Zwischen Gmund und Dürnbach will die Gemeinde einen eigenen Fahrrad-Schutzstreifen auf der Bundesstraße. Bisher teilen sich Fußgänger und Radler einen Gehweg.
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Zwischen Gmund und Dürnbach will die Gemeinde einen eigenen Fahrrad-Schutzstreifen auf der Bundesstraße. Bisher teilen sich Fußgänger und Radler einen Gehweg.

Verkehr zwischen Gmund und Dürnbach

Mehr Sicherheit für Radler: Gmund versucht‘s mit weiterem Schutzstreifen

  • Gerti Reichl
    vonGerti Reichl
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Gmund will fahrradfreundliche Kommune werden. Um dieses Prädikat zu erreichen, hat sich der Gemeinderat jetzt mit einer weiteren Maßnahme befasst: einem Schutzstreifen auf der Bundesstraße nach Dürnbach. Der Gmunder Berg ist dabei das größte Problem.

Gmund – Die Ankündigung von Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU), Deutschland zum „Fahrradland“ zu machen und dafür 1,5 Milliarden Euro zur Verfügung zu stellen, spornt die Mitglieder des Agmunda-Arbeitskreises Verkehr an. Die ehrenamtliche Gruppe versucht seit 2017 in Zusammenarbeit mit dem Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC) und der Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundlicher Kommunen (AGFK), der Gemeinde Gmund zu Radlfreundlichkeit zu verhelfen. Etliche Vorhaben aus dem bereits beschlossenen Radkonzept müssen noch verwirklicht werden. „Wir hoffen inständig, dass mit dem neuen Radverkehrswegeplan auch in den Ämtern ein Umdenken für den Radverkehr stattfindet“, sagt Dorit Guttenberg vom Arbeitskreis, die jetzt das Ringen des Gemeinderats um die beste Lösung für die Strecke nach Dürnbach mitverfolgte.

Bei einer Online-Konferenz vorab hatte das Gremium mit dem Planungsbüro Kaulen drei Varianten unter die Lupe genommen. Ein fast durchgängiger, teils beidseitig auf der Straße markierter Fahrrad-Schutzstreifen, wie dieser großräumig schon in Bad Wiessee zu sehen ist, stand nun im Zentrum der lebhaften Diskussion. Diese Variante wurde von der Verwaltung und auch von der Agmunda schon priorisiert. Sie sei schnell und kostengünstig zu verwirklichen, fasste Bürgermeister Alfons Besel (FWG) zusammen.

Schutzstreifen auf der Bundesstraße: Landratsamt skeptisch

Peter Schiffmann, Leiter der Unteren Straßenverkehrsbehörde im Landratsamt, stehe dieser Variante jedoch skeptisch gegenüber, informierte Besel. Schiffmann begründe dies mit hoher Verkehrsbelastung – 16 549 Fahrzeuge täglich, darunter 773 Lkw. Er favorisiere echte eigene Radwege. Doch dafür, so Besel, sei der Platz eben nicht da.

Dass der Schutzstreifen nicht für den Gmunder Berg geeignet ist, war allen klar: „Ein Streifen hier wäre ja der Wahnsinn für die Radfahrer“, warnte Tobias Bauer (CSU). Fraktionskollege Franz Huber hielt gar die ganze Strecke bis Dürnbach für zu schmal. Auch wenn er nicht vollends überzeugt sei, weil ein Schutzstreifen eine falsche Sicherheit vorspiele, so sah Michael Huber (Grüne) darin dennoch eine „schnelle Lösung“. Radler bräuchten eine Möglichkeit, um voranzukommen, „auf dem Gehweg mit Fußgängern ist das nämlich inzwischen kaum mehr möglich am Tegernsee.“ Florian Floßmann (FWG) hielt den Schutzstreifen zwar für sinnvoll, glaubte aber, dass Familien mit Kindern auch künftig aus Sicherheitsgründen auf dem Gehweg fahren würden. Josef Stecher (FWG) sah in dem Anpacken der Maßnahme ein „Signal“. „Augen zumachen und abwarten, was in Sachen Verkehr passiert, wird unserer Verantwortung nicht gerecht.“ Franz von Preysing (CSU) griff den Vorschlag von Johann Schmid (SPD) auf, für den Gmunder Berg eine Ausweichstrecke über den Neumiller- oder den Oberstögerweg auszuweisen.

Vize-Bürgermeister Herbert Kozemko (CSU) brachte es auf den Punkt: Ein Schutzstreifen könne nicht mehr als ein Versuch sein. Die Vorstellung von Autokolonnen, die nach Corona wieder heranrollen und dann obendrein nicht an den Radlern auf den Schutzstreifen vorbeikommen, sei für ihn „grausam“. Gmund müsse die Möglichkeit haben zurückzurudern, wenn’s nicht funktioniert, forderte Kozemko. Gegen zwei Stimmen wurde der Schutzstreifen, mit Ausnahme am Gmunder Berg, dann befürwortet. Die Maßnahme soll rasch mit den Behörden abgestimmt werden.

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gr

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