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Voller Einsatz im letzten Rennen: Marcus Grausam holt in Rumänien noch einmal Platz zwölf

Marcus Grausam seine Karriere beendet

Abschied einer Legende

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27 Jahre war er der Inbegriff des deutschen Naturbahnrodelns. Nun hat Marcus Grausam seine Karriere beendet. Still und leise, wie es seine Art ist. Wie es ihm jetzt damit geht:

Kreuth – Marcus Grausam ist kein Mann großer Worte. Und so hat er um seinen Abschied vom Rodelsport kein großes Aufhebens gemacht. „Ich habe mein Karriereende erst am letzten Wettkampftag bekannt gegeben“, erzählt der 37-jährige Naturbahnrodler aus Kreuth. Dabei hat hier einer seine Laufbahn beendet, der über Jahre hinweg der Inbegriff des deutschen Naturbahnrodelns war. 

Schon die Zahlen sprechen für sich: 27 Jahre, davon 21 im Weltcup, 116 Rennen und unzählige WM- und EM-Teilnahmen. Im rumänischen Vatra Dornei ging Grausam zum letzten Mal an den Start. „Am Anfang war es schon hart“, sagt er. „Vor allem der Abschied von den anderen Rodlern war traurig.“ Kein Wunder, hat er doch mit einigen Startern seit 21 Jahren fast jedes Winter-Wochenende verbracht. „Wir waren am Schluss wie eine große Familie“, erinnert sich der Kreuther. 

Ein bisschen Wehmut ist nicht zu überhören. Dennoch überwiegt mit ein paar Tagen Abstand die Erleichterung. „So eine lange Zeit im Leistungssport fordert viele Opfer.“ Neben der körperlichen Fitness sei vor allem der hohe Zeitaufwand immer belastender für ihn geworden. Gerade für seine beruflichen Aufgaben – Grausam baut und verkauft Rodel für Hobby-Fahrer – braucht er mehr Zeit. „Vor allem vor Weihnachten muss man im Geschäft sein.“ Aber auch über mehr Freizeit freut er sich jetzt. Eine Skitour oder einfach mal am Sonntag ausschlafen, all das war während der vergangenen Jahren undenkbar. 

Dazu kam der Reisestress: Denn Naturbahnrodeln findet vor allem in Österreich und Südtirol statt. Außerdem macht die Serie mittlerweile auch noch in Finnland, USA, Kanada, Russland und eben Rumänien Station. Wenn Grausam heute auf seine lange Karriere zurückschaut, ist er „total zufrieden“. Der Höhepunkt war für ihn „ganz klar der WeltcupSieg 2004 in Liechtenstein“. Der erste und bis heute einzige für einen Deutschen in diesem von Österreichern und Italienern dominierten Sport. 2010 reichte es dann nochmal für Platz zwei. Zudem blibe Grausam von schweren Verletzungen verschont. 

„Mehr als ein Bänderriss ist mir nie passiert.“ Trotzdem geht der Kreuther nun in den sportlichen Ruhestand. Er tut dies ganz entspannt, denn: Der Nachwuchs steht schon in den Startlöchern – und feiert bereits erste Erfolge (siehe Kasten). „Auch das war für mich ein Grund, jetzt den Weg frei zu machen.“ In seiner letzten Saison hat Grausam aber nochmal seine Klasse aufblitzen lassen. Vor allem sein achter Platz beim Parallelwettbewerb auf der Seiser Alm ließ in der Szene aufhorchen. Auch bei seinem eher leisen Abschied in Rumänien stellte Grausam seine Klasse unter Beweis. Obwohl es ihm nicht um’s Ergebnis ging und er die Fahrt genießen wollte, sprang noch einmal ein guter zwölfter Platz heraus – seiner Erfahrung sei Dank. Falls die Sehnsucht nach dem Rodelsport doch irgendwann zu groß wird? „Dann komme ich vielleicht als Trainer oder Betreuer mal wieder an die Bahn“, sagt Grausam schmunzelnd. „Aber erstmal brauche ich eine Pause.“

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