Zahlreiche Terminanfragen bekommt Dr. Christian Pawlak
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Zahlreiche Terminanfragen bekommt Dr. Christian Pawlak

INTERVIEW

Hausarzt Christian Pawlak aus Gmund über den geplanten Impfstart am 1. April

  • Bettina Stuhlweißenburg
    vonBettina Stuhlweißenburg
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Gmund – Bei den Hausärzten stehen die Telefone nicht mehr still: Mit Blick auf den geplanten Impfstart in den Praxen am 1. April bemühen sich zahlreiche Patienten um einen Termin.

Jetzt appelliert die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns (KVB) an die Menschen, sich zu gedulden. Die Regelversorgung sei gefährdet, wenn die Telefonleitungen mit Anfragen nach Impfterminen blockiert seien. Die Patienten sollen warten, bis die Ärzte auf ihre Patienten zur Terminvereinbarung zugehen. Wir fragten bei dem niedergelassenen Facharzt für Innere Medizin, Dr. Christian Pawlak (57) aus Gmund, nach.

Herr Dr. Pawlak, wie groß ist die Impfbereitschaft Ihrer Patienten?

Sehr groß. Nach der Ankündigung, dass ab April die Hausärzte impfen sollen, stand unser Telefon nicht mehr still. Darunter waren auch Patienten, die unfreundlich wurden und kein Verständnis dafür hatten, dass wir derzeit noch keine Termine vergeben können. Manche schaffen es nicht, die Contenance zu bewahren. Ich verstehe zum Teil, dass die Nerven blank liegen. Das Hin und Her der Politik trägt ja nicht gerade zur Beruhigung bei.

Warum können Sie noch keine Termine vergeben?

Weil wir noch keine verbindliche Aussage über die Impfstoffmenge haben. Die KVB wählt aktuell im Auftrag des Freistaates nach dem Zufallsprinzip bayernweit Praxen aus, die als erste mit Impfstoff beliefert werden. Diese ausgewählten Praxen bekommen dann in der ersten Aprilwoche zehn Dosen und in der zweiten Woche weitere zehn Dosen. Wir sind nicht dabei – obwohl wir uns seit vier Wochen als Außenstelle des Impfzentrums bereithalten und damit bereits Erfahrung beim Impfen haben. Wir haben von der KVB ein Schreiben bekommen, demzufolge wir erst am 7. April loslegen können.

Wie viele Praxen wurden ausgewählt?

Das entzieht sich meiner Kenntnis. Wir haben dazu keine offizielle Verlautbarung bekommen. Ich habe das von einem Kollegen erfahren, dessen Praxis ausgewählt wurde. (Laut KVB wurden bayernweit 1700 Praxen ausgewählt, die am 30. März insgesamt circa 33 000 Impfdosen erhalten sollen. Die ursprünglich geplante Lieferung von zehn Dosen in der ersten Aprilwoche und weiteren zehn Dosen in der zweiten Woche wird zusammengefasst auf nur einen Liefertermin am 30. März, an dem die ausgewählten Praxen circa 20 Impfdosen erhalten sollen, Anm.d.Red.)

Können Sie den Impfstoff nicht selbst direkt bei den Apotheken bestellen?

So ist es vorgesehen. Wir sollen bis 30. März unsere Bestellung bei der uns beliefernden Apotheke aufgeben, um am 7. April beginnen zu können. Der Prozess in den Apotheken ist in meinen Augen gut gelöst, weil der bestellte Impfstoff dann über das Osterwochenende aufgetaut werden und Anfang der Woche an die Praxen ausgeliefert werden kann.

Wie organisieren Sie die Terminvergabe für die Zeit ab 7. April?

Wir haben eigene Listen erstellt. Und vertrösten die Patienten, bis wir mehr wissen.

Müssen Sie die Prioritätsvorgaben des Bundes einhalten oder haben Sie einen Ermessensspielraum?

Wir bleiben nah dran an den Prioritätsvorgaben, sind aber flexibler. Das macht auch Sinn, weil ein starres System, das im Wesentlichen nach dem Alter geht, nicht dem Einzelfall Rechnung trägt. Es kann sein, dass ein 80-Jähriger fitter ist als ein 75-Jähriger mit Vorerkrankungen.

Erfassen Sie die Geimpften dann digital oder reicht ein Vermerk im Impfpass wie bei anderen Impfungen auch?

Das ist noch nicht ganz klar. Soweit ich weiß, brauchen wir diesen Aufwand nicht zu betreiben, wenn wir in Eigenregie impfen. Das macht auch Sinn, denn die digitale Erfassung ist sehr aufgebläht und bürokratisch. Das können wir als Hausarztpraxis gar nicht bewältigen, schließlich kommen die Menschen auch noch mit anderen Erkrankungen zu uns.

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