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Aus ganz Oberbayern kamen Fahnenabordnungen der Gebirgsschützenkompanien zum Gedenken an die Sendlinger Mordweihnacht beim Waakirchner Oberländer-Denkmal – hier ein Fähnrich aus Ohlstadt.

Sie zeigen Haltung

Gedenken der bayerischen Gebirgsschützen in Waakirchen

Waakirchen – Am Oberländer-Denkmal in Waakirchen ist an Heiligabend wieder der Sendlinger Mordweihnacht von 1705 gedacht worden. Das Wetter war freundlich, die Stimmung auch.

Gebirgsschützen gedenken Sendlinger Mordweihnacht

Etwa 500 bayerische Gebirgsschützen, vom Werdenfelser Land bis aus Berchtesgaden, waren mit ihren Abordnungen aufmarschiert. In diesem Jahr kam der Leiter der Bayerischen Staatskanzlei, Marcel Huber, statt des Ministerpräsidenten. Stellvertretende Ministerpräsidentin Ilse Aigner ließ sich auch entschuldigen. Sonst aber waren Politiker und Abgeordnete jeder Parteicouleur, aus Bund, Land und Bezirkstag gekommen.

Kranzniederlegung: Staatskanzleichef Marcel Huber (r.) und Waakirchens Bürgermeister Sepp Hartl.

In der Waakirchner Pfarrkirche St. Martin hatten die Schützen zunächst an einem feierlichen Festgottesdienst teilgenommen, dendie Waakirchner Sängern musikalisch gestalteten. Pfarrverbandsleiter Stephan Fischbacher erinnerte nicht nur an die Opfer von 1705, als in der Weihnachtszeit fast zehn Prozent der bayerischen Bevölkerung bei dem Aufstand getötet wurden. Er gedachte auch der Opfer des Berliner Anschlags und mahnte: „Je dunkler es wird, desto mehr müssen wir unsere Herzen öffnen.“

Die Festpredigt hielt Domkapitular Prälat Josef Obermaier. Er schlug durchaus ungewöhnliche Töne an, sorgte sogar für etwas inhaltliche Brisanz, denn er redete den zahlreichen Männern in der Kirche ins Gewissen. Es reiche nicht, dass Männer sich mit Kraftmeierei oder wichtigem Gerede am Stammtisch ausdrückten und sonst sich entzögen mit Schweigen. Männer sollten wieder mehr ihre Erziehungsverantwortung übernehmen, nicht die Frauen damit alleine lassen. Nur so könnten Buben und junge Männer in eine gesunde Rolle hineinwachsen. Am Beispiel des biblischen Josef machte er deutlich, was er meinte: Josef sei kein Stillschweiger gewesen. Josef sei es gewesen, der Jesus erzog, ihn ausbildete zum Zimmermann, ihn in die Regeln der Gesellschaft einführte. Das sei heute wieder nötig: Männer müssten mehr in der Familie präsent sein, damit junge Männer nicht nur ihre Kraft irgendwie ausleben. Für die Gesellschaft sei es wichtig, dass sie in die männliche Rolle hineinwachsen, lernen ihren Mann zu stehen und Verantwortung zu übernehmen. „Wir Männer brauchen Vorbilder, die Frauen brauchen Männer, auf die sie sich zu Recht verlassen können“, sagte Obermaier.

Nach dem Gottesdienst zogen die Kompanieabordnungen zum Löwen-Denkmal. Waakirchens Bürgermeister Sepp Hartl erinnerte in seiner Rede daran, dass Friede und Freiheit „in unserem Land nie einfach geschenkt wurde“ und richtete mit Blick auf den Anschlag in Berlin die Aufforderung an die Staatsregierung, besser für den Schutz der Bürger zu sorgen. „Der Frieden ist ein zerbrechliches Gut. Wir dürfen die Menschen nicht überfordern“, sagte er. „Wir haben hier gute Helfer, die gute Arbeit machen, wie sie sich um Flüchtlinge hier kümmern. Aber es muss auch klar sein, dass diese sich an unsere Regeln anpassen müssen und nicht umgekehrt.“ Marcel Huber wiederum würdigte die Idee, die hinter dem Ereignis von 1705 steht: Haltung zu zeigen. Heute bewahren etwa 12 000 Gebirgsschützen in 47 Kompanien das Erbe ihrer einst kämpfenden Vorfahren.

In einem Zug marschierten die Teilnehmer des Gedenkens an Heiligabend durch den Ort

Polizei und Feuerwehr hatten heuer weiträumig und früher die Sicherheitsabsperrungen errichtet. Dennoch hatten sich zahlreiche Zuschauer entlang der Schaftlacher Straße und um das Ehrenmal versammelt. Einige Gäste machten während des Wartens auf den Festzug darauf aufmerksam, dass sie extra aus Norddeutschland, dem Rheinland oder anderen Teilen Bayerns angereist waren, um der Gedenkfeier beizuwohnen.

Sonja Still

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