Eine runde Sache: Die Gmunderin Dagmar Steigenberger hat einen immerwährenden Mondkalender aus Holz entwickelt, der die einzelnen Mondphasen und -zeichen erkennen lässt.
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Eine runde Sache: Die Gmunderin Dagmar Steigenberger hat einen immerwährenden Mondkalender aus Holz entwickelt, der die einzelnen Mondphasen und -zeichen erkennen lässt.

Ein Rad, das sich immer weiter drehen lässt

Zwei Gmunder entwickeln innovativen „Mondkalender“ aus Holz

  • Alexandra Korimorth
    vonAlexandra Korimorth
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Sie ist Wildnispädagogin und Journalistin, er Landwirt und Schreinermeister. Zusammen haben Dagmar Steigenberger und Hans Peter Kraus aus Gmund einen immerwährenden Mondkalender entwickelt.

  • Zwei Gmunder haben einen immerwährenden Mondkalender aus Holz gefertigt
  • An dem Mondrad lassen sich die passenden Mondphasen und -zeichen ablesen
  • Der „Kalender“ lässt sich per Hand jahresübergreifend immer weiter drehen

Gmund – Wer sich wie Dagmar Steigenberger berufsmäßig mit der Natur- und Umweltbildung befasst und seit Jahren versucht, im Einklang mit den natürlichen Zyklen zu leben, der kommt auch am Mond nicht vorbei. Entsprechende Literatur und Mondkalender, die das alte Wissen über derlei Zusammenhänge sehr modern und praktisch zum Abhaken auflisten, boomen seit Jahren auf dem Büchermarkt. Und auch Steigenberger hat sich danach gerichtet und häufig ihre Haare bei Mond im Sternzeichen Löwe schneiden lassen. „Jedes Kind weiß, dass der Mond eine Wirkung auf die Erde hat, aber wie genau und wie direkt er uns und das Leben beeinflusst, das war mir nicht wirklich klar“, sagt die 43-jährige Gmunderin.

Was lag näher als ein Mondkalender aus Holz?

Daher hat sie nach den Jahreskreisen Ausschau gehalten und dabei bemerkt, dass es keine Kalender gibt, die tiefer gehende Erklärungen liefern. Weil erste Versuche, selbst einen immerwährenden Mondkalender aus Filz zu fertigen, scheiterten, zog sie ihren Lebensgefährten Hans Peter Kraus zurate. Der wiederum ist nicht nur Landwirt mit eigenem Wald, in dem er das Holz stets nach dem „g’rechten Zoacha“ – traditionell an den Tagen rund um die Thomasnacht zwischen dem 20. und 21. Dezember – schlägt. Er ist auch Schreinermeister: Was also lag näher, als den Mondkalender aus Holz zu fertigen.

In einjähriger Entwicklungsarbeit entstand eine buchstäblich runde Sache – nämlich eine runde Form zum Synchronisieren von Sonnen- und Mondjahr: „Der Ring zeigt das Datum mit den Monaten an, die inneren Scheiben die Mondzyklen. Ring und Scheiben drehen sich auf unterschiedlichen Achsen, sodass man die Mondphasen und -zeichen immer passend zum Datum des Sonnenjahres ablesen kann“, erklärt Steigenberger und freut sich: „Alles Wesentliche wird hier im Oberland und im Chiemgau gefertigt – sogar das Herzstück, die zweifarbige Mondkugel, die sich dreht und so die Mondphasen anzeigt.“

Eher ein astronomisches Instrument als ein schnöder Kalender

Jemanden zu finden, der diese Kugel mit den exakten Maßen herstellt, sei besonders schwierig gewesen. Der Kalender gleicht eher einem astronomischen Instrument oder einem astrologischen Kunstobjekt als einem schnöden Wandkalender. Das mag daran liegen, meint Steigenberger, dass ihr Vater Astrophysiker war und sie durchaus wissenschaftlich geprägt habe.

„Für mich knüpft unser Mondrad an uralte Traditionen an, an das Werden und Vergehen, das die Menschen schon immer verstehen wollten. Indem sie die Gesetzmäßigkeiten der Natur beim Pflanzen und Ernten erforschten, sicherten sie sich letztlich ihr Überleben.“ Das sei etwas Elementares. Vom Mondrad kann man die Bahnhöhe des Mondes, das entsprechende Mondzeichen und die aktuelle Mondphase ablesen. Von diesen beiden Faktoren hängt die Intensität des Mondlichts ab. „Und die beeinflusst zum Beispiel, wie tief wir schlafen, womit wiederum unser emotionales Befinden zusammenhängt“, erklärt die Wildnispädagogin.

„Rund um die Wintersonnwende und die Rauhnächte beispielsweise wird die Natur nachts von Extremen gebeutelt: Zu Neumond herrscht etwa 16 Stunden lang tiefste Finsternis, zu Vollmond sind die langen Nächte extrem hell, weil der Vollmond dann seine höchste Bahn über den Himmel zieht.“ Für Steigenberger ist das ein möglicher Grund, warum unsere Vorfahren diese Zeit für Orakel und Mystisches nutzten. „Wenn wir nicht so tief schlafen, sind wir empfänglicher für Traum-Botschaften aus dem Unbewussten.“

Zum Mondrad gehört auch ein Handbuch mit vielen Erklärungen

Um den Mond besser verstehen zu können, hat Steigenberger auch ein zum Mondrad gehöriges Handbuch verfasst. Darin enthalten sind – nach grundsätzlichen Erklärungen und Grafiken zu den Mondzyklen – dreigeteilte Seiten, die die Mondphasen, die Sonne im jeweiligen Sternzeichen und den Mond im jeweiligen Sternzeichen erklären. „Aus der Kombination dieser drei Elemente ergibt sich die vorherrschende Tages-Qualität“, sagt Steigenberger. Und das für immer, denn das Mondrad dreht man per Hand jahresübergreifend immer weiter; Es kommt ohne Batterie oder dergleichen aus. Die „runde Zeit“ mache ruhig und gelassen und stimme zuversichtlich. Denn mit dem Mondrad denke man in Zyklen. Steigenberger sagt: „Mir hat es sogar in den zurückliegenden turbulenten Monaten und während der Fertigung unserer ersten Serie ein wachsendes Vertrauen vermittelt: Auf das Ende folgt der Anfang, auf das Sterben das Werden. Tag für Tag, Monat für Monat und Jahr für Jahr.“ Und das erscheint in der Tat unheimlich beruhigend.

ak

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