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Hier führt der Biber das Regiment und überflutet alles: Weissach-Ufer.

Bürgermeister: „Können Sicherheit nicht mehr garantieren“

Biber terrorisiert ganze Gemeinde: Gesperrte Wege, überflutete Trachtenhütte

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Wer zählt mehr: der Biber oder der Mensch? An dieser Frage erhitzen sich gerade am Tegernsee die Gemüter. Auslöser ist ein Biber, der einen riesigen Damm gebaut hat - und weiter aufstockt.

Kreuth – Franz Zehendmaier ist eigentlich „stocknarrisch“. 17 Jahre lang war er Chef des Trachtenvereins D’Hirschbergler, den Bau der Trachtenhütte an der Wallbergstraße hatte er mit viel Herzblut zusammen mit den Mitgliedern verwirklicht. Jetzt muss er zusehen, wie Grundwasser in den Keller drückt und inzwischen 1,50 Meter hoch steht. „Früher ist das Wasser immer wieder abgeflossen, jetzt nicht mehr“, sagt Zehendmaier. Schuld, sagt Zehendmaier, sei der Biber. Der baut ganz nah am Eisernen Steg seit über einem Jahr an einem Damm. Und dieser ist inzwischen so hoch, dass nicht mehr genug Wasser abfließen kann und das Grundwasser nach oben drückt – in den Keller der Hirschbergler. „Wenn das so weitergeht, dann hebt’s den ganzen Keller auf“, wettert Zehendmaier, „dann ist die ganze Trachtenhütte hin, und keine Versicherung zahlt.“ An dieses Szenario will er noch garnicht denken, „aber ich reg’ mich nicht zwecks der Gaudi auf.“ Allmählich stelle er sich schon die Frage, wessen Wohl da mehr zählt: das des Vereins mit über 50 aktiven Kindern oder das des Bibers.

Biberbeauftragter will es erst sanft versuchen

Max Wolf steht auf der Seite des Nagers. Der Otterfinger ist Biberbeauftragter des Landkreises Miesbach, sorgt sich um den Lebensraum des geschützten Tieres. „Das Problem der Hirschbergler ist hausgemacht“, wiegelt Wolf ab. Das Wasser könne man abpumpen. Dass die Gemeinde Kreuth jetzt aber einschreiten musste, weil die Sicherheit der Spaziergänger auf dem Weißachdammweg auf dem Spiel steht, kann Wolf durchaus nachvollziehen. „Klar, die Gemeinde muss sich rückversichern“, sagt Wolf, der regelmäßig das Biber-Revier am Eisernen Steg inspiziert. Dass die Gemeinde den Weg jetzt gesperrt hat, ist auch Wolf neu.

Bürgermeister: „Können die Sicherheit der Spaziergänger nicht mehr gewährleisten“

Seit Kurzem ist eine Seite des Weißachdammwegs zwischen dem Eisernen Steg und der Wallbergstraße also gesperrt. „Wir konnten die Sicherheit der Spaziergänger durch umstürzende Bäume nicht mehr gewährleisten“, bestätigt Bürgermeister Josef Bierschneider (CSU). Durch den immer höher werdenden Damm des Bibers überflute das Wasser zunehmend den Spazierweg und die Auen. Immer mehr Bäume seien dort angenagt, die bei Herbststürmen umzustürzen drohen. Inzwischen habe die Gemeinde dem Landratsamt klar gemacht, dass es zu einer Lösung kommen müsse. Bei einem gemeinsamen Ortstermin, an dem die Untere Naturschutzbehörde, der Biberbeauftragte, die Gemeinde und auch der Hirschbergler-Vorstand teilnehmen sollen, will man erörtern, was zu tun ist.

Max Wolf hat schon eine Lösung: Es müssten mehrere, mindestens vier Meter lange Rohre verlegt werden, die dafür sorgen, dass genug Wasser abfließt. Ein Rohr gebe es schon, aber das reiche offenbar nicht aus. Den Biber fangen und an einer anderen Stelle aussetzen, komme für Wolf erst in Frage, wenn sich der Nager weiter in die Weissachauen vorarbeite. Das Gebiet steht unter Beobachtung. Das hatte bereits im Sommer der Naturschutzbeauftragte des Landkreises, Florian Busl, zugesichert. Auch sei das mit den Bauern der Weidegemeinschaft Weißachau so besprochen.

„Führt jetzt der Biber das Regiment?“

Für viele Bewohner in der nahen Umgebung des Eisernen Stegs ist die Grenze des Hinnehmbaren nun erreicht: „Ja wo sind wir denn?“, wundert sich Hans Mayr, der die Weißachauen seit Kindesbeinen an kennt. „Führt jetzt der Biber das Regiment?“ Es sei unmöglich, dass ein Biber Oberhand über Mensch und Tourismus habe und sogar ein Spazierweg gesperrt werden müsse. Mit dieser Maßnahme habe es der Biber geschafft, alle Ämter in die Knie zu zwingen. „Vielleicht spendieren das bayerische Umwelt- und Wirtschaftsministerium zum Erhalt des Tourismus ein Feigenblatt in Form eines Hochstegs nach Tegernseer Muster“, sagt Mayr ironisch.

Biber-Beauftrager: Vielleicht neue Attraktion?

Biber-Versteher Max Wolf hat einen anderen Vorschlag: Die Gemeinde Kreuth könne doch den Biber als Attraktion fürs Tegernseer Tal vermarkten.

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