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Eine Kolumne von Gerti Reichl.

Kolumne: Wiesseer Explosion und der mediale Konkurrenzkampf

Die Jagd nach der schnellen Zeile

Das schreckliche Unglück in Bad Wiessee erreichte eine hohe überregionale Aufmerksamkeit. Doch wenn es etablierte Medien mit der Wahrheit nicht mehr ganz genau nehmen, weil die Zeile dann schöner aussieht, wird es gefährlich.

Das Explosions-Unglück in Bad Wiessee hat in dieser Woche die Menschen schockiert und für viele Schlagzeilen gesorgt. Wir werden sicherlich noch oft darüber berichten – über die beiden Männer, die schwere Verbrennungen davongetragen haben, über ihren Gesundheitszustand und die Zukunft des Gebäudes. Wir werden nachfragen, wer für den Schaden aufkommt, wer den Wiederaufbau bezahlt. Wir werden versuchen, möglichst nah dran zu sein am Geschehen – das ist unser Job.

Unser Ehrgeiz ist es – da bin ich ganz ehrlich – der Erste zu sein, der Nachrichten auch online stellt und damit in die ganze Welt hinausträgt. Der Druck, die möglichst beste Schlagzeile möglichst als Erster zu haben und die Nachricht am besten zu „verkaufen“, wird immer größer. Dass es dabei manche Medien nicht immer ganz genau nehmen mit der Wahrheit, stört und beunruhigt mich ganz gewaltig.

Im Fall Bad Wiessee, der einen riesigen Medienrummel verursachte, war es bisweilen krass. Da war im Radio zu hören, dass die Zahl der Verletzten angeblich stündlich steige. Von einem Feuerwehrhaus war zu lesen, das abgebrannt sei. Die Krone setzte alldem aber diese Schlagzeile auf: „Wasserwacht fackelt Feuerwehr ab“, war da in bild-haften Lettern zu lesen.

Diese Schlagzeile machte am Tag des Erscheinens am Unglücksort die Runde, und manchem Helfer stockte der Atem. Erstens ist noch nicht bewiesen, was sich wie tatsächlich in der Garage der BRK-Bereitschaft abgespielt hat. Und zweitens steht der Wiesseer Feuerwehrbau fast unbeschadet da. Man hat sich die Geschichte ganz einfach so zurechtformuliert, dass sie besser gelesen wird. Und das ist doch sehr bedenklich.

Bei der Wahrheit zu bleiben, eine Story sauber zu recherchieren, das sollte uns Journalisten doch primär antreiben und nicht die sensationslüsterne Suche nach Schlagzeilen, die zwar gut klingen, aber schlichtweg nicht stimmen.

gr

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