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„Freizeitdruck“ und zu hoher Besucher-Andrang: Betreiber schließen beliebte Alm am Tegernsee

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Von: Gabi Werner

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Siebenhütten in Kreuth
An schönen Ausflugstagen drängen sich zahlreiche Besucher an der historischen Almwirtschaft Siebenhütten. Mit der vorhandenen Infrastruktur, sagen die Betreiber, ist das nicht mehr zu stemmen. © Thomas Plettenberg

Siebenhütten ist aus der Liste der Ausflugsziele am Tegernsee nicht wegzudenken. Doch nun stehen Wanderer vor verschlossenen Türen. Die kleine Alm, heißt es, ist dem Ansturm nicht mehr gewachsen.

Wildbad Kreuth – Seit nunmehr zwölf Jahren betreiben die Familien Bogner, Sanktjohanser-Lamm sowie Nagel mit ihrer Tegernseer Gastro GmbH das herzogliche Kleinod unterhalb der Blauberge. Ganze Horden an Ausflüglern strömen an schönen Wochenenden zu dem Idyll hinter Wildbad Kreuth – selbst mit Kinderwagen oder Gehhilfe ist Siebenhütten gut zu erreichen. Der Besucher-Andrang, der sich in den vergangenen Jahren offenbar vervielfacht hat, bringt die Pächter jetzt aber an ihre Grenzen. „Im Endeffekt ist uns das durch Corona so richtig bewusst geworden“, sagt Josef Wolfgang Bogner, der mit seiner Familie auch den bekannten – und ebenfalls geschichtsreichen – Voitlhof zum Zotzn in Rottach-Egern bewirtschaftet.

Siebenhütten: Infrastruktur seit 100 Jahren nicht verändert

Die kleine Alm mit ihren überschaubaren Arbeitsbereichen und Lagermöglichkeiten lasse einen Betrieb, wie ihn der steigende Freizeitdruck verlange, nicht mehr zu, erläutert Bogner. Die Infrastruktur sei seit 100 Jahren die gleiche geblieben. „Als Betreiberfirma können wir auch gegenüber unseren Mitarbeitern den Ist-Zustand nicht mehr als ordentlichen und sicheren Arbeitsplatz verantworten.“ Die Folge bekommen die Ausflügler seit Beginn dieser Wandersaison zu spüren: Die Bogners haben ihr Siebenhütten heuer nicht mehr aufgesperrt.

Denkmalbehörde will keine Veränderungen am Gebäude

Dabei gab es bereits Ideen, wie man die historische Alm auf einen zeitgemäßen Stand bringen könnte. Die Pächter schlugen eine zusätzliche Unterkellerung des Gebäudes vor, um mehr Platz fürs gastronomische Angebot zu schaffen – doch das Vorhaben scheiterte an den Behörden. Die unter Denkmalschutz stehende Hütte dürfe nicht in dem Maße angetastet werden, dass sich daraus eine Lösung ergeben könnte, berichtet Bogner. Und auch das Landratsamt bestätigt: Aus Sicht der Unteren Denkmalschutzbehörde gestalte sich eine den Anforderungen der Gastronomie genügende Umgestaltung der Alm „als praktisch unmöglich“.

Neubau geplant: Rekonstruierte Almhütte soll Platzproblem lösen

Ist das also das Ende von Siebenhütten? Der Pächter verneint. Gemeinsam mit der herzoglichen Wildbad Kreuth Familiengesellschaft als Eigentümerin, der Gemeinde Kreuth, dem Kreisbaumeister als obersten Denkmalschützer im Landkreis und anderen zuständigen Behörden wird nun an einer anderen – weitaus größeren – Lösung für das begehrte Ausflugsziel getüftelt: Angedacht ist die Errichtung eines historisch nachempfundenen Neubaus auf einer Fläche nahe dem jetzigen Biergarten, wo laut Bogner schon vor über 150 Jahren eine Almhütte stand, die zum Siebenhütten-Ensemble gehörte.

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Neubau im Naturidyll: Ein sensibles Thema am Tegernsee

Das Landratsamt Miesbach bestätigt auf Nachfrage, dass diese Alternative auch im Sinne der Unteren Denkmalschutzbehörde wäre. Mehr noch: Die Behörde habe „die Neuerrichtung einer denkmalfachlich adäquat rekonstruierten Almhütte, die optisch einer der vier nicht mehr bestehenden Hütten gleicht“, sogar selbst vorgeschlagen, erklärt eine Sprecherin des Landratsamtes.

Josef Wolfgang Bogner
Josef Wolfgang Bogner, Wirt von Siebenhütten © Thomas Plettenberg

Neubau im Naturidyll: Dass dies ein höchst sensibler Punkt ist, der am Tegernsee gerade in jüngster Zeit immer wieder die Gemüter bewegt, scheint den Beteiligten bewusst zu sein. „Wir sind aber definitiv die Letzten, die etwas in eine Event-Location verwandeln wollen – wir möchten das Ganze nur auf zeitgemäße Füße stellen“, versichert Josef Wolfgang Bogner. Auch dürfe man Siebenhütten nicht mit einer abgelegenen Almwirtschaft wie etwa der ebenfalls in Wildbad Kreuth gelegenen Königsalm vergleichen. Siebenhütten sei gut erschlossen und als leicht erreichbares Ausflugsziel, das vom Bergsteigerdorf Kreuth beworben wird, längst etabliert.

Pächter auf der Suche nach alten Fotografien von Siebenhütten

Ein Ortstermin zur Zukunft von Siebenhütten hat bereits stattgefunden. Jeder weitere Schritt, so beteuert Bogner, erfolge nun in enger Absprache mit den Behörden. Zunächst ist der Pächter darum bemüht, alte Fotografien beizubringen, die den Zustand des früheren Alm-Ensembles dokumentieren. Sie könnten als Grundlage für einen möglichen Neubau dienen.

Brotzeitstand bei Siebenhütten soll als Übergangslösung dienen

Bis der kommt, dürfte noch einige Zeit ins Land ziehen. Bis dahin sollen die Wanderer, die es zu dem Alm-Idyll unterhalb der Blauberge zieht, aber nicht sich selbst überlassen sein. Die Bogners wollen dort vorübergehend einen Brotzeitstand errichten, an dem es zumindest Getränke, Kaffee, trockene Kuchen und kleine Brotzeiten auf die Hand zu kaufen gibt. „Die Besucher hätten damit auch in dieser Saison eine Anlaufstelle“, sagt der Wirt.

Bürgermeister: Areal muss „sehr behutsam“ entwickelt werden

Eine Übergangslösung, an der auch dem Bürgermeister sehr gelegen wäre. „Es ist uns wichtig, dass die Leute dort weiterhin etwas zu essen und zu trinken bekommen“, sagt Josef Bierschneider. Bei einer langfristigen Lösung für Siebenhütten, so versichert er, „wird sich die Gemeinde konstruktiv einbringen“. Bierschneider betont, wie bedeutend Siebenhütten als Naherholungsziel sowohl für Einheimische als auch für Gäste sei. Er sagt aber auch: Die Entwicklung des Areals müsse „sehr behutsam“ erfolgen. Keinesfalls dürfe ein Neubau als „Störfaktor“ wirken. Siebenhütten: „Das ist ein ganz besonderes Fleckerl.“ gab

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