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Den Salat hätte die Angeklagte gar nicht angerührt. Für sie gab es höhere Ziele.

Trüffel, Austern, Delikatess-Speck

Luxus-Diebin vor Gericht: Sie klaute nur vom Feinsten

Gmund - Immer waren es Delikatessen, die eine 64-jährige Wiesseerin klaute. Nie etwas Überlebenswichtiges. Bisher kam sie mit Geldstrafen davon, damit hat es sich nun.

Es war kein Toastbrot und auch kein Wasser. Vielmehr Ölspezialitäten, feinste Trüffel, Austern und Delikatess-Speck, die in die Tasche einer 64-jährigen, in Bad Wiessee lebenden Kroatin wanderten – ohne sie zu bezahlen. Drei Mal ließ sich die Feinkost-Diebin schon bei ihren Beutezügen erwischen, im März dieses Jahres kam eine vierte Tat hinzu. Im Penny-Markt in Gmund entwendete sie Alkohol, Drogerie-Artikel und eben Nahrung, die sie nicht unbedingt zum Überleben benötigte. Der Wert des Diebesgutes: Gerade einmal 36 Euro. Somit fand sich die Wiesseerin auf der Anklagebank des Miesbacher Amtsgerichts wieder – und war untröstlich.

„Ich weiß, dass ich einen schlimmen Fehler gemacht habe“, sagte die geständige 64-Jährige, „aber ich bereue alles und schäme mich.“ Sie bat mehrmals eindringlich um Verzeihung und schwor hoch und heilig, dass so etwas nie wieder passieren würde. Sie ging sogar soweit, dass sie sagte, „dass ich lieber sterben würde, als noch einmal so etwas zu tun“. Ein Diebstahl ist zwar kein schweres Verbrechen, dennoch schien die Wiesseerin ihre Tat für das Schlimmste überhaupt zu halten.

Vor Gericht stellte sich unterdessen die Frage nach dem Warum. Die Kroatin bekommt eine gute Rente und hat einen Nebenjob. An Geld mangelt es ihr nicht, wie Amtsrichter Walter Leitner feststellte. „Naja, früher“, so die Angeklagte, „hab ich eben Schicht gearbeitet und sehr gut verdient“. Sie wisse zwar, dass sie auch heute nicht wenig Geld habe, „trotzdem gebe ich es ungern für Essen aus“. Aber Nahrung braucht nunmal jeder Mensch. Statt aber etwas Joghurt und Brot für wenig Geld zu kaufen, ist es jedes Mal das Feinste vom Feinen gewesen, das die 64-Jährige mitgehen hat lassen. Im März waren es köstliche Avocado, edler Kochschinken, zarte Lindt-Schokolade und Sekt. „Sachen, die es einfach nicht zum Überleben braucht“, befand auch der Richter. Letztlich blieben die Waren aber im Laden. Der Wiesseerin wurde bei ihrer Diebestour ertappt.

„Die Summe ist zwar nicht hoch“, stellte die Staatsanwältin fest, „dennoch waren es immer Luxusartikel, die Sie geklaut haben“. Eine gut gemeinte Warnung erhielt die Rentnerin von der Staatsanwaltschaft obendrein: „Wenn Sie so weitermachen, müssen Sie irgendwann mal ins Gefängnis.“ 120 Tagessätze à 50 Euro hielt die Staatsanwaltschaft als Strafmaß angemessen.

Als die Angeklagte das letzte Wort hatte, meinte sie: „Ich werde nie wieder einkaufen gehen“. Shoppen darf sie aber weiterhin. Gut, im Gmunder Penny hat sie nun Hausverbot, aber sonst ist ihr das erlaubt.

Alles Flehen half aber nichts, Leitner verurteilte die Delikatessen-Diebin zu einer dreimonatigen Bewährungsstrafe. Zudem muss die Kroatin eine Geldauflage in Höhe von 1500 Euro an die Caritas Schuldnerberatung zahlen.

Der Amtsrichter gab der Wiesseerin noch eine kleine Denkaufgabe mit auf den Weg. „Nächstes Mal, wenn Sie in ein Geschäft gehen“, sagte Leitner zur Verurteilten, „überlegen Sie sich davor: Thunfischsalat oder Gefängnis?“

Philip Hamm

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