Die Tegernseer Hütte bewirtschaftet Michael Ludwig schon seit vielen Jahren. Nach dem gerade abgeschlossenen Umbau sind wieder Übernachtungen möglich. Wegen Corona dürfen nur wenige Plätze belegt werden.
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Die Tegernseer Hütte bewirtschaftet Michael Ludwig schon seit vielen Jahren. Nach dem gerade abgeschlossenen Umbau sind wieder Übernachtungen möglich. Wegen Corona dürfen nur wenige Plätze belegt werden.

Regelungen „sehr unübersichtlich“

Unter strengen Corona-Auflagen: Tegernseer Hütte öffnet an Fronleichnam - Herausforderung bei Übernachtungen

  • Christina Jachert-Maier
    vonChristina Jachert-Maier
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Die Tegernseer Hütte öffnet wieder: Ab Fronleichnam nimmt Hüttenwirt Michael Ludwig den Betrieb auf. Nach dem Umbau sind auch wieder Übernachtungen möglich - eigentlich.

Kreuth – Eigentlich hätte Michael Ludwig, Wirt der Tegernseer Hütte, schon am Samstag wieder auf seiner Terrasse Brotzeiten auftischen dürfen. Doch das behördliche Okay kam zu kurzfristig, um die Hütte am schmalen Grat zwischen Roß- und Buchstein auf 1650 Metern Höhe aus dem verlängerten Winterschlaf zu holen.

Corona im Landkreis Miesbach: Tegernseer Hütte öffnet an Fronleichnam - mit Einbahnregelung

„So schnell bekomme ich das Personal nicht her“, sagt Ludwig. Die Hütte werde an Fronleichnam öffnen. Wie der Betrieb den Corona-Vorgaben entsprechend geführt werden kann, haben der langjährige Hüttenwirt und sein Team schon im vergangenen Jahr erprobt. „Das hat eigentlich gut funktioniert“, meint Ludwig. Auch wenn es nicht leicht war, auf dem engen Raum noch Einbahnregelungen zu schaffen.

Insgesamt, meint der Wirt, war 2020 ein guter Bergsommer. Obwohl es Kraft gekostet hat, die Coronavorgaben durchzusetzen. „Die Leute meinen, der Berg wäre ein rechts- und virenfreier Raum“, seufzt Ludwig. Erst vor zwei Wochen, als er wegen diverser Arbeiten auf der Hütte war, hätten Scharen von Wanderern den Grat und die Terrasse der geschlossenen Hütte bevölkert, dicht an dicht. „Und keiner hatte eine Maske auf.“

Corona in Tegernsee: Hüttenwirt nimmt Betrieb auf - Schwierigkeiten bei Übernachtungen

Anders als 2020 sind heuer wieder Übernachtungen auf der Hütte möglich. Die Umbauten für mehr Brandschutz sind bis auf kleine Restarbeiten abgeschlossen. Wie berichtet, musste der Alpenverein Tegernsee als Hüttenbetreiber die Schlaflager Ende 2019 aus Sicherheitsgründen schließen. Die Bauarbeiten waren wegen der Lage der Hütte – auch „Adlerhorst“ genannt – schwierig und teuer. 314 000 Euro hat der Feuerschutz verschlungen.

Zudem hat der Umbau Kapazitäten gekostet. Waren zuvor 40 Schlafplätze zu vergeben, sind es nun nur noch 23. Es handelt sich um zwei Bettenlager mit zehn und elf Plätzen sowie um eine Kammer mit zwei Plätzen. Tatsächlich vergeben kann der Alpenverein wegen der Pandemie allerdings weit weniger. „Die Crux ist, dass wir keine Gästegruppen mischen dürfen“, erklärt Rainer Toepel, Vorsitzender des Alpenvereins. Buchen Singles oder kleine Familien Übernachtungen, ist die Kapazität schnell erschöpft. „Dann ist die Hütte mit vier Gästen ausgebucht.“

Aktuell seien die Regelungen zu den Kontaktbeschränkungen auch „sehr unübersichtlich“, was eine Planung unmöglich mache, meint Toepel. Anfragen für Übernachtungen – die reichlich vorliegen – konnte Hüttenwirt Ludwig darum bisher nicht annehmen. Mit der Wiederaufnahme des Betriebs ist dies wieder möglich. Allerdings nur kurzfristig: Wegen der von der Inzidenz abhängigen Vorgaben werden Reservierungen derzeit nur eine Woche im Voraus vergeben.

Nach langer Corona-Pause: Tegernseer Hütte öffnet - wirtschaftliches Desaster für Alpenverein

Für den Alpenverein ist die Lage auch wirtschaftlich ein Desaster. Anders als die Einnahmen aus der Bewirtung fließen die Erträge aus den Übernachtungen fast zu 100 Prozent in die Vereinskasse. „Jetzt haben wir 300 000 Euro ausgegeben und bekommen keine Einnahmen“, erklärt Toepel. „Das ist suboptimal.“ Staatliche Hilfe als Ausgleich gebe es nicht.

Der Verein hoffe, mit sinkender Inzidenz bald mehr Gäste aufnehmen zu dürfen. Und zwar, ohne Trennwände in den Lagern einziehen zu müssen. Mit einer Plexiglaswand vor der Nase zu schlafen, sei kein Hüttenerlebnis, meint Toepel. Zumal dann die Luft unter der Dachschräge knapp werde. „Wir können die Gäste nicht in einen Pferch stecken.“

Doch auch wenn es schmerzt, ständig Absagen erteilen zu müssen: Hüttenwirt Ludwig wird die Angaben zur Zahl der Haushalte kontrollieren. „Ich bekomme treuherzige Anfragen von zwölfköpfigen Gruppen“, berichtet er. Er müsse nachprüfen, um wie viele Haushalte es sich tatsächlich handle. „Und ich will das auch“, sagt er. „Ich will, dass diese Pandemie mal vorbei ist und wir wieder in den Normalbetrieb gehen können.“

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