Hochwasserschutz Tegernsee
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Am Auslauf des Tegernsees, gleich hinter dem Steg am linken Mangfallufer, soll das Einlaufwerk gebaut werden. Deutlich zu sehen ist schon jetzt die Rinne, die die Mangfall bildet.

Es gibt schon einen Zeitplan

Mega-Projekt Hochwasserschutz Tegernsee: So weit sind die Pläne wirklich

  • Gerti Reichl
    vonGerti Reichl
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Eine Art Staubsauger im See, eine Druckleitung in der Mangfall sowie ein neues Schuhmacher-Wehr: Sie sorgen künftig für Hochwasserschutz am Tegernsee. Wie weit ist das Mega-Projekt eigentlich? 

Gmund – Hochwassertechnisch war 2017 für den Tegernsee ein ruhiges Jahr. Überschwemmungen blieben aus, zum Glück. Für die Experten, die sich mit dem Hochwasserschutz befassen, gab’s dennoch viel zu tun. „2017 war das Jahr der Planung“, sagt Paul Geisenhofer, Chef des Wasserwirtschaftsamts (WWA) Rosenheim. Die Vorentwurfsplanung für das Großprojekt „Hochwasserausgleich Tegernsee“ wurde ausgearbeitet. Sie kann nun der Regierung von Oberbayern vorgelegt werden.

Ohne große Wellen in der Öffentlichkeit zu schlagen, kommt die Planung also voran. Das war nicht immer so, doch nach einem gründlichen Überdenken des Projekts scheint es nun so, als ob selbst frühere Gegner Frieden geschlossen haben mit dem Hochwasserausgleich Tegernsee. Etwa der Verein „Rettet den Tegernsee“. Auch er ist im Großen und Ganzen jetzt einverstanden mit dem, was geplant ist: Nördlich des Mangfallstegs bei Gmund soll ein Einlaufwerk entstehen – eine Art Staubsauger im Wasser, der immer dann „eingeschaltet“ wird, wenn extreme Regenfälle im Anmarsch sind. Daran schließt sich eine unterirdische, etwa 600 Meter lange, 4,5 mal 2,5 Meter dicke Druckleitung an, die zunächst nördlich, dann ab der Bundesstraßenbrücke südlich am Mangfallufer entlang läuft. Die Leitung wird einen halben Meter unter der Mangfallsohle verlegt. Während der Bauphase werden Spundwände in den Boden getrieben und die Baugrube trocken gelegt. Das Schuhmacherwehr, das sich im Besitz der Büttenpapierfabrik Gmund befindet und zur Stromerzeugung genutzt wird, wird erneuert und bekommt einen Auslauf für die Druckleitung sowie einen Fischpass. In seinen Ausmaßen bleibt es erhalten wie bisher, auch das war in ersten Planungen anders.

Und so will man künftig für besseren Hochwasserschutz sorgen: Etwa 24 Stunden vor Eintritt eines Extremhochwassers soll der Wasserstand des Sees auf Basis einer Vorhersage mit Hilfe der Druckleitung vorabgesenkt werden. Die anlaufende Hochwasserwelle kann dann aufgrund des durch die Vorabsenkung zusätzlich gewonnenen Rückhalts im See verzögert ins untere Mangfalltal abgegeben werden. Um etwa 20 Zentimeter könne der Wasserstand im See in der Spitze reduziert werden, so das WWA.

Die jetzige Planung ist auch das Ergebnis intensiver Zusammenarbeit mit der Öffentlichkeit. Das Wasserwirtschaftsamt setzt auf Transparenz und hat einen Arbeitskreis ins Leben gerufen, an dem der Verein „Rettet den Tegernsee“, Fischer, Anwohner der Mangfall, Vertreter der Gemeinden, der Schifffahrt, des Landratsamts und weitere interessierte Bürger angehören. „Wir haben uns viermal getroffen“, berichtet Geisenhofer, „zuletzt im Frühjahr.“ Die im Arbeitskreis besprochenen Punkte sind inzwischen in die Vorentwurfsplanung eingeflossen. Wenn die Regierung diese abgesegnet hat, dann beginnt das Planfeststellungsverfahren. In dessen Verlauf werden Stellungnahmen zu dem Vorhaben angefordert.

Mega-Baustelle für Minimum 3,5 Jahre

Wann wird mit dem Bau begonnen? Wie hoch sind die Kosten? Dies ist ebenso noch offen wie Einzelheiten zur Abwicklung der Baustelle. „Details sind noch nicht besprochen“, so Geisenhofer. Fest steht: Auf Gmund kommt eine Mega-Baustelle zu. Die Gemeinde und vor allem die Hausbesitzer an der Mangfall werden mindestens 3,5 Jahre betroffen sein. Für Andreas Scherzer, Vorsitzender von „Rettet den Tegernsee“, sind ohnehin noch ein paar Fragen zu klären. „Vor allem die künftige Steuerung des Schuhmacherwehrs ist noch ein Knackpunkt“, so Scherzer. Die Pegelstände, an denen sich die Wehr-Steuerung orientiert, müssten seiner Meinung nach neu berechnet werden. Sie stammen aus den 1970er-Jahren. „Und da gab’s noch keine ausgebaute Weißach, durch die das Wasser bei Starkregen früher und schneller in den Tegernsee schießt, und auch keine verschlammte Schwaighofbucht.“ Auch um letzteres Problem kümmert sich der Verein.

Geisenhofer weiß das: „Wir werden uns noch vertieft mit der Frage der Steuerung befassen“, kündigt er an. Von Eiltempo kann aber nicht die Rede sein. „Qualität geht vor Tempo“, lautet für Geisenhofer die Devise.

gr

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