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In der Stube sitzen Mutter Steffi (41), Papa Martin (47) sowie Kajetans (2.v.r.) Geschwister Josefa (14) und Quirin (12). Quirins Aufgabe ist es in der Osternacht, als „Zundlbua“ (Foto oben) das Osterfeuer in die Öfen der Nachbarn zu tragen. Mit glühenden Baumschwämmen, den „Zundln“, die Quirin mit einer Zange von der Draht-Halterung schneidet

Ganz traditionell

Kennen Sie diese Osterbräuche? Zu Besuch bei einer Kreuther Familie

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Familie Hagn aus Kreuth am Tegernsee hält die Osterbräuche hoch, die vielerorts beinahe ausgestorben sind. Ein Besuch, der Tradition nahe bringt. 

Kreuth– Kajetan, neun Jahre alt, kneift die Augen zusammen und nimmt noch einmal gründlich Maß. Dann lässt er das grüne Osterei aus den Fingern gleiten. Es rollt die Stiele zweier Holzrechen hinunter, eine schnurgerade, improvisierte Murmelbahn auf dem rotgemusterten Wohnzimmerteppich. Das Ei rammt ein anderes, das mit einer Fünf-Cent-Münze beschwert auf dem Boden der Stube der Familie Hagnliegt. „Des is hie!“, ruft Kajetan und lässt mit gereckter Faust einen Jubelschrei los. Das Geldstück auf dem getroffenen Ei, dessen Schale deutlich hörbar gesplittert ist, gehört nach dem Treffer ihm.

Das „Eierscheiben“ ist Bayerns beliebtester Osterbrauch – gleich nach der Suche nach dem Osternest. Für Familie Hagn vom Danzlhof bei Kreuth am Tegernsee ist das Osterfest um Jesu Kreuzigung und Wiederauferstehung aber viel mehr als die gemeinsame Gaudi – die natürlich auch dazugehört. „Ich würde das Osterfest mit Weihnachten gleichsetzen“, sagt Kajetans Mutter Steffi Hagn (41). „Es geht uns um den Sinn hinter Ostern, nicht nur um den Geschenke-Effekt“, betont sie.

Oft gerät ob des wochenlangen Weihnachtsmarathons in Vergessenheit, dass das Fest der Auferstehung Christi der eigentliche Höhepunkt des christlichen Kalenders ist.

Die Nacht der Nächte ist jene von Karsamstag auf Ostersonntag. Dann macht sich auch Familie Hagn auf in die Kirche zum Ostergottesdienst, im Gepäck einen geschmückten Korb, unter anderem mit Brot, Fleisch, Salz, Wein und dem Osterlamm zur Weihe durch den Pfarrer. Ostern steht für Leben und Neubeginn, jedes der Lebensmittel hat eine symbolische Bedeutung.

Kajetans Bruder ist Experte für die „Zundln“

Kajetan (9) darf das Osterlamm anschneiden, das seine Mutter Steffi (41) gebacken hat.

Genau wie die „Zundln“. Experte für diesen Brauch, der selbst in seiner Herkunftsregion, dem Oberland, rar geworden ist, ist Kajetans Bruder: Der zwölfjährige Quirin hat mit seinem Vater Martin (47) Baumschwämme gesammelt, die er in der Osternacht im Osterfeuer an der Dorfkirche zum Glühen bringt. Die geweihte Flamme trägt Quirin so als Glut in die Häuser der Nachbarn, die eine offene Feuerstelle haben.

Die Kunst dabei ist, die Sauerstoffzufuhr für die Schwämme beim Marsch durch die Nacht durch dosiertes Schwingen stabil zu halten. „Die Zundln dürfen nur glühen, nicht verbrennen“, erklärt Quirin.

Am Morgen des Ostersonntags sitzen die fünf Hagns dann am Esstisch neben dem grünen Kachelofen, in dem langsam das Osterfeuer ausglüht, zum Frühstück beisammen. Im Herrgottswinkel der Stube stehen unter dem Kruzifix in einer Vase Forsythienzweige, geschmückt mit bunt bemalten Eiern. Ein bisschen müde ist die Familie vielleicht, dafür geht es nun bei Osterlamm, Ostereiern und Kaffee umso gemütlicher zu.

Bis es die Kinder vor lauter Oster-Neugier nicht mehr auf den Plätzen hält und sie sich gemeinsam mit der Verwandtschaft aus der Gegend im Garten auf die Suche nach den Nestern machen – allen voran der Jüngste. „Kajetan ist unser Turbo“, sagt sein Vater Martin schmunzelnd. „Mit der Familie zusammen sein, das ist das Schönste an Ostern“, findet Josefa (14), die Älteste der Hagns.

Dieses Jahr hat die Familie an Ostern außerdem Besuch: Ein befreundetes Paar aus Italien ist mit seinen vier Töchtern zu Gast auf dem Danzlhof. „Die feiern natürlich mit“, sagt Martin Hagn. Damit sie sehen, wie Ostern auf echt Bayrisch geht.

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