung ist der Lint nicht“, urteilt Hölscher. Fast alles sei schlechter oder inakzeptabel geworden. Probst meint, Pünktlichkeitsvorteile seien auf Kosten von Anwohnern und mobilitätseingeschränkten Menschen erkauft worden. „Das ein neuer Zug zuverlässiger ist als ein alter, schlecht gewarteter, ist keine Überraschung.“

Für das Bündnis ist klar, was nun passieren muss: „Wir fordern neue Züge“, sagt Hölscher. In einer Pressemeldung schreibt das Bündnis: „Ziel muss sein, diese Billigfahrzeuge rasch durch umweltgerechte Fahrzeuge zu ersetzen, die vollumfänglich den Anforderungen nach Barrierefreiheit entsprechen.“

Kritik am Aufbau ihrer Studie weisen Hölscher, Probst und Co. zurück. Zwar hätten sie neben Zeitungsberichten nur über ihre Gruppen in den Sozialen Medien auf die Umfrage aufmerksam gemacht. Dass sie damit vor allem Lint-Kritiker erreichten, wissen sie. Trotzdem zeige alleine die Zahl der Teilnehmer, wie viele Menschen das Thema bewegt. „Lint-Gegner sind keine Querulanten und keine Randmeinungen“, sagt Probst. „Viele Menschen haben Probleme mit dem Zug.“

Im kommenden Jahr wollen Hölscher, Probst und Mitstreiter ihre Umfrage wiederholen. Um die angekündigten Fortschritte der BRB zu prüfen und um den Druck auf Politik und Bahn aufrecht zu erhalten. Probst: „Ohne unsere Initiativen wäre noch gar nichts passiert.“

Ebenfalls interessant: Testbetrieb gestartet: „Anti-Lärm-Anlage“ in Gmund soll Kreischen von BRB-Zügen reduzieren

BRB-Geschäftsführer Amini: Umfrage „eindeutig tendenziös“ und „unprofessionell“

BRB-Geschäftsführer Fabian Amini will darüber nachdenken, ob die Umfrage von Endstation Lint und BRB Barrierefrei „an der einen oder anderen Stelle verwertbare Informationen liefert“. Amini scheint das aber zu bezweifeln. Auf Nachfrage sagt der BRB-Geschäftsführer, die Umfrage sei „eindeutig tendenziös“ und „unprofessionell“ durchgeführt worden. „Die Ergebnisse überraschen uns nicht. Wir mussten damit rechnen, nachdem die Fragestellungen und Fotos auf der Webseite der Bürgerinitiative eindeutig auf solche Ergebnisse abgezielt haben und die laufende Umfrage mehrfach um Wochen verlängert und teils auch verändert worden war.“

Auch dem Argument der Initiatoren, Mehrfachabstimmungen durch das Blocken verwendeter IP-Adressen verhindert zu haben, widerspricht Amini. „Uns haben Fahrgäste und Anwohner angesprochen, die immer wieder an der Online-Abstimmung vom selben Gerät aus und auch mit unterschiedlichen Angaben teilnehmen konnten.“ Das könnte daran liegen, dass IP-Adressen wechseln, auch am gleichen Gerät. „Damit ist das Ergebnis schon verwässert.“

Hoffnungen des Bündnisses auf einen Austausch der Züge erteilt Amini eine Absage. Der Lint sei eine deutliche Verbesserung, auch für mobilitätseingeschränkte Menschen. Den Spalt zum Bahnsteig räumt er als Nachteil ein. „Aber die Vorteile des Lint überwiegen. Die positive Entwicklung der Fahrgastbefragungen und Qualitätsmessungen unseres Auftragsgebers, der Bayerischen Eisenbahngesellschaft, zeigen klar, dass der Flottentausch die richtige Entscheidung war. “ mas

Auch interessant

Kommentare