Obstverarbeitung anno dazumal: Das Foto aus dem Vereinsarchiv zeigt das Apfelpressen im Jahr 1938 in Unterbuchberg.
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Obstverarbeitung anno dazumal: Das Foto aus dem Vereinsarchiv zeigt das Apfelpressen im Jahr 1938 in Unterbuchberg.

100 Jahre Lust am Garten

Vereinsvorsitzender lobt die Werte des naturverbundene Gartenbaus

  • Gerti Reichl
    vonGerti Reichl
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Das Jubiläum des Obst- und Gartenbauvereins Gmund-Dürnbach hätte ein schönes Fest werden sollen. Doch wegen der Corona-Pandemie gedenken die Mitglieder nur mit einem Kirchgang der stolzen Geschichte ihres Vereins.

Gmund – Anfang April 1921 war vieles wie heuer. Die Obstblüte hatte durch warme Witterung sehr früh eingesetzt, doch am 14. April kam Schnee, Frost vernichtete die Obstbaumblüte. Anfang April 2021, genau hundert Jahre später, blickt Sylvia Thaler, Vorsitzende des Obst- und Gartenbauvereins Gmund-Dürnbach, auf ihre Apfelbäume im Garten und hofft, dass der späte Frost nicht zu streng ausfällt: „Die Knospen waren schon fast am Aufgehen, und jetzt hat’s geschneit.“

100 Jahre Obst- und Gartenbauverein Gmund-Dürnbach

Dass die Corona-Pandemie nun schon im zweiten Jahr das Vereinsleben nahezu einfriert, kommt oben drauf. Dabei hatte Sylvia Thaler noch im Herbst gehofft, das runde Jubiläum des Vereins mit den 229 Mitgliedern feiern zu können. Auch das Jahresprogramm stand schon. „Ich hatte die Veranstaltungen und Aktivitäten, die für 2020 geplant waren, einfach für 2021 neu angesetzt“, sagt die Vorsitzende. Lustiges Gemüseschnitzen für Kinder, Vorträge oder eine Führung mit Workshop im Klostergarten Benediktbeuern wären geplant gewesen, eine zünftige Busfahrt mit den Ehrenmitgliedern und Senioren sowie die Einweihung einer Sitzbank mit Gravur am Lehrbienenstand. Dazu die Jahreshauptversammlung mit Neuwahlen. Seit 2013 steht Thaler an der Spitze, „das ist eigentlich genug“, sagt sie. Doch für heuer ist das Jahrestreffen bereits abgesagt, 2022 wird ein neuer Anlauf genommen.

Keine Frage: Auch die Versammlung wäre geprägt gewesen von der 100-jährigen Geschichte, vom Dank an verdiente Mitglieder wie Baumwart Marianne Schories. „Durch ihre Pflege- und Erziehungsschnitte hat sie mindestens 400 Bäume in Gmund zum Blühen gebracht“, würdigt die Vorsitzende deren Arbeit. Gerade dieser Aspekt, nämlich den Hobbygärtnern mit Rat und Tat zur Seite zu stehen, spielt aktuell eine wichtige Rolle und ist auch der Mehrwert, den Mitglieder für ihren Jahresbeitrag in Höhe von zehn Euro bekommen. Schories ist zugleich für die Kinderbaumbestellung zuständig – das Auswählen, Pflanzen und Zuschneiden eines Obstbaums für neugeborene Babys von Mitgliedern. Passend zum Jubiläum hat sich der Verein nun selbst einen Baum geschenkt: Am Lehrbienenstand in Moosrain wurde ein Apfelbaum gepflanzt, der mit dem traditionellen „Dürnbacher Glasapfel“ veredelt wird. Eine Sorte, die nach dem ersten Vorsitzenden benannt ist.

Die Geschichte

Am 10. April 1921 fand die Gründungsfeier im Gasthof Maximilian statt. Zum Vorsitzenden wurde Gregor Glas aus Dürnbach gewählt, sein Vize und Schriftführer wurden Josef Glas. 68 Einwohner traten bei, der Jahresbeitrag betrug fünf Reichsmark. 1922 veranstaltete der junge Verein schon eine Obstausstellung im Oberstögersaal, zu der 600 Besucher herbeiströmten, um Sorten wie Gute Graue, Clapps Liebling oder Napoleons Butterbirne zu begutachten. 1925 benannte der Verein eine Apfelsorte nach Gregor Glas. Erst 20 Jahre später, so steht’s in der Chronik, zeigte der aus einer Baumschule in Ochsenfurt stammende Baum schöne Erfolge, wurde beliebt und verbreitete sich im ganzen Oberland. Von einer Hasenplage und rauen Wintern (1929) ist in der Chronik die Rede, aber auch vom Dritten Reich. Weil die Machthaber von den Obstbauern forderten, sich an der Nahrungsmittelsicherung zu beteiligen, legte Gregor Glas 1935 sein Amt nieder. Nach Anton Schreier von der Gasse (ab 1945) übernahm Benno Eisenburg 1947 den Vorsitz. Bis 1971 blieb er an der Spitze und sorgte dafür, dass sich der Verein nach innen und außen festigte. Fritz Perchermeier (bis 1975) reiht sich ebenso ein in die Namen der Vorstände wie Therese Grafwallner (bis 1985) und Sohn Anton Grafwallner (bis 2005) sowie Helga Kasper (bis 2013).

Der Obst- und Gartenbauverien heute

Obstverarbeitung anno dazumal: Das Foto aus dem Vereinsarchiv zeigt das Apfelpressen im Jahr 1938 in Unterbuchberg.

Vereinsvorsitzende Thaler hätte nichts dagegen, wenn die Mitgliederzahl wieder steigen würde. Daher wirbt sie mit dem, wofür der Verein steht: Er dient der Gartenkultur und der Landespflege, der Förderung des Umweltschutzes, dem Erhalt einer schönen Kulturlandschaft und der menschlichen Gesundheit. „Unser Lebensraum im Einklang mit der Natur“, lautet das zeitlose Motto. Naturgemäßer Pflanzenschutz, Lebensgrundlage Boden, standortgerechte Pflanzenauswahl und Verbesserung des Anbaus sowie Ökologie im Garten, Siedlung und Landschaft sind Schwerpunktthemen. „Nicht Hochleistungen im Garten sind gefragt, sondern die Begeisterung für die Natur, die Lust an der Arbeit, das Gespür für Harmonie und vor allem die Schönheit der Schöpfung beschaulich genießen zu können“, betont die Vereinsvorsitzende und hofft, dass auch ihr Garten verschont bleibt von dem, was vor hundert Jahren laut Chronik der Fall war: Trockenheit und Hagel, der die Obsternte stark beschädigte.

Das Jubiläum

Mit einer Dankmesse an diesem Samstag um 19 Uhr in der katholischen Kirche St. Ägidius wird das Jubiläum gefeiert. Für Musik sorgen die Staadlustigen.

von Gerti Reichl

Auch der Rottacher Burschenverein leidet unter der Corona-Pandemie. Der fünf Jahre alte Maibaum musste zwar umgelegt werden, wann ein neuer aufgestellt werden kann, ist noch offen.

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