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Mit einer 30 Liter fassenden Destillieranlage produzieren Fabian Delfs (l.) und Thomas Lix seit Oktober ihren eigenen Gin auf einem Hof in Gmund.

Produkt findet schon jetzt reißenden Absatz

Geboren aus einer Schnapsidee: Gmunder gründen Gin-Brennerei

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Fabian Delfs und sein Kumpel Thomas Lix sind leidenschaftliche Gin-Trinker. Seit Kurzem brennen die beiden Gmunder die Spirituose selbst. Und haben mit dieser Schnapsidee offenbar ins Schwarze getroffen.  

Gmund Handlackierte Flaschen in Reih und Glied, eine Destillieranlage aus glänzendem Kupfer, ein langes Werbebanner, auf dem der Schriftzug „Zahlersberg Distillers Bavaria“ prangt: Aus einer leer stehenden Garage haben sich der selbstständige Schreiner Thomas Lix (42) und sein Spezl Fabian Delfs (38) ihr kleines Reich geschaffen. Seit Anfang Oktober brennen die Beiden auf dem abgelegenen Hof am Zahlersberg 1 in Gmund ihren eigenen Gin. 100 Prozent handgemacht, 100 Prozent bayerisch, wie sie gerne betonen. Ein Konzept, das offenbar ankommt. Die erste Auflage ihres Dry Gin namens „Zahlersberg No. I“, immerhin 80 Flaschen zu je 42,99 Euro, war innerhalb eines Monats verkauft. Die Neuproduktion ist bereits angelaufen.

„Es war eine Schnapsidee“, sagt Delfs über die Anfänge der heimischen Gin-Manufaktur. Denn eigentlich ist der 38-Jährige Unternehmensberater und damit ebenso wenig vom Fach wie sein Kompagnon Lix. „Aber wir wollten nicht, dass sie beim Rewe in Gmund denken, wir sind Alkoholiker“, begründet Delfs den Schritt hin zur eigenen Brennerei. Ein Scherz, versteht sich. Ein Körnchen Wahrheit steckt aber wohl doch in diesen Worten. Denn es war die große Vorliebe für den teuren Gin, der die beiden Gmunder letztlich auf ihre Geschäftsidee brachte. Und sie eintauchen ließ in die Welt dieser Spirituose.

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„Wir haben viel im Internet recherchiert, gelesen und ausprobiert“, schildert Thomas Lix die ersten Gehversuche auf dem fremden Terrain. Tatsächlich lässt der Gin viel Raum fürs Experimentieren. Denn neben den Wacholderbeeren, die in jeden Dry Gin hinein gehören, erhält der Schnaps seinen charakteristischen Geschmack aus der Aromatisierung mit den unterschiedlichsten Gewürzen. Und die kommen bei Delfs und Lix aus dem heimischen Garten oder zumindest aus der Region. Nur ein Beispiel: „Wir haben von unserem Birnenbaum ein paar Birnen genommen, in der Pfanne angeröstet und hineingetan“, berichtet Delfs. Auch die typischen Wacholderbeeren und die süß-herbe Goji-Beere wurden angebaut und sollen bald vor dem Hof am Zahlersberg für Nachschub an Aromen, den so genannten Botanicals, sorgen.

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Aus vielen Versuchen und Verkostungen ist schließlich das erste Produkt entstanden: der „Zahlersberg No. I“. Über eine eigene Facebook-Seite und Mundpropaganda haben die beiden Gmunder „ihr Baby“ bekannt gemacht und vermarktet. Dass der Gin reißenden Absatz finden würde und mittlerweile sogar in namhaften Restaurants am Tegernsee ausgeschenkt wird, damit hatten die Nachwuchs-Brenner nicht gerechnet. Die zweite Auflage des Tropfens ist gerade in Arbeit, zudem haben Lix und Delfs eine eigene Weihnachts-Edition, den „Gramperl“, herausgebracht.

Wird also schon bald eine größere Maschinerie anlaufen am Zahlersberg in Gmund? Lix winkt ab. „Es soll alles handgemacht bleiben“, sagt der selbstständige Schreiner, dem auch der Hof in Gmund gehört. Vom Brennen übers Abfüllen bis hin zum Etikettieren: Die beiden Gin-Freunde wollen auch in Zukunft nichts aus der Hand geben. Allerdings kreieren sie gerne auf Wunsch individuelle Gin-Sorten, die dann – je nach Geschmack – mit bestimmten Aromen ausgestattet werden.

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In jedem Fall haben Lix und Delfs den richtigen Zeitpunkt erwischt. Denn derzeit erlebt der Gin in Deutschland einen regelrechten Hype. Die Gmunder freut’s. Ihre Brennerei – aus einer Schnapsidee geboren – sei schon ein „kleiner Senkrechtstarter“ geworden, meint Delfs.

gab

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