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Beliebte Anbindung: Der Bergsteigerbus in Kreuth wird bei Wanderern immer populärer. Manche Gemeinderäte kritisierten aber die verhältnismäßig hohen Kosten.

Gemeinderat stimmt zu 

Bergsteigerbus in Kreuth: Verlängerung mit Zähneknirschen

  • Alexandra Korimorth
    vonAlexandra Korimorth
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70.000 Euro zahlt die Gemeinde Kreuth jährlich für den Bergsteigerbus. Lohnt sich das? Im Gemeinderat gab es eine längere Diskussion. 

Kreuth – Immer wieder ist der Öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) Thema im Kreuther Gemeinderat, und immer wieder stehen die Regionalverkehr Oberbayern (RVO) GmbH und ihr Angebot im Kreuzfeuer. Diesmal entzündete sich die Diskussion am Bergsteigerbus – und es hagelte Kritik für das Verkehrsunternehmen.

Seit zwei Jahren bietet die Gemeinde Kreuth im Zuge der Auszeichnung zum Bergsteigerdorf schon den Service des Bergsteigerbusses an. Das Angebot, das die Ausgangs- und Zielpunkte der Wanderrouten untereinander und an den öffentlichen Verkehr anbindet, richtet sich vor allem an die Gäste – aber nicht nur. Auch für Einheimische verdichtet sich so der Takt der Anbindung über Wildbad Kreuth in Richtung Glashütte, Klamm und Stuben.

Bergsteigerbus in Kreuth: 70.000 Euro jährlich

Rund 70 000 Euro kostet die Gemeinde dieser Service jährlich. 2019 hat das Landratsamt einen Betrag von 10 000 Euro und die Nachbargemeinde Achenkirch einen vierstelligen Betrag als Entlastung für Kreuth in Aussicht gestellt. Nun, da der RVO gerade die Fahrpläne für kommendes Jahr erstellt, sollte der Gemeinderat aber entscheiden, ob das Bergsteigerbus-Angebot 2020 fortgesetzt werden soll.

„Die Nutzung konnte deutlich gesteigert werden“, erklärte Bürgermeister Josef Bierschneider (CSU) mit Blick auf die Auswertung. Während 2018 im August rund 1100 und im September 1400 Fahrgäste den Bus nutzten, waren es heuer im August über 1900 und im September über 3000 Passagiere. In 2018 war er von Juli bis Oktober im Einsatz, 2019 von Mai bis Oktober. Bierschneider plädierte nicht nur wegen der gestiegenen Akzeptanz für eine Verlängerung der sogenannten Pilotphase um ein weiteres Jahr. Er berichtete auch von der jüngsten Bürgerwerkstatt Mobilität, bei der die Kreuther deutlich eine Verbesserung des Busverkehrs im Kreuther Tal und den Ausbau des öffentlichen Angebots wünschten.

„Der Bergsteigerbus wird angenommen“

Evi Baumgartner (SPD) war dafür: „Der Bergsteigerbus wird angenommen. Und außerdem bringen wir damit das ein oder andere Auto von der Straße.“ Elisabeth Hartwig (CSU) war nicht ganz so überzeugt. Die Stärkung des ÖPNV sei Aufgabe des Landkreises. Weil der Bergsteigerbus aber ein wichtiges Element des Bergsteigerdorfs sei, werde sie jetzt noch einmal für die Verlängerung stimmen. Aber: „Ich werde hartnäckig bleiben, bis der ÖPNV enger getaktet wird“, sagte Hartwig. Markus Wrba (FWG) war zwiegespalten. „Das Kosten- Nutzen-Verhältnis ist schon krass. Für 70 000 Euro konnten wir einen Fahrer für einen vielleicht gesponserten Bus einstellen“, fand er und schlug vor, die Gastgeber bei der Werbung besser einzubeziehen. Außerdem forderte er, dass der RVO sein „Fahrplan-Tohuwabohu“ ordnen und die Taktung erhöhen solle. Insbesondere an schönen Herbsttagen, wenn die Wanderparkplätze komplett überlastet seien. „Der RVO muss flexibler werden“, schloss sich Christian Bock (CSU) der Forderung an. Kritik für die Fahrpläne gab’s auch von Hartwig: „Der RVO ist ein Monopolist und macht es sich leicht, wenn keine Konkurrenz da ist.“

Weiterfinanzierung für Bergsteigerbus 

Bürgermeister Bierschneider räumte ein, dass der RVO immer noch auf der Basis des Nahverkehrsplans von 1995 arbeite. „Auch deshalb ist es so wichtig, dass dieser jetzt fortgeschrieben und verbessert wird“, sagte der Gemeindechef und bemerkte, dass der RVO im Landkreis Miesbach eigenwirtschaftlich arbeite. In Sachen Verkehrsentlastung warb er für Zwischenschritte und damit für den Bergsteigerbus. So auch Vizebürgermeister Wolfgang Rebensburg (FWG): „Wir finanzieren den Bergsteigerbus so lange, bis ein neuer Nahverkehrsplan in Kraft ist, der den Bus von Weißach bis hinten ins Kreuther Tal verdichtet. Dann können wir darauf verzichten.“ Der Beschluss für die Verlängerung fiel letztlich doch einstimmig.

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