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Kitz-Schutz per Drohne: (v.l.) Drohnenpilot Markus Stigler, Landwirt Martin Strohschneider, Kreisobmann Hans Hacklinger, Fair-Fleet-Mitgründer Alexander Engelfried und Johanna Ecker-Schotte vom Tierschutzverein.

Pilotprojekt

Kitz-Rettung per Drohne: Einzigartiger Feld-Versuch am Tegernsee

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Der Bauernverband und der Tierschutzverein Tegernseer Tal sind zu Beginn der Heu-Saison eine einzigartige Kooperation eingegangen: die Rehkitz-Rettung mithilfe von Wärmebildkameras.

Rottach-Egern/Landkreis Damit die Mahd der Wiesen nicht zur Todesfalle für neu geborene Rehkitze, Junghasen, Jungvögel, Bodenbrüter und andere Tiere wird, sponsert der Tierschutzverein dieses Jahr die Tierrettung mittels Drohne aus der Luft. Dazu hat der Verein laut seiner Vorsitzenden Johanna Eckert-Schotte schon im vergangenen Jahr intensive Gespräche mit den Landwirten geführt. Dabei wurde klar, dass diese zwar vor jeder Mahd die Wiese einmal absuchen, um Kitze zu orten, deren Mutter beim Äsen ist. Aber die kleinen Kitze, deren Instinkt es ist, sich zum Schutz ganz klein ins hohe Gras zu ducken, sind nur sehr schwer auszumachen. Zudem stehen die Landwirte dabei meist unter Zeitdruck. Denn das Wetter muss passen, und Maschinen sind oft im Verbund angeschafft, sodass sehr kurzfristig entschieden wird, welche Wiese, wann gemäht wird.

„Es ist natürlich in unserem Interesse, die Tiere zu retten. Keiner von uns will Kitze oder Hasen oder auch die eigene Katze absichtlich durch das Mähen verletzen oder töten“, betont BBV-Kreisobmann Hans Hacklinger. Und das nicht nur aus emotionalen Gründen, sondern auch aus ökonomischen. Denn jede Mahd, bei der ein Tier verletzt oder getötet wurde, kann selbstverständlich nicht mehr als Futtermittel verwendet und muss (kostenpflichtig) entsorgt werden. Kommen Wildtiere zu Schaden, muss das sogar offiziell an den örtlichen Jäger gemeldet werden.

Während die Landwirte vor 30 bis 40 Jahren regelmäßig Mähunfälle zu verzeichnen hatten, kämen sie heute weit seltener vor, berichtet Hacklinger. Aber ausschließen konnten die Landwirte das bisher nicht.

Ecker-Schotte hatte, als sich vergangenes Jahr die Idee zu der Kooperation formte, das junge Münchner Start-up-Unternehmen FairFleet, ein Full-Service-Partner für Drohnendienstleistungen, zu den gemeinsamen Gesprächen eingeladen. Die jungen Gründer der Plattform, die 3000 Drohnenpiloten für Einsätze in allen möglichen gewerblichen Bereichen vermittelt, haben den Landwirten genau zugehört und auf deren Belange zugeschnittene Lösungen entwickelt. Zur Kitz-Rettung aus der Luft kommt in den frühen Morgenstunden des Mahd-Tages ein Drohnenpilot aus der Region. Mit einer Drohne, die mit einer hoch auflösenden Thermalkamera ausgestattet ist, fliegt er Wiese oder Feld in einer Höhe von etwa 50 Metern in engen Schleifen ab. Die Kamera-Drohne übermittelt Bilder der im Gras versteckten Tiere als gelbe Punkte auf einen Monitor.

„Ist ein Rehkitz oder anderes Tier ausgemacht, bleibt die Drohne darüber stehen, und der Landwirt kann sofort in das Feld oder die Wiese reingehen und das Tier bergen“, berichtet Alexander Engelfried von FairFleet München. „Die Landwirte wissen genau, wie das geht“, ergänzt Ecker-Schotte. Sie müssen dazu Gras ausreißen und das Reh-Kitz auf einem Grasbett ohne Direktkontakt, der den menschlichen Geruch auf das Tierkind übertragen könnte, aus dem Feld tragen und am Rand in Sicherheit niederlegen. Dort wird die Reh-Mutter das Kitz finden und wieder in ihre Obhut nehmen.

„Wir sind sehr glücklich über diese Lösung. Es ist eine super Möglichkeit, die Tiere und auch unsere Heuernte zu schützen“, sagt Kreisobmann Hacklinger. Die Kosten für die Einsätze sponsert im ersten Jahr der Kooperation – und zwar für alle Landwirt im Landkreis. Sie belaufen sich je nach Größe der Wiese und des Zeitfensters der Befliegung auf etwa 75 bis 100 Euro – und das auch nur, weil FairFleed nur den Einsatz des Piloten, nicht aber die Miete des 17 000 Euro teuren Equipments berechnet.

Mit dem gemeinschaftlichen Konzept konnte die hohe Skepsis bei den Landwirten, die sich in den vergangenen Jahren durch „wenig sinnhafte Anwendungen“ (Engelfried) einiger Anbieter aufgebaut hätten, abgebaut werden. Der Rottacher BBV-Ortsobmann Martin Strohschneider beispielsweise, bei dem dieser Tage eine der ersten Befliegungen stattfand, war begeistert. „Wenn wir heuer damit gute Erfahrungen machen und sicherstellen, dass nie wieder Tiere beim Mähen zu Schaden kommen“, sagt Hacklinger, „bin ich sicher, dass die Landwirte die Kosten ab dem kommenden Jahr auch selbst gern übernehmen.“

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