Im Beisein von Rathauschef Alfons Besel (l.) und Moderatorin Anja Preuß (r.) äußerten Bürger im Neureuthersaal ihre Wünsche für ein Wohnprojekt.
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Im Beisein von Rathauschef Alfons Besel (l.) und Moderatorin Anja Preuß (r.) äußerten Bürger im Neureuthersaal ihre Wünsche für ein Wohnprojekt.

Bürgerbeteiligung im Gmunder Neureuthersaal

Wunschkonzert fürs Senioren-Wohnprojekt

  • Gerti Reichl
    VonGerti Reichl
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Soll in Gmund eine Hausgemeinschaft nur für Senioren entstehen oder besser ein generationsübergreifendes Wohnprojekt? Nach einem Experten-Workshop hat die Gemeinde nun interessierte Bürger in den Neureuthersaal eingeladen, um Wünsche und Ideen zu sammeln.

Gmund – Gegen Ende der knapp zweistündigen Veranstaltung fasste Johann Huber, Gemeinderat der CSU-Fraktion, seine persönliche Situation so zusammen: Er habe seinen landwirtschaftlichen Betrieb übergeben und könne zufrieden in einem Mehrgenerationenhaus leben. So gut wie Huber haben es allerdings nur wenige Senioren in Gmund. Um ihnen die Perspektive zu bieten, den Lebensabend in Gesellschaft Gleichgesinnter verbringen zu können, plant Gmund ein Senioren-Wohnprojekt. Zwei Grundstücke sind schon ins Auge gefasst: nördlich der Hirschbergstraße, wo bereits ein Bebauungsplan für Mehrfamilienhäuser existiert, und an der Wiesseer Straße neben dem Parkplatz zum Strandbad Kaltenbrunn.

Wünsche für Senioren-Wohnprojekt in Gmund: „Gemeinsam statt einsam“

Der Aufforderung von Moderatorin Anja Preuß, Vertreterin der vom Freistaat geförderten „Koordinationsstelle Wohnen im Alter“, ihren Wünschen und Träumen freien Lauf zu lassen, folgten die meisten Anwesenden – etwa 30, darunter ein Großteil der Gemeinderäte – gerne und fleißig.

Da war von einem „netten Appartement mit Rundum-Versorgung“ die Rede; von zusätzlichen Gäste-Appartements für Angehörige, die zu Besuch kommen; vom Wunsch alleine zu leben, aber der Möglichkeit auf gemeinsamen Zeitvertreib in einem Gemeinschaftsraum nach dem Motto „gemeinsam statt einsam“. Dort sollten Angebote nach Vorbild des Mehrgenerationenhauses Rottach-Egern vorhanden sein. „Was ist, wenn ich ein Pflegefall werde? Kann ich dann trotzdem bleiben?“, fragte ein Münchner, der in Gmund seinen Zweitwohnsitz hat und hier seinen Lebensabend verbringen möchte. Immer wieder steuerte Monika Klöcker, Verwaltungsleiterin der Diakonievereins Tegernseer Tal, ihr Wissen bei, verwies den Bau eines Hauses mit 30 bis 40 Wohnungen inklusive Pflege wegen der Finanzierbarkeit, dem grassierenden Personalmangel im Pflegebereich und den Auflagen aber ins Reich der Utopie. „Das wollen Sie sich nicht antun“, mahnte Klöcker. Die Moderatorin erinnerte daran, dass es um ein Wohnprojekt gehe und nicht um ein Altenheim. Auch Anton Grafwallner, langjähriger Behindertenbeauftragter des Landkreises, stimmte in das „Wunschkonzert“ ein und konnte sich „ein schönes Zimmer mit Garten oder Balkon“ vorstellen, das trotz seines Pflegegrads 4 passend wäre. „Das muss doch machbar sein.“

Preuß heftete nicht nur eifrig gelbe Zettel mit Stichworten an die Pinnwand, sie fragte auch die Meinung ab. Demnach gab die knappe Mehrheit einer reinen Senioren-WG gegenüber einem Mehrgenerationenhaus den Vorzug. Dass so ein Wohnprojekt machbar ist, davon hat sich der Gemeinderat vor Kurzem bei einer Fahrt nach Kirchanschöring (Kreis Traunstein) überzeugt.

Wir müssen in die Pötte kommen.

Vize-Bürgermeister Herbert Kozemko (CSU)

„Wir müssen in die Pötte kommen, unser Defizit angehen und den Einstieg in die Geschichte kriegen“, fand Vize-Bürgermeister Herbert Kozemko (CSU). Rathauschef Alfons Besel (FWG) zog ein zufriedenes Resümee: „Wir haben einen Blumenstrauß an Argumenten. Damit können wir weiterarbeiten.“ Die ein oder andere Diskussion werde der Gemeinderat aber noch brauchen für die richtige Entscheidung.

gr

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