Christine Göttfried Behindertenbeauftragte
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Christine Göttfried Behindertenbeauftragte

„Ich werde niemals aufgeben“

Behindertenbeauftragte Christine Göttfried (48) sorgt sich in der Corona-Krise um das Thema Inklusion

  • Gabi Werner
    vonGabi Werner
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Die Kreuther Seniorenbeauftragte Christine Göttfried spricht über die derzeitige Lage für Menschen mit Handicap, aber auch über ihre ganz persönliche Situation.

Kreuth – Christine Göttfried (48) ringt mit ihren Emotionen. Die Corona-Krise macht der langjährigen Behinderten- und Seniorenbeauftragten der Gemeinde Kreuth schwer zu schaffen – und sie bereitet ihr Sorgen: Denn das Thema Inklusion, eine Herzensangelegenheit der engagierten Kreutherin, gerät in Zeiten der Krise vermehrt in den Hintergrund. Wir haben mit Göttfried, die selbst mit einer Tetraspastik zur Welt kam und Zeit ihres Lebens im Rollstuhl sitzt, über die derzeitige Lage für Menschen mit Handicap gesprochen, aber auch über ihre ganz persönliche Situation.

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Christine Göttfried (48) sorgt sich in der Corona-Krise um das Thema Inklusion

Frau Göttfried, das Coronavirus beherrscht derzeit die Lage – für Themen wie Behindertenarbeit und Inklusion bleibt da oft wenig Raum. Wie beurteilen Sie diese Entwicklung?

Leider muss ich Ihnen zustimmen. Das Thema Inklusion gerät angesichts der Corona-Krise immer stärker in den Hintergrund. Je länger die Krise anhält, desto problematischer wird die Situation am Ende sein. Umso wichtiger ist es, Gesicht zu zeigen für die Inklusion und zusammen zu halten. Ohne Miteinander und Füreinander kann Inklusion nicht funktionieren. Deshalb kämpfe ich auch in diesen schwierigen Zeiten gemeinsam mit meinen Freunden einen unsichtbaren – und emotional harten – Kampf für Inklusion.

Inwiefern leiden Menschen mit Handicap besonders unter der Krise?

Gerade bei Menschen mit Behinderung und bei Senioren ist das Sozialleben mit zwischenmenschlichen Kontakten sehr wichtig. Das fehlt momentan. Hinzu kommt, dass die Mobilität dieser Menschen stark eingeschränkt wurde und die Betroffenen sich gleichzeitig vor einer Infektion besonders schützen müssen. Das ist eine große Herausforderung und natürlich auch eine psychische Belastung.

Wie gestalten Sie als Behinderten- und Seniorenbeauftragte der Gemeinde Kreuth derzeit Ihre Arbeit?

Ich schreibe aus meinem Homeoffice heraus viele E-Mails und setze Postings in den Sozialen Medien ab. Seit Anfang der Krise arbeite ich noch stärker mit digitalen Medien. Da meine eigene Mobilität eingeschränkt ist, bin ich zunehmend beratend für die Gemeinde tätig.

Sie haben 2017 den Göttfried Inklusions Skicup mit ins Leben gerufen. Ein Vorzeigeprojekt in Sachen Inklusion. Wegen Corona wird er heuer wohl nicht stattfinden können, oder?

Der Göttfried-Cup ist ein fester Bestandteil im Veranstaltungskalender des Tegernseer Tals und zugleich ein klares Statement für die Inklusion. Die Veranstaltung konnte schon viel bewirken: Viele bekommen dadurch eine neue Sichtweise zu Menschen mit Behinderung, und wir konnten einige Freundschaften schließen. Als Initiatorin und Gründerin habe ich große Verantwortung für die Teilnehmer des Skicups und für alle, die mich dabei unterstützen. Aufgrund der aktuellen Lage haben wir uns deshalb dazu entschlossen, den fünften Inklusions Skicup aufs Jahr 2022 zu verschieben. Ich freue mich jetzt schon auf nächstes Jahr.

Welchen Einfluss hat die Corona-Krise auf Sie persönlich?

Von einem auf den anderen Tag war nichts mehr wie früher – damit musste ich erst einmal klar kommen. Mir war von Anfang an bewusst, dass dies eine gewaltige Herausforderung und mich psychisch sehr belasten wird. Trotzdem werde ich niemals aufgeben. Es ist mir eine Herzensangelegenheit, eine Welt zu schaffen, in der Menschen mit und ohne Behinderung im Gleichklang glücklich leben können. Obwohl diese schwierige Zeit uns allen allerhand abverlangt, müssen wir uns unbedingt weiter um Inklusion kümmern.

In der Reihe

„Wie geht’s...?“ fragen wir bei Persönlichkeiten im Landkreis nach, wie sie die ungewöhnlichen Corona-Zeiten erleben.

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