Das Gelände des bisherigen Fußballplatzes an der Kreuzstraße haben die Initiatoren für die Errichtung eines Bikeparks jetzt im Blick.
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Das Gelände des bisherigen Fußballplatzes an der Kreuzstraße haben die Initiatoren für die Errichtung eines Bikeparks jetzt im Blick.

Fußballplatz an der Kreuzstraße im Visier

Wegen Anwohner-Protesten: Initiatoren von Gmunder Bikepark weichen auf neuen Standort aus

  • Gerti Reichl
    vonGerti Reichl
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Im Februar hatte der Gemeinderat noch den Weg für einen Bike-Spielplatz hinter dem Tegernseer Hof in Finsterwald geebnet. Wegen heftigem Protest der Nachbarn wird nun ein neuer Standort anvisiert.

GmundMit gerade mal einer Stimme Mehrheit hatte sich der Gemeinderat Ende Februar zu einem Standort hinter dem Tegernseer Hof durchgerungen. Die 20 mal 150 Meter große und bisher landwirtschaftlich genutzte Wiese im Anschluss an den Skater- und Eisplatz erschien geeignet, um ein Angebot zu realisieren, auf das immer mehr Kinder und Jugendliche abfahren: Radeln über Hindernisse und Schanzen, bei Insidern als Obsticals, Pumptracks und Jumplines bekannt.

Anlieger sorgen sich wegen Lärm und haben Protest angemeldet

Simon Englhart und Ralf Jirgens, Familienväter in Gmund, sind Initiatoren des Bike-Spielplatzes und haben sich schon ziemlich reingehängt. Doch jetzt kommt alles anders: Weil Anlieger am benachbarten Holzeralmweg hauptsächlich aus Lärmschutz-Gründen heftigen Protest bei der Gemeinde und auch beim Landratsamt eingelegt haben, mussten die Initiatoren eine Alternative suchen.

Neuer Standort liegt an der Kreuzstraße: Vorteile und Nachteile

Sie fanden sie an der Kreuzstraße, wo die Gemeinde auf lange Zeit den Fußballplatz gepachtet hat. „Dass der Platz weit außerhalb liegt, ist ein Nachteil“, räumte Bürgermeister Alfons Besel (FWG) ein, als im Gemeinderat die Debatte jetzt neu aufgerollt werden musste. Dass keine Wohnbebauung in der Nähe, der Platz gut zu erschließen und im Flächennutzungsplan schon als Sportplatz ausgewiesen sei, sei ein Vorteil, so der Rathauschef. Die Sportfreunde Gmund-Dürnbach, die den Platz mit ihrer neuen Sparte Bike Crew betreiben wollen, hätten somit die Möglichkeit für eine „attraktive Sportstätte“.

Gemeinderat liefert sich erneut eine kontroverse Debatte

Wie schon beim ersten Beschluss, so kam es auch diesmal zu einer lebhaften Diskussion, in deren Verlauf Laura Wagner (Grüne) den Antrag stellte, noch keine definitive Zusage zu machen, sondern den Standort lediglich in Aussicht zu stellen. Ihr fehlten sowohl belastbare Zahlen, als auch eine konkrete Planung. „Das ist mir zu groß“, sagte Wagner angesichts der Absicht, etwa 6000 Quadratmeter zu überplanen. Naturschutzbelange trieben sie um: Wie viel Erdreich wird aus- und verbaut? Wie viel Boden versiegelt? Wie ist die Nutzungszeit? „Wir genehmigen jetzt ins Blaue hinein“, warnte Wagner und äußerte Angst, „dass uns das überrollt“.

Zu erwartende Kosten treiben die Gemeinderäte um

Tobias Bauer (CSU) teilte ihre Bedenken und forderte ein schlüssiges Gesamtkonzept, vor allem auch wegen der Kosten, die lediglich für den bisherigen Standort in Finsterwald vorliegen. Hier wurde mit 70.000 Euro kalkuliert, die zur Hälfte über das „Leader“-Programm gefördert würden. Die verbleibende Summe hätte die Gemeinde übernommen. Den Unterhalt hätten sich Sportfreunde und private Sponsoren geteilt.

So könnte die Anlage in etwa aussehen: Das Beispielbild der Initiatoren zeigt verschiedene Pumptracks und Jumplines.

Gerade die Kosten trieben auch Josef Berghammer (CSU) um: „Wer finanziert das in Zukunft?“. Berghammer hatte Bedenken wegen der Größe und würde das Projekt am liebsten in den Händen einer Betreibergesellschaft sehen. Auch erneuerte er seine Überzeugung, dass der Bikepark am besten am Oedberg angesiedelt wäre.

Zweifel, ob die Initiatoren das überhaupt stemmen können, äußerte auch Michael Huber (Grüne). Vor allem befürchtete er, dass der Bikepark ein „Tummelplatz für die Münchner“ werde. „Wollen wir das?“, fragte Huber in die Runde.

CSU-Gemeinderätin: Kreuzstraße ist als Standort ideal

Ebenso wie Barbara von Miller (SPD) war Martina Ettstaller (CSU) froh, dass nun ein anderer Platz als Finsterwald im Visier sei. Die Kreuzstraße sei ideal, so Ettstaller, „auch für Münchner Kinder“. Gerade die, zeigte sich Florian Floßmann (FWG) überzeugt, wären aber auch nach Finsterwald gekommen. Maria Kaulfersch (FWG) sprach sich klar für den Standort Kreuzstraße aus und brach eine Lanze für den Sportverein: Es gebe kaum einen Sportverein, der so gut aufgestellt sei wie die Sportfreunde, auch finanziell. „Wir müssen dem Bikepark eine Chance geben, sich zu entwickeln“, fand sie.

Lesen Sie hier: Kontroverse Diskussion über Bikepark-Idee: Trails in Gmund nicht erwünscht

Mit-Initiator Simon Englhart bekam Gelegenheit, um Vertrauen zu werben. Er machte deutlich, dass der Park ein Projekt hauptsächlich für Gmunder Kinder sei. Man wolle den politischen Willen der Gemeinde abfragen, um dann in die Planung einzusteigen. Dabei müssten viele Fragen geklärt werden, auch die einer möglichen Zusammenarbeit mit der Gemeinde Waakirchen.

Gremium spricht sich am Ende bei vier Gegenstimmen für Projekt aus

Am Ende sprach sich der Gemeinderat mit vier Gegenstimmen grundsätzlich für die Errichtung eines Bike-Spielplatzes an der Kreuzstraße aus. Nun soll auch die Befreiung, beziehungsweise Herausnahme aus dem Landschaftsschutzgebiet beantragt und bei den Waakirchnern wegen einer Zusammenarbeit angefragt werden. Die Beschlüsse zum Standort Finsterwald wurden aufgehoben.

gr

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