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Gymnasium verliert noch mehr Schüler als gedacht

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Von: Christina Jachert-Maier

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Tegernsee - Der Einbruch ist dramatisch: Das Tegernseer Gymnasium hat noch mehr Schüler verloren als gedacht. Das Problem: Auch Jugendliche aus höheren Klassen wandern ab.

Die Alarmglocken schrillten schon im Frühjahr. Nur 56 Fünftklässler hatten sich angemeldet, 90 weniger als im Vorjahr. Damit können erstmals nur zwei Parallelklassen gebildet werden. Unterdessen ist der Ansturm auf das neu gebaute Holzkirchner Gymnasium riesig (wir berichteten).

Tatsächlich werden heute nur 55 Fünftklässler ihre Gymnasiallaufbahn in Tegernsee beginnen. „Wir hatten noch einen Wegzug“, erklärt Direktor Werner Oberholzner. Aber der Schwund beschränkt sich nicht auf die fünfte Klasse. Kurzfristig haben sich auch etliche Schüler höherer Jahrgänge dafür entschieden, das Tegernseer Gymnasium zu verlassen. Darum ist die Gesamt-Schülerzahl von 830 auf 710 gesunken.

"Das liegt vor allem an den Busverbindungen“, erklärt Oberholzner. Es handle sich um Schüler, die in Hausham oder Miesbach zuhause sind. Meist hatten sie sich trotz der größeren Nähe zum Gymnasium Miesbach für Tegernsee entschieden, weil ihnen dort mögliche Fächerverbindungen mehr zusagten. Die Kosten für den weiteren Schulweg übernimmt der Landkreis übrigens auch nur, wenn das gewählte Gymnasium eine Fächer-Kombi anbietet, die es in der näher gelegenen Schule nicht gibt. „Über diesen Punkt muss ich mit dem Landrat auch noch reden“, sagt Oberholzner. Ihn schmerze jeder Schüler, der Tegernsee verlasse.

Gelegenheit zum Gespräch mit Landrat Wolfgang Rzehak (Grüne) wird Oberholzner schon heute haben. Zu Schulbeginn um 8 Uhr kommt Rzehak ins Tegernseer Gymnasium und verteilt Schultüten an die Fünftklässler. Damit wolle sich der Landrat bei den neuen Schülern für die Entscheidung bedanken, dass das Gymnasium Tegernsee als Bildungsstätte gewählt wurde, lässt das Landratsamt vorab verlauten. Eine freundliche Geste, die etwas hilflos wirkt.

Für Oberholzner ist klar: Um das Tegernseer Gymnasium zu retten, muss in den nächsten Monaten einiges geschehen. Mindestens dreizügig muss es schon sein, um auf Dauer Bestand zu haben. Heißt: mindestens 80 Anmeldungen für die fünfte Jahrgangsstufe 2014/2015. „Ich werde den Kontakt zu den Grundschulen, vor allem zu denen im Tegernseer Tal, noch wesentlich verstärken“, kündigt Oberholzner an.

Noch im Herbst wolle er die Tal-Grundschüler ans Gymnasium einladen. Schließlich ist nicht nur die Eröffnung des Holzkirchner Gymnasiums für den Schülerschwund in Tegernsee verantwortlich. Auch die neue Realschule in Gmund erweist sich als starke Konkurrenz. Viele Viertklässler, denen eine Eignung fürs Gymnasium attestiert wurde, haben sich dennoch für die funkelnagelneue Realschule in Finsterwald entschieden. Bei etlichen Eltern dürfte die Sorge, der Druck auf dem G 8 könnte zu groß werden, eine Rolle spielen. Oberholzner will Mut machen, den Schritt aufs Gymnasium zu wagen. Darum, so der Direktor, werde er auch den Kontakt zu den Grundschul-Rektoren und Grundschullehrern vertiefen. Schließlich sind sie auch wichtige Ratgeber für die Viertklässler-Eltern.

Besonders im Visier hat Oberholzner die Waakirchner Kinder. „Es darf nicht sein, dass die uns alle nach Bad Tölz diffundieren“, meint der Rektor. Schließlich müsse der Landkreis ganz erhebliche Gastschulbeiträge für Gymnasiasten zahlen, die in Bad Tölz unterrichtet werden. Unterdessen gibt's in Tegernsee jetzt viel Platz. Der Vorteil: Für das Ganztagsangebot konnte die Schule großzügig Räume zu Verfügung stellen. Kleiner geworden ist das Lehrerkollegium. Statt zuvor 70 unterrichten nun noch 65 Pädagogen am Tegernseer Gymnasium. Die Reduzierung bewege sich derzeit noch in einer verträglichen Größenordnung, meint Oberholzner. Aber weiter absinken dürfe die Schülerzahl nicht: „Es wäre schwierig, wenn es so weiterginge.“

Von Christina Jachert-Maier

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