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Der Bader Babl ist Geschichte

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Von: Gerti Reichl

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Gmund Konrad Babl Friseur
Konrad Babl hat aufgehört. © Thomas Plettenberg

Er war ein Unikum, sein Salon eine Institution: Jetzt hat „Bader“ Konrad Babl endgültig aufgehört.

Gmund – Der kleine Friseur-Salon an der Wiesseer Straße war eine Institution in Gmund und hätte auch gut als Heimatmuseum getaugt. Und Friseurmeister Konrad Babl ist und war eine Nummer für sich – mehr noch: Er ist ein Unikum, ein Bild von einem „Bader“, ein Original.

Seit 54 Jahren pendelte Babl tagtäglich mit dem Auto von seinem Münchner Wohnort an den Tegernsee. Dann saß er – stets mit weißem Hemd und einem blauen Samt-Schleiferl um den Kragen – in seinem Salon vor dem großen Spiegel mit den Erinnerungsstücken, den Gamskrickerln, Postkarten und Kini-Porträts drumherum und wartete auf seine Stammkunden. Viele blieben ihm ein Leben lang treu. Einige, so erzählte er der Tegernseer Zeitung, als sie zuletzt anlässlich seines 85. Geburtstags bei ihm vorbeischaute, kannte er seit seiner Lehrzeit. Und die ist lange her, arbeitete Babl doch seit 72 Jahren in seinem Beruf.

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Bader Konrad Babl: Das hohe Alter zwingt ihn zum Aufhören

Terminvereinbarungen waren nicht nötig. Man kam vorbei und musste schlimmstenfalls kurz  auf einem der mit Klebeband zusammengehaltenen Drehstühle warten, bis Bader Babl zu Kamm und Schere griff. Ihm vertrauten die Kunden, die nicht nur vom Ort, sondern von überall her kamen. Während Babl dann den Männern Haare und Bart stutzte, gaben sie allerlei Geheimnisse preis, schließlich waren sie bei Konrad Babl ja gut aufgehoben. Mannsbilder aller Gesellschafts- und Berufsschichten kamen bei ihm unters Messer. Franz Josef Strauß, so erzählte er einst, habe er persönlich gekannt, ebenso Ludwig Erhard, der in seiner Villa am Ackerberg bekanntlich viel Zeit verbrachte.

Bader Babl: Der Schriftzug am Haus ist schon weg

Das alles ist nun Geschichte. Aus und vorbei. Der Salon ist geschlossen, der Schriftzug an der Hauswand bereits übermalt. Schon bevor das Coronavirus Friseure zum Pausieren zwang, kündigte Konrad Babl sein Mietverhältnis. Aus gesundheitlichen Gründen sehe er sich dazu gezwungen, ließ er über seinen Anwalt der Vermieterin mitteilen. „Ende September wäre der Mietvertrag ohnehin ausgelaufen“, berichtet Ekaterina Zacharova-Näser. Die renommierte Künstlerin hat vor, die Räume nach gründlicher Renovierung als Atelier zu nutzen.

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Wir wollten mit Konrad Babl zum Abschied und anlässlich seines  89. Geburtstags ein wenig plaudern – über vergangene Zeiten, sein Leben als Friseur in Gmund, über seine Stunden am Stammtisch im Café Wagner, seine Freunde bei den Gmunder Gebirgsschützen oder seine zeitlebens anhaltende Begeisterung für König Ludwig II.. Doch leider lässt er über seinen Anwalt wieder mitteilen, dass er lieber nichts mehr erzählen möchte. Er hat genug geplaudert und geratscht während seines langen Lebens als Bader Babl. 

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