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Die Krippe ist derzeit im ehemaligen HJ-Heim und einem Container untergebracht. 

Städtebauliche Studie 

Kinderbetreuungszentrum auf dem Schulgelände: Eine neue Krippe als erster Schritt

Krippe, Kindergarten, Hort und noch eine Turnhalle: All das hätte auf dem Wiesseer Schulgelände Platz. Die Planung war jetzt Thema im Gemeinderat. 

Bad Wiessee – In der Krippe ist zu wenig Platz, das Kindergartengebäude so marode, dass eine Sanierung nicht lohnt. Dass Handlungsbedarf besteht, war auch dem vorigen Gemeinderat von Bad Wiessee klar. Ende 2019 gab er eine städtebauliche Studie in Auftrag. Die sollte zeigen, was auf dem Schulareal möglich ist. Es entstand ein Entwurf, den Bürgermeister Robert Kühn (SPD) jetzt in der öffentlichen Sitzung präsentierte. Er skizziert ein Kita-Zentrum mit Krippe, Kindergarten, Hort und Turnhalle. Zudem wird im alten Feuerwehrhaus ein Saal geschaffen. Die Umsetzung soll nach und nach erfolgen. Erster Schritt ist der Bau der Krippe. Den will die Gemeinde zügig anpacken. Der Grundsatzbeschluss, das Verfahren zu beginnen, fiel einstimmig.

Die Krippe

Aktuell verfügt die von der evangelischen Kirche betriebene Krippe über 29 Plätze. 17 davon sind in einem maroden Gebäude neben der Schule untergebracht. Es handelt sich um ein ehemaliges HJ-Heim. Ein Container bietet zwölf weitere Plätze. „Zum Glück steht das sogenannte HJ-Heim nicht unter Denkmalschutz. Damit hätten wir gar nicht gerechnet“, meinte Bernd Kuntze-Fechner (SPD). Die neue Krippe soll 48 Plätze haben. Damit trägt die Gemeinde dem steigenden Bedarf Rechnung. In dem Neubau sollen auch sechs bis zehn Personalwohnungen entstehen.

Die Kosten

Die Kosten für den Krippenneubau belaufen sich auf 4,7 Millionen Euro. Für den Bau der Krippenräume rechnet die Gemeinde mit 50 Prozent Zuschuss. Die Kosten für den Abriss des alten Gebäudes sind in der Berechnung noch nicht enthalten. Insgesamt werde die Gemeinde wohl drei Millionen Euro zu zahlen haben, meinte Kühn. Der staatliche Zuschuss dürfte sich auf knapp zwei Millionen Euro belaufen.

„Wir müssen als Gemeinde jetzt handeln“, machte der Bürgermeister klar. Dies stand im Gemeinderat auch nicht infrage. „Das ist eine ganz wichtige Mission“, erklärte Florian Sareiter (CSU). Bei der Schaffung von Kinderbetreuungsplätzen handle es sich um eine Pflichtaufgabe der Gemeinde. „Wir kommen um das Thema nicht drumrum“, machte auch Georg Erlacher (CSU) deutlich.

Das Baukastenprinzip

Der Entwurf zeigt auf, wie der Wunsch der Gemeinde zu realisieren ist, auf dem gemeindeeigenen Schulareal ein Zentrum zu schaffen, in dem alle Einrichtungen zur Kinderbetreuung vorhanden sind. Es handelt sich um Module, die Schritt für Schritt und nach Bedarf erstellt werden können. Auf dem Gelände sind maximal 72 Krippenplätze, 125 Kindergartenplätze und 100 Hortplätze möglich. Aktuell sind im Kindergarten 95 und im Hort 75 Plätze vorhanden. „Nichts ist fix. Das sind alles Optionen“, kommentierte Bürgermeister Kühn den Entwurf.

„Es ist auch wichtig, dass uns das kostenmäßig noch nicht voll trifft“, erklärte CSU-Sprecher Sareiter. In der Sondersitzung war das Gremium zu dem Schluss gekommen, dass der Bau der Krippe oberste Priorität hat und sofort angepackt werden muss. Es ist eine EU-weite Ausschreibung nötig, die der Gemeindeverwaltung zufolge im vereinfachten Verfahren durchgeführt werden kann. Sie soll im November abgeschlossen sein. Über die konkrete Bauplanung will der Gemeinderat noch heuer beschließen. Die Trägerschaft soll bei der evangelischen Kirche bleiben. Kühn zufolge wurden erste Gespräche mit Pfarrer Martin Weber geführt.

Der Kindergarten

Der Kindergarten steht unter der Trägerschaft der katholischen Kirche. Das bestehende Gebäude ist laut TÜV-Gutachten nicht mehr sanierungsfähig. Es befindet sich auf einem Grundstück, das der Kirche gehört. Räumlich wäre es möglich, einen neuen Kindergarten auf dem gemeindlichen Schulareal zu errichten. Franz Hafner, Leiter des katholischen Kita-Verbunds, hat die Pläne schon gesehen und für gut befunden. „Die Entscheidung liegt aber nicht bei mir“, macht Hafner klar. Er hat die Pläne an Pfarrer Walter Waldschütz weitergereicht, der das weitere Vorgehen mit dem Erzbischöflichen Ordinariat beraten wird. Die Gemeinde wartet unterdessen ab, wie das Ordinariat zu dem Projekt steht. Eine Terminplanung für den Kindergartenneubau gibt es noch nicht.

Die Turnhalle

Eine Einfach-Turnhalle hätte auf dem Schulareal Platz, eine Zweifach-Turnhalle müsste auf einer außerhalb gelegenen Fläche entstehen. Die Höß-Wiese, die ans Grundstück grenzt, komme nach Rücksprache mit dem früheren Bürgermeister Peter Höß nicht in Betracht, berichtete Kühn. Die Kosten für den Grunderwerb seien zu hoch. Laut Beschluss des Gemeinderats werden dennoch die Kosten für den Bau einer Einfach- und auch einer Zweifachturnhalle ermittelt.

Das Feuerwehrhaus

Das denkmalgeschützte alte Feuerwehrhaus dient derzeit als Rumpelkammer. Der Planer habe eine „wunderbare Möglichkeit“ aufgezeigt, dort einen Saal zu schaffen, erklärt Kühn. Dies sei für kleines Geld möglich. Wichtig ist dies insbesondere, weil der Pachtvertrag für den gemeindlichen Gasthof Zur Post Ende November 2021 ausläuft. Danach, so Kühn, müsse der Gasthof für Sanierung und Umbau mindestens einige Monate lang geschlossen werden. In dieser Zeit steht dann auch der einzige Saal der Gemeinde nicht zu Verfügung.

Lesen Sie auch: Kindergarten muss abgerissen werden 

Am Tegernsee gibt‘s zu wenig Krippenplätze 

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