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Ein treuer Blick sagt nicht alles: Dieser ausgebüxte Yorkshire-Terrier wurde im April in Holzkirchen gefunden. Gerade Vermittlungshunde aus dem Ausland können neue Besitzer vor Herausforderungen stellen.

„Sie haben Angst vor so ziemlich allem“

Auslandshunde und warum sie gerne ausbüxen - Tierschutzverein erklärt Problematik

Johanna Ecker-Schotte, Vorsitzende des Tierschutzvereins Tegernseer Tal, spricht über die Hundevermittlung, Probleme mit Hunden aus dem Ausland und warum schon mehrere ausgebüxt sind.

Landkreis – In der Region gibt es etliche ehrenamtliche Hundevermittlungen, die Hunde aus dem Ausland an Privatleute oder Übergangsstationen weiterleiten. Seit Herbst vergangenen Jahres sind jedoch bereits drei solcher Hunde aus ihrem neuen Zuhause ausgebüxt. Woran das liegen könnte und wie man am besten mit der Situation und den Hunden umgeht, erklärt Johanna Ecker-Schotte (57), Vorsitzende des Tierschutzvereins Tegernseer Tal, im Interview.

Frau Ecker-Schotte, wie läuft die Hundevermittlung im Tierheim ab?

Wir vergeben die Hunde nur dann, wenn alle Voraussetzungen erfüllt sind. Der potenzielle neue Besitzer muss den Hund in der Regel mehrere Male besuchen, ihn Gassi führen und einen Fragebogen ausfüllen. Es ist wichtig zu sehen, wie der Hund auf die Person reagiert, die Tier-Mensch-Beziehung muss passen und entwicklungsfähig sein. Es werden Vor- und Nachkontrollen durchgeführt. Und darauf achten manche der ehrenamtlichen Einrichtungen nicht ausreichend. Auch wir haben schon Hunde aus dem Ausland übernommen. Sie wurden sehr zeitaufwendig von den Mitarbeitern und einer Hundetrainerin fachlich betreut und sozialisiert. Das ist alles nicht nur sehr kostenintensiv, viel Zeit und große Geduld muss investiert werden, und trotzdem bleiben einzelne Tiere verhaltensauffällig.

Wieso ist das bei diesen Tieren so aufwendig?

Die Auslandshunde sind sehr oft traumatisiert, haben Angst vor Männern oder vor Kindern, vor Besen, vor Stöcken, vor so ziemlich allem. Häuser sind ihnen fremd, schon das Zuschlagen einer Tür kann großen Stress auslösen. In ihrem früheren Umfeld haben sie oft schlechte Erfahrungen gemacht und sind der neuen Umgebung hilflos ausgesetzt. Sie sind sehr verängstigt, scheu und schwierig zu erziehen. Es bedarf immer fachlicher Betreuung. Und bei den ehrenamtlichen Einrichtungen ist es oftmals der Fall, dass diese den neuen Besitzer oder Übergangsbesitzer nicht ausreichend vorbereiten. Dann kann es vorkommen, dass der Hund entwischt.

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Johanna Ecker-Schotte, Vorsitzende des Tierschutzvereins.

Wie soll man sich verhalten, wenn man auf so einen Hund trifft?

Wichtig ist, ganz ruhig zu bleiben. Alles andere übt nur noch mehr Stress auf das Tier aus. Tierheim oder Polizei anfragen, ob es eine Vermisstenmeldung gibt. Einen scheuen Hund zu fangen, ist fast nicht möglich. Vertrauen muss her.

Aber das geht ja auch nicht von Jetzt auf Gleich.

Ganz genau. Daher sollten in die Suche auch Fachleute einbezogen werden. Die Menschen haben einfach Mitleid mit den Hunden, die genug schlechte Erfahrungen in ihrem Leben gemacht haben, und holen einen zu sich. Die Gutmütigkeit der Leute wird teilweise ausgenutzt. Ziemlich schnell sind sie mit der Situation überfordert.

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Warum?

Oftmals sind die ehrenamtlichen Vermittler selbst nicht ausreichend über die Vergangenheit des Hundes informiert oder sie verschweigen diese. Die Hunde werden eigentlich immer mit guten Charaktereigenschaften und vielleicht kleineren Schwächen angepriesen. Dieses Verhalten ist mehr als fahrlässig. Glücklicherweise gibt es auch seriöse Organisationen, die hier professioneller handeln. In einigen Fällen setzen sich diese dann auch mit unserem Verein in Verbindung. Wir gehen zwischenzeitlich davon aus, dass circa 80 Prozent der Abgabehunde in Tierheimen aus dem Ausland stammen.

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Marina Birner

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