Verfechter des Bergsteigerbusses: (v.r.) Bürgermeister Josef Bierschneider und der stellvertretende RVO-Niederlassungsleiter Peter Bartl, hier beim Start des Projekts im Sommer 2018.
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Verfechter des Bergsteigerbusses: (v.r.) Bürgermeister Josef Bierschneider und der stellvertretende RVO-Niederlassungsleiter Peter Bartl, hier beim Start des Projekts im Sommer 2018.

Öffentlicher Nahverkehr

Bergsteigerbus gestrichen: Beliebtes Angebot kam Kreuth zu teuer

  • Alexandra Korimorth
    vonAlexandra Korimorth
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Kreuth verabschiedet sich vom Bergsteigerbus. Neben Bürgermeister Josef Bierschneider (CSU) wollten nur drei Gemeinderäte das Angebot in einer abgespeckten Version beizubehalten.

Kreuth – Nur vier Stimmen für den Bergsteigerbus. Das war das traurige, aber (seit vergangenem Oktober) viel diskutierte Ende einer Service-Einrichtung, die die Gemeinde Kreuth im Rahmen ihres Bergsteigerdorf-Konzepts drei Jahre lang betrieben und buchstäblich teuer bezahlt hatte. Die Kosten von rund 70 000 Euro pro Jahr im Verhältnis zum Nutzen waren es, die den Bergsteigerbus in der jüngsten Gemeinderatssitzung letztlich durchfallen ließen.

Bus gut angenommen aber zu teuer

Zur Erinnerung: Zwar hatten das Landratsamt 10 000 Euro und die österreichische Gemeinde Achenkirch ebenfalls einen Betrag im vierstelligen Bereich zugeschossen, aber der Kreuther Gemeinderat hatte ausgerechnet, dass jede Personenbeförderung die Gemeinde etwa 6,50 Euro kostet. Vor allem aber monierten die Räte, dass der Kreuther Bergsteigerbus weniger von bergsteigenden Gästen aus den Kreuther Ortsteilen als vielmehr von Ausflüglern vom Tegernseer Bahnhof kommend und vor allem von Fahrgästen auf Tiroler Seite genutzt werde. Die Regionalverkehr Oberbayern GmbH (RVO) als Anbieterin lobte indes den Service. „Die Fahrten werden gut angenommen. Der Bergsteigerbus, wie er im Arbeitskreis Bergsteigerdorf erarbeitet wurde, ist ein gutes Angebot“, hatte der stellvertretende RVO-Niederlassungsleiter Peter Bartl im Rahmen der November-Sitzung des Gemeinderats gesagt (wir berichteten). „Er stellt nicht nur den Anschluss nach Tirol her, sondern schließt auch eine Lücke im RVO-Fahrplan.“

Talgemeinden investieren rund 300 000 Euro in Bus, Gästekarte und Seniorentickets

Genau dieses Argument war für das Gros der Gemeinderäte aber das K. O.-Argument, da der Öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) bekanntlich Aufgabe des Landkreises und nicht der Kommunen ist. Deutliche Worte fand Markus Wrba (FWG). Er hielt das gesamte ÖPNV-System nicht mehr für zeitgemäß und nannte die RVO einen „Monopolisten, der nix tut für sein Geld“. Mit den geschätzt 300 000 Euro, die die Talgemeinden in Summe in Bergsteigerbus, Gästekarte und Seniorentickets investieren, könne man viel mehr erreichen.

Alternative System im Fokus

In den vergangenen Monaten hatte der Gemeinderat händeringend nach Lösungen für ein sogenanntes On-Demand-System gesucht, das Kreuth besser an den Ringverkehr anbinden und die Kreuther Ortsteile und seine Bergsteiger auf Zuruf verbinden sollte. In der Sitzung am Donnerstag war es aus dem Landratsamt der Fachbereichsleiter Verkehr und Mobilität, Peter Schiffmann, der unter anderem zu diesem Thema Stellung bezog. Er lobte das Anruf-Sammel-Taxi (AST) als innovatives System, bei dem man es nur versäumt habe, es weiterzuführen. Schiffmann hatte außerdem im Auftrag des Gemeinderats verschiedene On-Demand-Systeme – wie das „Omobi“ in Murnau, den App-basierten „Isar Tiger“, das Rufbus-Taxi in Fürstenfeldbruck und das „BAXI“ in Tirschenreuth – geprüft und vor allem „BAXI“ als förderfähiges Konzept als gut und „cool“ bewertet. „Das ,Omobi‘-System würde zu teuer kommen“, stellte der Fachbereitsleiter klar.

Beitritt zum MVV 2022 geplant

Weil Schiffmann aber in Aussicht stellte, dass 2022 durch den Beitritt des gesamten Landkreises Miesbach zum Münchner Tarif- und Verkehrsverbund (MVV) auch ein Rufbus-Taxi-System vorgehalten werde und weil Sebastian Marschall (FWG) die aktuelle Haushaltslage ins Feld führte, sprach sich die Mehrheit des Gremiums gegen die Weiterführung des Bergsteigerbusses aus. Da spielte es auch keine Rolle mehr, dass dieser künftig kostenpflichtig für die Passagiere gewesen wäre. Bürgermeister Bierschneider bedauerte die Entscheidung. Er hätte es gerne gesehen, wenn es 2021 keine Unterbrechung dieses Bergsteigerdorf-Services gegeben hätte.

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