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"Hinterlasst's an Fuaßabdruck und koane Monumente", appellierte Florian Oberlechner bei seiner Fastenpredigt in Gmund.

Starkbierfest in Gmund

Fliggä überrascht mit ganz neuen Tönen

Gmund - Stehende Ovationen gab's am Ende für die Fastenpredigt von Fliggä, alias Florian Oberlechner. Er schlug heuer beim Starkbierfest in Gmund auch sanfte Töne an.

Gut 200 Leute füllten zum Starkbierfest den Saal im Gasthof am Gasteig, darunter viel Prominenz. Sogar Herzogin Helene hatte sich von Kreuth nach Gmund aufgemacht. Mittendrin saß sie und hatte ganz offenbar ihre Freude an dem Gebotenen. Bürgermeister, Landrat, Künstler und Großgastronomen – sie alle waren gekommen. Die Stimmung war bestens, dafür sorgten auch die Wirtsleut und die Musikanten der Gruppe „HamkoanNam“.

Gut eineinviertel Stunden dauerte die Rede Oberlechners, ein Meister des scharfsinnigen Wortes. Wer sich danach an die Tür stellte, hörte die Kommentare der Leute: „So guad war er noch nia“, hieß es da. Und Nico Schifferer, der Barnabas vom Bräustüberl, sagte gar leise: „Die Rede hat mich richtig berührt“.

Fliggä gab seiner Fastenpredigt heuer eine neue Note. Eine, die sie außergewöhnlich macht. Er schlug auch sanfte Töne an, unterschied, wo man draufhauen und derblecken darf, und wo das Thema plattes Gerede nicht erlaubt.

Ein Florian Oberlechner ist keiner, der um ein brisantes Thema wie die Flüchtlingkrise herumschleicht, und so griff er zum Stilmittel der Vorrede. Da sinnierte er über bayerisch-christliche Werte und erinnerte daran, dass auch Deutschland schon vom Krieg gebeutelt war. „Es kann durchaus ein Nachteil sein, wenn man seit rund 70 Jahren in einem Land in Frieden und teilweisen Wohlstand lebt. Ich weiß, nicht jeder Ehemann stimmt mir da zu. Und auch Waakirchen/Schaftlach und Gmund/Bad Wiessee sind mit dem Wort Frieden etwas überfordert.“

Er versuchte zu erklären, was derzeit im Volke vor sich geht: „Es denkt keiner an die Angst, die sich bei uns im Land verbreitet. Ein jeder Tag, der tatenlos verstreicht, treibt Leute in unserem Land in die Arme von braunen Rechtspopulisten, die nur Argumente, aber keine wahren Lösungen haben.“ Uber die Flüchtlinge sagte Fliggä: „Freiwillig nehmen die des nicht auf sich. Ich glaub’, dass die wenigsten wegen den McDonald’s-Gutscheinen im Merkur zu uns kommen.“

Das Publikum amüsierte sich hervorragend über die Rede des Fastenpredigers.

Und dann ging es weiter mit den großen Unwichtigkeiten, die es sonst so im Tal zu besprechen gibt. Leider ist Georg Overs von der TTT nicht mehr da, mit ihm fehlt jetzt ein wichtiger Themenlieferant, und der Fliggä fragte sich: „Overs (ob er’s) in Kärnten besser macht?“. Der neue Stern im TTT-Kosmos ist der Stephan Köhl. Der habe sich vom Watzmanngebiet abgesetzt, weil er nicht so gern klettert, sondern lieber im Wasser ist. Aber: „Die Vereinigung der Talgemeinden ist eine 10+. Und das noch Free-Solo, weil eine Hand – geschweige denn ein Seil – reicht dir da keiner.“

Im Übrigen wurde das Bairische neu erfunden, wusste der Fliggä. Mit Blick auf die Insolvenz des ehemaligen Seeforum-Pächters stellte er fest: Es heiße nicht mehr, das geht „Grob’n Bach“, sondern es geht „Si-Bach“. Dass ordentliche Investoren in Kreuth hoffentlich bald Schlange stehen, wünschte er der Herzogin, der er höchsten Respekt für ihre Entscheidung in Sachen Wildbad Kreuth zollte. „Aber medial wird Kreuth untergehen wie des alte Fall im Wasser vom Sylvensteinspeicher.“

Zum Abschied wurde der Fastenprediger dann recht nachdenklich. Der Besuch der Ruinen vom Sylvenstein ließ ihn sinnieren. Bauten gehen unter. Daher sei es wichtig, wie wir miteinander umgehen, nicht, was wir haben. „Hinterlasst’s an Fuaßabdruck und koane Monumente, damit Ihr gottesfürchtig sogn kennt’s: I bin I – und do bin i dahoam.“

Anian Roth und Silvester Leo, die nach der Fastenpredigt in ihrem Einakter als Feuerwehrler um den See zogen und Bau- und Brandschutzverordnungen überprüften, hatten es nach diesem Auftritt nicht leicht. Denn der Fliggä hatte vorweg schon die meisten Themen besetzt. Doch manch Vernünftiges blieb ihnen noch vorzuschlagen: zum Beispiel, dass die Endhöhe eines Bauwerks in Tegernsee nicht höher sein darf als die Drehleiter der Feuerwehr. Darauf ein Prost!

Sonja Still

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