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Constantin Hantschel sammelt die Samstags-Kolumne in der Tegernseer Zeitung.

Constantin Hantschel aus Kreuth ist mehr als ein treuer Leser

Der „Seegeist“-Sammler

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Seit 1985 sammelt Constantin Hantschel die Samstags-Kolumne in der Tegernseer Zeitung. Die Wortgefechte von „Seegeist“, „Redakteur“ sowie des aktuellen „Überführers“ haben ihn stets begeistert. 

Kreuth– Constantin Hantschel ist groß geworden mit der Tegernseer Zeitung. „Sie lag schon bei meinen Eltern täglich auf dem Tisch“, erzählt der heute 62-Jährige, der seine Kindheit überhaupt mit schönen Erinnerungen verbindet. Seine Eltern – Viktoria Lindpaintner und Rudolf Hantschel, einst Vize-Bürgermeister in Tegernsee und lange Jahr Stadtrat – betrieben bis in die 1970er-Jahre hinein eine Gärtnerei an der Schwaighofstraße südlich der Leebergkuppe. „Es war eine schöne Zeit“, sagt Hantschel, „wir spielten am Leeberg, dort, wo heute große Häuser stehen.“ Die Tageszeitung gehörte immer zu seinem Leben. Auch, als er nach dem Tod seines Vaters 1985 wieder in das Elternhaus in Tegernsee zog. 

Jeden Morgen liest er die Zeitung

Für ihn war es selbstverständlich, dass auch er die Tegernseer Zeitung abonnierte, um morgens beim Frühstück den Heimat- und Sportteil zu überfliegen und sich abends, nach der Arbeit, erneut darin zu vertiefen. Was Hantschel aber am meisten begeisterte, war die samstägliche „Seegeist“-Kolumne. Ab 1983 tauschte der Autor Michael Heim als „Seegeist“ darin mit dem „Redakteur“ seine Gedanken aus. Nach dem Tod des „Redakteurs“ im Dezember 2003 setzte Heim den Briefwechsel ab 2005 mit dem „Überführer“ fort. Ende 2015 verstarb Michael Heim im Alter von 79 Jahren. Seitdem macht sich der „Überführer“ alleine alle 14 Tage seine Gedanken.

Die verstorbenen Autoren Michael Heim (l.) und Hans Sollacher (r.).

 „Ich war schon immer ganz neugierig, was wohl samstags wieder dran sein würde“, erinnert sich Hantschel. Er war so begeistert, dass er 1985 damit begann, die Seite mit dem „Seegeist“ aus der Zeitung herauszutrennen und in einer Kiste zu sammeln. Als die Ehe des Tegernseers geschieden wurde, kam die Kiste allerdings abhanden – und Hantschel musste von Neuem mit dem Sammeln beginnen. An seinem neuen Wohnort in Kreuth trennte er ab 1993 wieder jeden Samstag den „Seegeist“ vom restlichen Lesestoff und packte ihn wieder in eine Kiste.

Da liegen sie nun – „vermutlich über 1000 Seiten“, schätzt Hantschel. Wenn er in die Kiste greift und ein Blatt herausfischt, taucht er wieder ein in fast 25 Jahre Tal-Geschichte, ihre Skandälchen und Skandale. „Sauba, sog i, des gfoit mir“, habe er sich bei der Art und Weise gedacht, wie etwa die Kreidl-Affäre aufgearbeitet wurde. Dass der Stegbau in Tegernsee ein brennendes Thema war, habe ihn ebenso begeistert, wie der Streit um Kaltenbrunn oder die Frechheiten des Grundbesitzers Haslberger in Bad Wiessee. Dass auch die Bebauung des Leebergs oft thematisiert wurde, sei für ihn, der hier seine Kindheit verbracht hat, besonders gelungen gewesen. Ob der Hang tatsächlich mal ins Rutschen kommt? Das frage er sich oft, wenn er den Berg hinauf Richtung Haus von Manuel Neuer und auf die Berichte dazu in der Zeitung blicke.

„Ich bin überzeugt davon, dass auch die kritische Betrachtung im ’Seegeist’ dazu geführt hat, dass bei dem ein oder anderen Thema eine vernünftige Lösung gefunden wurde“, sagt Hantschel. Er hält es weiter für wichtig, den Zeigefinger zu erheben und klar zu machen, dass es hier am Tegernsee nicht nur um geschäftliche Interessen gehen kann.

Eine Ausgabe von 1953

Nicht nur unzählige Themen hat er immer mitverfolgt, auch über den optischen Wandel der Zeitung ist der 62-Jährige immer im Bilde gewesen. Eine Zeitung vom 31. Januar 1953 für damals 25 Pfennig hat er deshalb in seine Kiste gepackt. „Die hab’ ich in meinem neuen Haus in Kreuth gefunden“, berichtet er stolz. Eine Seegeist-Kolumne war damals freilich noch nicht darin.

Seit Kurzem ist der langjährige Mitarbeiter des E-Werks zwar im Vorruhestand, ein Ingenieurbüro für Elektrotechnik und Solarenergie betreibt er aber weiterhin. Weil er nun hofft, ein wenig mehr Zeit zu haben, will er Ordnung in die Seegeist-Kiste bringen. „Vielleich schaff’ ich es sogar, ein kleines Bücherl zusammenzustellen“, sagt Hantschel. „Eine Chronologie der humorvollen Art“, die nichts zu tun habe mit „Clownerei und Comedie“.

Und dann erfährt Hantschel, der stets gut informierte, treue Leser, doch noch von einem offenen Geheimnis, das ihm wohl entgangen sein muss bei seiner jahrzehntelangen Lektüre: Nämlich, dass der Rottacher Hans Sollacher bis zu dessen Tod 2003 „Der Redakteur“ und das Pendant zu Michael Heim war. „Wirklich?“, frägt Hantschel. „Ich habe es lange vermutet. Gut, dass ich es jetzt weiß.“

gr

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