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Markante Malereien zieren die Gebäude gegenüber dem Rewe in Gmund. Sie stehen aber nicht unter Denkmalschutz und sollen nun für zwei miteinander verbundene Wohn- und Geschäftshäuser Platz machen.

Steht da seit 1399

Unglaublich: Dieses prägende Gmunder Haus kommt weg

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Die Ortsdurchfahrt von Gmund ändert erneut ihr Gesicht: Jetzt wird ein markantes Gebäude abgerissen, das die Geschichte des Orts geprägt hat wie einst der Gasthof Maximilian.

Gmund – Die Tegernseer Straße in Gmund ist von einigen geschichtsträchtigen Häusern geprägt, die zudem unter Denkmalschutz stehen. Das markanteste, der ehemalige Gasthof Maximilian, wird nach jahrzehntelangem Dornröschenschlaf gerade wieder zu neuem Leben erweckt. Gleich gegenüber steht das Haus Nummer 8 -– ein stattliches Gebäude mit Rundbogen-Fenstern im Erdgeschoss und einem Holzbalkon. Vor allem aber die Malerei unter dem großen Dach ist es, die so manchen Passanten zum Verweilen einlädt.

„Dieses Haus seit 1399 war das frühere Stallgebäude des Gasthofs Herzog Maximilian v.Bay..Realgerechtsame Taverne mit Posthalterei. Seit 1918 im Besitz der Familie Glasl“ steht darauf. Rechts daneben ein Hinweis auf einen berühmten Gmunder: „Max Obermayr, Wirt von Gmund, führte 1837 das Simmenthaler Vieh in Bayern ein.“ Eine weitere Inschrift ist links zu sehen, die auf die Gmunder Familie Reiffenstuel hinweist, von 1399 bis 1792 Besitzerin des Gasthofs Maximilian. Von 1617 bis 1619 baute Hans Reiffenstuel, ein talentierter Baumeister, die Salzsoleleitung von Reichenhall nach Traunstein. Bis vor Kurzem befand sich das Haus im Besitz von Familie Glasl, die sich einst auch in die Liste der Besitzer des Gasthofs Maximilian einreihte. 

Jetzt hat die Familie das Haus an der Tegernseer Straße 8 verkauft: an den in Gmund ansässigen Bauunternehmer Christian Werth. Und der lässt das Haus mit der markanten Malerei nun abreißen. Nicht nur das: Auch der kleine Bungalow am Eck zur Max-Obermayr-Straße, in dem sich zuletzt ein Wäscheladen befand, sowie die Hälfte des Wohn- und Geschäftshauses, in der Familie Rebelein eine Reinigung betreibt, kommen weg.

Seit Sommer 2016 ist von dem Vorhaben die Rede, bei seiner jüngsten Sitzung befasste sich der Gmunder Ortsplanungsausschuss konkret damit. Der Bebauungsplan „Viehhallenplatz“, der auch Häuser an der Tegernseer Straße umfasst, muss geändert werden. Wie Bauamtsleiterin Christine Lang erklärte, steht das Haus Nummer 8 nicht unter Denkmalschutz. Dies hätten Vertreter des Landesamts für Denkmalpflege bei einer erneuten Besichtigung erklärt. Damit ist der Weg also frei für Abriss.

Christian Werth plant Folgendes: Auf dem Grundstück sollen zwei neue Häuser entstehen. Das nördlich gelegene wird 40 mal 13 Meter groß, das südliche 23 mal 11,50 Meter. Beide Gebäude sind mit dem Giebel zur Bundesstraße ausgerichtet und haben zwei Vollgeschosse mit ausgebautem Dach. Ein eingeschossiger Zwischenbau soll sie verbinden. Mit einer Wandhöhe von 7,80 Metern fällt das Haus an der Max-Obermayer-Straße um 20 Zentimeter niedriger aus als das nördliche Gebäude. Die Häuser sollen im oberen Bereich eine Holzverschalung bekommen sowie Balkone und Fensterläden. Ebenerdig sollen Geschäfte oder eine Gastronomie einziehen, in den oberen Stockwerken sind neun Wohnungen geplant. Auch eine Tiefgarage für etwa 39 Fahrzeuge ist vorgesehen, zudem sechs oberirdische Stellplätze.

Im Zuge der Neubauten soll auch der Einmündungsbereich der Max-Obermayer-Straße aufgeweitet werden. Die Zufahrt zu den neuen Häusern wird künftig über sie erfolgen. Im Ortsplanungsausschuss gab es keine kritischen Stimmen, auch wenn allen klar war, dass nun ein prägendes Gmunder Gebäude verschwindet. Für das „halbierte“ Geschäftshaus soll noch eine Lösung gefunden werden. Den Gehweg, den die Gemeinde erst vor Kurzem erneuert hatte, muss der Bauherr wieder herstellen. Einstimmig machte der Ausschuss den Weg für eine weitere Neugestaltung der Ortsdurchfahrt frei: Die Änderung des Bebauungsplans ist der Start für weitere Schritte, die nun folgen.

gr

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