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Die Errichtung von acht bis zehn Stellplätzen für Wohnmobile war ursprünglich am Volksfestplatz vorgesehen. Daraus wird nun nichts.

Gemeinderat hebt Beschluss überraschend auf

Warum Gmund keine Camper will

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Gmund - Im September noch wollte der Gemeinderat am Volksfestplatz ein Eldorado für Camper schaffen. Doch jetzt folgte die überraschende Rolle rückwärts. Die Hintergründe.

Das Thema Wohnmobilie polarisiert. Bereits im Oktober 2015 diskutierten die Gmunder Gemeinderäte erstmals über die Frage, ob man die auf der Volksfestwiese lediglich inoffiziell geduldeten Camper erlauben solle – seinerzeit ohne allerdings Ergebnis. Am 20. September dieses Jahres stimmte der Gemeinderat schließlich dafür, den Platz einerseits für Wohnmobile freizugeben, und ihn andererseits zu ordnen und mit der nötigen Infrastruktur wie Strom- und Wasseranschlüssen sowie Parkscheinautomaten auszurüsten. Geplant waren acht bis zehn solcher Stellplätze.

Am Mittwoch nun wollte der Gemeinderat das weitere Vorgehen besprechen. Bürgermeister Georg von Preysing (CSU) eröffnete dem Gremium bereits zu Beginn der Sitzung, dass die ursprünglichen Kosten der eingeholten Angebote signifikant höher ausfallen als geplant. Es gebe drei Varianten, die sich lediglich in der Ausführung der Münzautomaten unterscheiden. Die Gesamtkosten würden sich auf 56 000 bis 68 000 Euro belaufen. „Da stellt sich schon die Frage, ob man auf dem richtigen Weg ist“, sagte Preysing. „Wir sollten uns überlegen, ob wir den Beschluss umsetzen oder die Idee Wohnmobilparkplatz ganz fallen lassen und eine abgespeckte Variante ohne Infrastruktur umsetzen“,

Martin Mayer (FWG) war die „ganze Gaudi viel zu teuer“. Dem konnte Christine Zierer (FWG) zwar beipflichten. „Aber wenn, dann machen wir lieber was Gescheites. Auf jeden Fall sollten wir eine Gebühr verlangen und einen Automaten aufstellen, der EC- und Kreditkarten nimmt.“ Auch Laura Wagner (Grüne), die von Anfang an gegen den Wohnmobilparkplatz war, teilte diese Auffassung. „Ich schließe mich an.“

Michael Huber (SPD) äußerste ebenfalls „große Bedenken“. Er sprach von einer Grundsatzfrage. „Was will die Gemeinde? Ich glaube nicht, dass uns das mehr Touristen bringt“, sagte der Gemeinderat. Zweiter Bürgermeister Georg Rabl (FWG) schlug dem Gremium eine zahlungspflichtige Alternative ohne Infrastruktur aber mit einem Automaten vor. Die Gemeinde könne dann eine Stellplatzsatzung erlassen, die regele, wer wo, und und zu welchen Zeiten parken dürfe.

Preysing brachte es auf den Punkt. „Alles oder nichts. Wenn wir keine Infrastruktur haben, können wir auch nichts verlangen. Der logische Schritt wäre also, das Parken ganz zu verbieten und unseren Beschluss vom September aufzuheben.“ Da dieser die Formulierung „weiteres Vorgehen“ beinhalte, erklärte Gemeinde-Geschäftsleiter Florian Ruml auf Nachfrage des Bürgermeisters, bedeute das, „dass man durchaus auch darüber abstimmen kann, ob man es ganz lässt“.

Der Gemeinderat stimmte schließlich mit 13:7 dafür, den eigenen Beschluss aufzuheben. „Das Thema ist damit hoffentlich dauerhaft erledigt“, sagte Preysing abschließend. Ein Schild, dass sowohl Pkw als auch Bussen die Einfahrt erlaubt, es Wohnmobilen aber verbietet, soll zeitnah am Volksfestplatz aufgestellt werden. Außerdem wird mittels Schild ein Parkplatz als reiner Busparkplatz ausgewiesen.

Helga Wagner (Grüne), die ebenfalls von vornherein gegen das Vorhaben und „ein Manifestieren durch Infrastruktur“ war, atmet auf, wie sie auf Nachfrage betont. „Für die Anwohner war das schon eine arge Belästigung.“ Dass allerdings lediglich die Investitionssumme zur Aufhebung des Beschlusses geführt habe, glaubt Wagner nicht. „Das war vorgeschoben, wir haben da schon ganz andere Summen ausgegeben. Unser Bürgermeister wollte es ja selber nicht.“ Und auch Georg von Preysing räumt auf Nachfrage ein, dass zu einem Gutteil „der Clinch mit den Anwohnern“ zu dem Beschluss geführt habe. „Der Widerstand war schon sehr groß.“

ah

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