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In exponierter Lage auf dem Grad zwischen Roß- und Buchstein liegt die Tegernseer Hütte. Betrieben wird sie seit jeher von der DAV-Sektion Tegernsee. 

Unterhalt fordert viel Einsatz vom Alpenverein

Die Tegernseer Hütte: Ein Adlernest mit riesiger Fangemeinde

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Die Tegernseer Hütte zwischen Roß- und Buchstein ist heiß begehrt: Ganze Heerscharen von Wanderern zieht es dort hinauf. Betrieben wird die Hütte vom Alpenverein. Ihr Unterhalt ist ein echter Kraftakt. 

Tegernsee/Kreuth – „Bergsteigen ist hip“, sagt Michl Ludwig. Und wer könnte das besser beurteilen als der 57-jährige Lenggrieser? Ludwig absolviert heuer seinen 26. Sommer als Wirt auf der Tegernseer Hütte. Das malerische Bergdomizil auf dem Grad zwischen Roß- und Buchstein ist ein heiß begehrtes Ziel der Bergsteiger-Kommune. „Alle Samstage bis Mitte August sind ausgebucht“, erzählt der Hüttenwirt. Wer hier übernachten will, muss schnell sein. Ganze Karawanen schlängeln sich an schönen Wochenenden in Richtung Adlernest, wie die Hütte wegen ihrer exponierten Lage gerne genannt wird. Was viele nicht sehen: Der Betrieb der Hütte ist ein enormer Kraftakt. Für den Wirt auf der einen Seite, für die Alpenvereins-Sektion Tegernsee auf der anderen: Sie hat das 1650 Meter hohe Bergidyll einst erschlossen und betreibt die Hütte bis heute.

Anstiege zur Tegernseer Hütte müssen jedes Jahr gewartet werden

Der harte Winter hat auch – und vor allem – an diesem alpinen Fleckchen seine Spuren hinterlassen. Die Anstiege zur Tegernseer Hütte instand zu setzen, erfordert heuer einen besonderen Aufwand. Schneebruchschäden müssen beseitigt werden. Zuständig dafür ist die DAV-Sektion mit ihrem Wegewart. Viel ehrenamtliche Arbeit und viel Geld steckt der Verein in diese Aufgabe. „Der Klettersteig auf die Hütte muss jedes Jahr gewartet werden“, berichtet Rainer Toepel (58), seit 1. November 2018 Vorsitzender der Sektion. Von Carolin Machl, Leiterin der sektionseigenen Geschäftsstelle in der Rosenstraße, gibt’s dazu sogar eine Zahl: 210 ehrenamtliche Stunden – also nahezu ein Jahresurlaub – wurden im vergangenen Jahr für Wegebaumaßnahmen geleistet.

Als Hüttenwirt kümmert sich Michl Ludwig (l.), hier mit dem Sektions-Vorsitzenden Rainer Toepel, um das Wohl der Gäste. 

Die Winterpause auf der Tegernseer Hütte ist seit dem 11. Mai beendet. Dass der Betrieb läuft und die Gäste täglich mit frischen Speisen und Getränken versorgt werden, ist Sache von Wirt Ludwig und seiner Familie. Mit 700 Übernachtungen pro Saison hat er einst angefangen, heute sind es 2500. Hinzu kommen die zahlreichen Tagesgäste. Zweimal pro Woche, montags und freitags, kauft der Wirt im Tal Lebensmittel ein, die dann von der Buchsteinhütte in Kreuth aus mit der Materialseilbahn nach oben transportiert werden. Da heißt es gut rechnen und vorausschauend planen. Denn Einlagerungsmöglichkeiten gibt es auf der Tegernseer Hütte kaum. „Wir haben ein Gefrierfach mit 30 Litern“, schildert der Wirt. „Und wenn Niederschläge angesagt sind, hagelt es Absagen“, fügt er hinzu.

Auch am Bergfilm-Festival Tegernsee ist der DAV maßgeblich beteiligt. Lesen Sie hier einen Bericht über das Festival 2018.

Die DAV-Sektion greift immer dann ein, wenn an der Hütte mit ihrem 40-Personen-Lager kleinere oder größere Instandhaltungsarbeiten anstehen. Wenn die Scharniere wackeln, die morschen Tische auf der Terrasse erneuert werden müssen oder aber – so wie demnächst – der Brandschutz optimiert werden muss. Das und die Erneuerung der Abwasseranlage hat der Vorsitzende Toepel bereits fest im Blick. „Das braucht aber eine längere Vorlaufzeit“, erklärt er. Jede Baumaßnahme ist schließlich um ein Vielfaches aufwendiger als unten im Tal. Nur zu gut erinnert man sich bei der Tegernseer Sektion daran, als zuletzt groß Hand angelegt wurde am „Adlernest“: 2001 kam die Terrasse auf der Westseite hinzu, 2005/2006 der große Anbau mit Sanitäranlagen und Trockenraum. Die Hütte in ihrer jetzigen Form besteht schon seit 1913.

Lesen Sie hier: Neue Geschäftsstelle: Alpenverein berät in Rosenstraße

Das beschauliche Bergdomizil ist wohl einer der Gründe dafür, warum die Tegernseer Alpenvereins-Sektion – 1883 gegründet – so beliebt ist. Die Zahl der Mitglieder steigt kontinuierlich und ist zuletzt sprunghaft auf 3245 angewachsen. „Tendenz steigend“, wie Geschäftsstellen-Leiterin Machl berichtet. „Wir liegen halt im Ballungsraum München, und die Leute drücken raus aufs Land“, meint Toepel. Hinzu kommen zwei entscheidende Vorteile: Wer Mitglied ist beim DAV zahlt weniger für die Hüttenübernachtung und ist zudem im Falle einer Bergrettung versichert.

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Die eigentliche Motivation für einen Beitritt – nämlich das gemeinsame Erleben der Bergwelt und der sensible Umgang damit – tritt da bisweilen in den Hintergrund. „Viele Leute haben kein Gefühl für die Natur“, meint Ludwig. Und auch Toepel ist es ein Anliegen, als Sektions-Chef wieder vermehrt für naturverträglichen Tourismus zu werben und selbst ein Vorbild in Sachen Umweltschutz zu sein. Anfangen könnten die Bergsteiger schon im Kleinen, findet Hüttenwirt Ludwig und nennt ein ganz aktuelle Beispiel: „Es wäre schön, wenn die Leute trotz Schnee auf den Wegen bleiben und nicht kreuz und quer über die Weiden laufen.“

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