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Was wird aus Wildbad Kreuth nach der Schlüsselübergabe am Donnerstag?

Wer ist der ominöse Investor?

Wildbad Kreuth: Hanns-Seidel-Stiftung übergibt Schlüssel

Kreuth - Mythos am Scheideweg: Am Donnerstag übergibt die Hanns-Seidel-Stiftung der Eigentümerin Helene Herzogin in Bayern die Schlüssel zum Bildungszentrum Wildbad Kreuth. Unterdessen brodelt über die Zukunft des Hauses die Gerüchteküche.

Alles ist raus: Stühle, Tische, Küchenutensilien – selbst das Strauß-Porträt hängt nicht mehr am Empfang. Am Donnerstag um zehn Uhr übergibt die Chefin der Hanns-Seidel-Stiftung, Ursula Männle, Helene Herzogin von Bayern die Schlüssel zum Bildungszentrum. Ausgeräumt und besenrein, nach 40 Jahren. „Wildbad Kreuth war unser Flaggschiff“, sagt Männle. „Wir sind schon traurig.“

Der Abschied war lange angekündigt. Vergangenes Jahr hatten die Wittelsbacher, denen das 200 Jahre alte Gebäude gehört, eine saftige Erhöhung der Pacht nach Auslaufen des Vertrags verlangt – ein Vielfaches. Die Stiftung winkte ab. Die Adelsfamilie will nun einen Investor ins Haus holen. Ein modernes Tagungshotel soll entstehen. Nur wie? Das Haus ist spartanisch eingerichtet – knarzende Gänge und Treppen, kleine Zimmer.

Die Nachfolgesuche gestaltet sich rätselhaft. Die Herzogin sei mit Interessenten im Gespräch, heißt es. Es gebe Verzögerungen, bestätigt ein Sprecher. Man könne ja auch erst ab Donnerstag gründlich zur Bestandsanalyse ins Objekt. Der Plan mit dem Investor sei aber „unverändert“. Wer es sei, werde sie noch nicht verraten, so Besitzerin Herzogin Helen in Bayern. Zunächst werde das Objekt samt technischen Anlagen am Donnerstag übergeben. Dann könne man auch Angaben zum Renovierungsaufwand machen.

In der Kommunalpolitik köchelt dennoch die Gerüchteküche. Kreuths Bürgermeister Josef Bierschneider deutet an, zu wissen, mit wem gesprochen wurde: „Wenn es der wird, den sie mir genannt hat, dann ist es eine gute Lösung.“

Allerdings glaubt nicht jeder an einen raschen Abschluss. Die Wittelsbacher hätten den Mythos-Faktor des Wildbads wohl überschätzt, heißt es. „Das schnelle Geld ist da wohl nicht zu machen.“ Bei den sagenumwitterten CSU-Klausuren kündigte Strauß einst die Zusammenarbeit mit der CDU auf. Jahrzehnte später stürzte Stoiber dort als Ministerpräsident. Tolle Geschichten – von denen sich ein Investor aber erstmal nichts kaufen kann.

Zumindest 2017 werden wohl weder Landtagsfraktion noch Landesgruppe in Kreuth tagen. Die Fraktion dürfte ins oberfränkische Kloster Banz ausweichen, die Landesgruppe sucht noch. Aber hier wie dort hofft man auf die Rückkehr. Der Parlamentarische Geschäftsführer im Bundestag, Max Straubinger, spricht von einem „besonderen Ort“. Das Wildbad sei für die CSU „viel mehr als irgend ein Gebäude“, sagt Fraktionschef Thomas Kreuzer. „Wenn es machbar ist, wollen wir dort gerne wieder tagen.“  

thu/cd/jm

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