Stellplatz-Streit

Wohnmobilisten am Tegernsee: ein erwünschtes Klientel?

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Tegernseer Tal - Wer mit Wohnmobil an den Tegernsee kommt, hat kaum Möglichkeiten, länger – und legal – Station zu machen. Doch sind die Urlauber mit ihren rollenden Ferienhäusern im Tal überhaupt erwünscht?

Der Gmunder Gemeinderat hatte das Thema jüngst wieder ins Rollen gebracht: Kontrovers diskutierte das Gremium den Vorschlag, den Volksfestplatz mit seiner öffentlichen Toilette offiziell als Wohnmobil-Stellplatz auszuweisen. Schließlich campieren die Wohnmobilisten dort ohnehin in großer Zahl. Einig wurden sich die Gemeinderäte aber nicht – das Thema wurde vertagt. Problem: Die Anwohner hatten bereits Protest angekündigt.

Dass ein solcher Stellplatz durchaus zu Konflikten führen kann, zeigt das Beispiel Bad Wiessee. Einige Jahre hatten Urlauber mit Wohnmobil den Parkplatz beim Strandbad Grieblinger nutzen dürfen – bis der Ärger in der Nachbarschaft zu groß wurde. Es gab sogar eine Klage, aber kein Urteil. Die Gemeinde lenkte ein, bevor es zur Verhandlung kam. Im Herbst 2013 wurde der Wohnmobil-Stellplatz abgeschafft, seither dürfen die rollenden Feriendomizile dort nur noch für eine Nacht stehen bleiben. So wie an jedem anderen Pkw-Stellplatz auch. „Allerdings haben wir dort noch die Ver- und Entsorgungsstation, der Stellplatz wird also nach wie vor von Wohnmobilen angefahren“, sagt Rathaus-Geschäftsleiter Michael Herrmann. Das sei ungünstig. Der Standort sei optisch nicht schön und schlicht zu klein. Die Gemeinde suche daher zurzeit fieberhaft nach einem neuen Stellplatz für die rollenden Häuser. „Es laufen bereits Verhandlungen, ich bin zuversichtlich, dass wir eine Lösung finden werden.“

Darauf hofft auch die Tegernseer Tal Tourismus GmbH (TTT), die in den Wohnmobilisten eine durchaus interessante, kaufkräftige Gäste-Klientel sieht. Um den Tegernsee für diese Gruppe attraktiv zu machen, „sollte aber schon eine vernünftige Infrastruktur vorhanden sein“, meint Petra Berger, Leiterin des Gäste- und Anbieter-Wesens bei der TTT. Will heißen: Der Urlauber muss sich willkommen fühlen und eine ordentliche Anlaufstelle haben. „Dann könnten wir das in unser Tourismus-Angebot einbinden und auch bewerben“, meint Berger.

Die Idee, sich talweit nach einem geeigneten Stellplatz für Wohnmobile umzuschauen, ist indes nicht neu. Schon im Sommer 2013, als das Aus für die Fläche in Bad Wiessee absehbar war, hatte TTT-Chef Georg Overs die Tal-Bürgermeister gebeten, geeignete Grundstücke vorzuschlagen. Ohne Ergebnis. Für Steffi Erlacher, Vize-Vorsitzende des Kur- und Verkehrsvereins in Bad Wiessee, ist dies nicht weiter verwunderlich. Zwar sei gegen den Wohnmobilisten als Gast überhaupt nichts einzuwenden („der geht ja auch mal zum Essen“), die große Krux sei jedoch das Finden eines geeignetes Platzes. „Die wollen ja nicht mitten in der Pampa stehen, in Premiumlage am See haben wir aber keinen Platz“, meint Erlacher zur Situation in Bad Wiessee. Keinesfalls dürfe ein solcher Stellplatz – wie im Falle Grieblinger – zu Lasten der Badenden oder anderer Gäste gehen.

Einer, der sich naturgemäß gut auskennt mit dem Gäste-Klientel der Wohnmobilisten, ist Karl Mayr, Betreiber des Campingplatzes Wallberg in Weißach. Er ist überzeugt davon, dass der „gute Gast“, der auch Geld an seinem Urlaubsort lässt, sich nicht mit einem einfachen Wohnmobil-Stellplatz zufrieden gibt. „Diese Leute wollen Ordnung haben und vernünftige Sanitäranlagen“, glaubt Mayr. Auf einfachen Stellplätzen dagegen gebe es keinerlei Kontrolle, die Gäste könnten dort ungehindert einen „Mordsradau“ machen und anschließend einen „Riesensaustall“ hinterlassen. Der Campingplatz-Betreiber erinnert sich nur allzu gut an die vielen Beschwerden der Wiesseer über den Stellplatz beim Strandbad Grieblinger. Er findet: Man müsse sich schon überlegen, ob man dieses Klientel im Tal haben wolle.

Rubriklistenbild: © dpa

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