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Hotel-Projekte am Tegernsee: Warten auf den Betten-Boom

Tegernsee - Das Tegernseer Tal leidet an Bettenschwund. Das wird sich ändern, wenn alle Vorhaben rund um den See verwirklicht sind. Hier eine Übersicht der aktuellen Hotel-Projekte.

Gleich mehrere Vorhaben stehen derzeit in der Stadt Tegernsee in der Warteschleife. Das spektakulärste ist dabei sicherlich das Almdorf. Zwischen Neureuth-Parkplatz und Kohlhaufhof soll ein Tourismus-Projekt entstehen, das es so bisher im Tegernseer Tal nicht gibt. Die Ernst Tengelmann Projekt GmbH plant mit Architekt Andreas Wegmann ein kleines Feriendorf, bestehend aus zwei Zentralgebäuden mit Tiefgarage und sieben kleinen, wie Bauernhöfe wirkenden Ferienhäusern. Mit 75 Betten ist das Projekt eher klein, aber fein. Mehrere Hürden sind schon geschafft: Der Landkreis Miesbach hat die Herausnahme der 5000 Quadratmeter großen Fläche schon genehmigt, der Stadtrat hat den Bebauungsplan in einer ersten Runde mehrheitlich für gut befunden und auch die Petition der Gegner an den Landtag ist vom Tisch.

Für viel Wirbel sorgen derzeit die Neubaupläne der Orthopädischen Klinik auf der Point. Die bestehenden Gebäude sollen abgerissen und in Etappen durch vier geschwungene Baukörper mit vier bis sechs sichtbaren Stockwerken ersetzt werden. Die Zahl der Betten steigt von 166 auf 186. Weil auch Reha-Patienten Kurbeiträge zahlen, profitiert die Stadt: Jährlich fließen 89 000 Euro in die Kasse. Der Verlust der Klinik, betrieben von der Deutschen Rentenversicherung Bayern Süd, wäre bitter: Sie stellt 30 Prozent aller Übernachtungen in Tegernsee und bietet 120 Arbeitsplätze.

39 Euro pro Person im Doppelzimmer und eine Preisgestaltung nach dem Baukastenprinzip: Das ist das Konzept des A-ja-Ressorts, einer Hotelgruppe des Aida-Gründers Horst Rahe. Im Frühjahr hat der Stadtrat bereits sein Okay gegeben für einen Hotel-Neubau auf dem 10 000 Quadratmeter großen Gelände der Hypo-Vereinsbank in Tegernsee-Süd. Das Hotel soll 135 Zimmer und 40 Suiten bieten und will die Gäste mit seinem Baukastenpreismodell gewinnen. Will heißen: Alle Leistungen wie Mahlzeiten und Wellness kommen auf den Grundpreis obendrauf. Während der Stadtrat das Projekt mehrheitlich begrüßt, formiert sich Widerstand der Anlieger. Sie wollen mitreden und wünschen zahlreiche Verbesserungen der Planung.

Der Westerhof will wachsen: von 100 auf 300 Betten. Seinen im Juni 2012 präsentierten Masterplan für das Hotel hat Unternehmer und Hotelbesitzer Andreas Greither inzwischen überarbeitet: Er will sämtliche Gebäude abreißen und durch Neubauten ersetzen. Die Stadtrat spielt mit großer Mehrheit mit, doch die Anlieger der schmalen Olaf-Gulbransson-Straße sind schon jetzt in großer Sorge: Sie fürchten eine immense Belastung während der Bauphase und auch künftig während des Betriebs.

Erweiterungspläne treibt auch die Versicherungskammer Bayern für das Hotel Das Tegernsee voran. Das am Hang unterhalb des Hotelkomplexes liegende Gschossmannhaus - benannt nach dem in Tegernsee lebenden Maler Ludwig Gschossmann (1894-1988), wurde bereits abgerissen. An seiner Stelle entstehen zwei separate, jeweils 22 mal 18 Meter große, zweigeschossige Gebäude. Hotel- und Gästezimmer, ein Boardinghouse zur längeren Belegdauer, Personal-Appartements und eine Arztpraxis sind ebenso geplant. Das Hotel darf noch mehr: Seit 2003 liegt die Genehmigung für den Anbau eines viergeschossigen Bettenhauses an das Haupthaus vor. Im Zuge der Gschossmannpläne hat die Stadt aber eine Verkleinerung des Baurechts sowie einen vorläufigen Verzicht auf dieses Vorhaben ausgehandelt.

Direkt am See besitzt die Versicherungskammer Bayern ein weiteres Grundstück. Früher stand da schon mal ein Hotel, das Gartenheim. Es ist längst abgerissen, Pläne für ein neues Hotel an dieser Stelle wurden zwar gehegt, aber nie verwirklicht. „Demnächst werden wir mit der Stadt wieder Gespräche führen“, kündigt Frank Walthes, Vorstandsvorsitzender der Versicherung, an. Dass der Seeuferweg der Stadt über deren Grundstück führt, stört die Versicherung nicht. Die Stadt hat sich zudem ein Wegerecht gesichert.

Zwei weitere Betten-Projekte machen noch Sorgen: Auf dem Gelände des seit langem leerstehenden Gasthofs Guggemos würde die Stadt gerne ein Hotel sehen. Doch das Herzogliche Brauhaus als Besitzer hegt andere Pläne und will sein Geschäft mit dem Bau von Wohnungen und Läden machen.

Seit über 15 Jahren sucht der Landkreis nach einem Käufer für das 7588 Quadratmeter große ehemalige Krankenhaus-Areal. Auch wenn laufend Gespräche geführt werden, so sprangen bisher alle Interessenten ab. Noch gelten die Vorgaben der Stadt, die zu je einem Drittel Eigentumswohnungen, Mietwohnungen und Hotel wünscht. Mit dem Bürgermeisterwechsel im nächsten März könnte diese Vorgabe auf den Prüfstand kommen. Der CSU-Kandidat Hans Hagn hat bereits angekündigt, über die Zukunft des Krankenhaus-Areals neu nachzudenken.

Rottach-Egern:

Die Projektgesellschaft Seestraße 19-21 mit den Investoren Ernst Tengelmann und Rainer Leidecker will die Seeperle nach über 20 Jahren glanzlosen Daseins wieder erstrahlen lassen. Über zehn Millionen Euro sollen investiert werden für ein Hotel Garni und eine Einkaufsmeile. Das Bebauungsplanverfahren ist fast durch, damit können die Investoren schon bald ihren konkreten Bauantrag präsentieren. „Ansonsten haben wir derzeit keine großen Hotel-Projekte in der Pipeline“, lautet die Auskunft des Rottacher Bauamtsleiters Walter Hübsch.

Bad Wiessee:

Der ganz große Wurf für Bad Wiessee soll auf dem Jodbad-Gelände kommen. Star-Architekt Matteo Thun hat schon geplant: ein Hotel mit 150 Zimmern, eine auf Wellness ausgerichtete Therme und ein medizinisches Zentrum, dazu feudale Wohnungen und eine Tiefgarage mit 350 Stellplätzen. Mitte 2014 startet die EU-weite Ausschreibung.

Ein weiteres Hotelprojekt wird vermutlich schnell verwirklicht: An der Hirschbergstraße soll auf dem 7000 Quadratmeter großen Areal einer ehemaligen Kinderklinik ein Sporthotel mit 85 Zimmern entstehen. Die Capital Forum Tegernsee entwickelt das Konzept für das Vier-Sterne-Haus, das Sportlern alles bietet, was das Herz begehrt. Der Gemeinderat ist begeistert und hat die nötigen Genehmigungsschritte in Gang gesetzt. Baubeginn könnte schon 2014 sein.

Dann ist da noch das leidvolle Kapitel Lederer. Die Grünwalder Firma RDR hat das Areal samt Hotel mit einst 165 Betten zwar gekauft, doch was aus dem Haus wird, ist noch ungewiss. Der Tegernseer Unternehmer Thomas Strüngmann, dem inzwischen auch das benachbarte ehemalige Spielbank-Areal samt Haus des Gastes und Haus Wittelsbach gehören, will das Lederer haben und ein neues großes Hotel am See bauen.

Gmund:

Große Hotels sind in Gmund eher Mangelware - sehr zum Bedauern der Gemeinde. Lediglich der Gastronom Peter Hubert schmiedet für seinen Feichtner Hof Hotelpläne. Der Bau soll parallel zur Gaststätte entstehen und etwa 20 neue Betten schaffen. Die Pläne wurden bereits im September 2012 im Gemeinderat vorgestellt, seither aber nicht vorangetrieben. Hubert hält an seinen Plänen jedoch fest.

Kreuth:

Das von Landrat Jakob Kreidl als „Leuchtturm-Projekt“ geadelte Hotel Bachmair Weissach mit Event Arena hat seit der Übernahme durch Korbinian Kohler kräftig aufgerüstet und seine Zimmerzahl in den vergangenen Jahren auf 146 erhöht. Nach oben ist noch Luft: Derzeit wird eine Bachmair-Suite eingerichtet.

Waakirchen:

Der Lanserhof auf dem Steinberg dürfte auch Superreiche anziehen. Hier entsteht ein Gesundheits-Resort der Extraklasse mit 70 Zimmern und Suiten für ein zahlungskräftiges Klientel. Investitionsvolumen: rund 50 Millionen Euro. Die ersten Gäste sollen bereits Anfang Januar kommen. Ein ehrgeiziges Ziel.

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