Sogar eine Schaufütterung – wie hier in Lenggries-Vorderriß – könnten sich die Initiatoren für die Fläche in Kreuth-West vorstellen. Allerdings stellt sich der zuständige Jagdvorsteher quer.
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Sogar eine Schaufütterung – wie hier in Lenggries-Vorderriß – könnten sich die Initiatoren für die Fläche in Kreuth-West vorstellen. Allerdings stellt sich der zuständige Jagdvorsteher quer.

Tierschutzverein fordert Futterstelle

Zum Beginn der Schonzeit: Wildfütterung in Kreuth-West gerät wieder in den Fokus

  • Gabi Werner
    vonGabi Werner
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Für das Rotwild beginnt am Montag die jährliche Schonzeit. Damit rückt auch das Thema Winterfütterung – und der Streit um eine solche Futterstelle im Westen der Gemeinde Kreuth – erneut in den Fokus.

  • Für das Rotwild bedeutet der Winter ein Kampf ums Überleben
  • Am Tegernsee gibt es seit Monaten ein zähes Ringen um eine Wildfütterung in Kreuth-West
  • Der Tierschutzverein will den Kampf nicht aufgeben - das Landratsamt bezieht Stellung

Kreuth – Für das Wild bedeutet der Winter ein Kampf ums Überleben. Gerade dann, wenn es Sportler und Erholungssuchende vermehrt hinaus in den Wald und in die Berge zieht. Denn die Menschen – unterwegs zu jeder Tages- und Nachtzeit – schrecken die Tiere auf, die zu dieser Jahreszeit mit ihren Energien haushalten müssen. In ihrem Appell sind sich daher alle Beteiligten – der Bayerische Jagdverband (BJV), Behörden, Natur- und Tierschützer sowie Politiker – einig: Wanderer und Tourengeher sollten Betretungsverbote respektieren, heißt es in Pressemitteilungen, „und sich nicht abseits der Pisten und Routen bewegen“ (BJV).

Ab Montag, 1. Februar, gilt darüber hinaus die jährliche Schonzeit. Heißt laut Landratsamt Miesbach: Das Rotwild darf – Ausnahmen sind so genannte Aufhebungsflächen des Staatlichen Forstbetriebs – nicht mehr gejagt werden. „Wir haben die Jagdverantwortlichen im Hochwildhegering angeschrieben und sie gebeten, ihrer Eigenverantwortung als Revierinhaber nachzukommen“, berichtet Sophie Stadler, Sprecherin des Landratsamtes Miesbach, wo auch die Untere Jagdbehörde angesiedelt ist. Diese Eigenverantwortung umfasse auch „eine artgerechte Fütterung während der Notzeit“.

Jagdvorsteher hält Fütterung an Kreuther Standort für überflüssig

Just um eine solche Winterfütterung gibt es am Tegernsee seit Monaten ein zähes Ringen. Hier kämpft der Tierschutzverein unter Federführung der Vorsitzenden Johanna Ecker-Schotte um die Einrichtung einer Rotwildfütterung im Westen des Bergsteigerdorfs Kreuth und könnte eine solche sogar auf dem Silbertablett servieren: Grundeigentümer Leonhard Rohnbogner wäre bereit, seine Alm in Scharling für eine Futterstelle bereit zu stellen. Doch der Kreuther Jagdvorsteher Werner Winkler, der zuständig wäre für die Umsetzung des Projekts, hält die Fütterung an diesem Standort für überflüssig und stellt sich quer.

Für Ecker-Schotte ein Unding. „Unsere Forderung nach einer Fütterung in Kreuth-West steht nach wie vor“, bekräftigt die Rottacherin auf Nachfrage der Tegernseer Zeitung. Ihr sei es unbegreiflich, warum in dieser Sache nichts vorwärts gehe – „denn die Rechtsgrundlage ist eindeutig“, sagt Ecker-Schotte. Und sie betont: Die Winterfütterung an dieser Stelle sei nicht allein der Wunsch von Tierschützern, wie es gerne „etwas spöttisch“ dargestellt werde, sondern werde auch von Personen angestrebt, „die fachlich versiert sind“.

Landratsamt Miesbach will die Fronten nicht zusätzlich verhärten

Tatsächlich würde Wolfgang Kuhn, Leiter der Hochwild-Hegegemeinschaft und neuer Jagdberater des Landkreises Miesbach, besagten Standort in Kreuth befürworten. Ebenso wie die Untere Jagdbehörde am Landratsamt. Hakt’s also allein am Widerstand aus der örtlichen Jagdgenossenschaft?

Grundsätzlich, so erklärt Sophie Stadler, könnte das Landratsamt die Winterfütterung in Kreuth-West schon durchsetzen. Eine so genannte „Ersatzvornahme“ wäre möglich und werde von der Behörde auch geprüft, berichtet die Sprecherin. „Jedoch sollte das die Ultima Ratio sein“, fügt Stadler hinzu. Denn das Ziel der Unteren Jagdbehörde sei es gerade nicht, in diesem sowieso schon emotional behafteten Thema die Fronten zusätzlich zu verhärten.

Lesen Sie hier: Tierschutzverein Tegernseer Tal: Zornige Weihnachtsgrüße an den Jagdvorsteher

Die Behörde arbeite daher bekanntermaßen an einem Fütterungskonzept, „damit nicht nur eine Fütterung isoliert betrachtet wird, sondern die Region in ihrer Gesamtheit“. Dieses Konzept werde voraussichtlich im Frühjahr fertig gestellt. Verbindlich, so viel erklärt Stadler schon jetzt, sei dieses Konzept für die Jagdverantwortlichen im Landkreis nicht. Aber die Untere Jagdbehörde hoffe, dass die akribische Aufarbeitung des Themas hilfreich für die Bewertung derjenigen Stellen sei, an denen es bisher keine Fütterung gebe.

Abgeordneter schaltet sich ein: „Ohne Nahrung verendet das Wild“

Eingeschaltet in das Thema haben sich zwischenzeitlich auch mehrere Politiker, darunter Florian Streibl, Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler im Bayerischen Landtag. Bei solchen Witterungsverhältnissen seien die zuständigen Jäger gesetzlich angehalten, eine Notfütterung durchzuführen, erklärt der Abgeordnete in einer Pressemitteilung. „Ohne Nahrung verendet das Wild, welches sich zuvor auf die jungen Triebe der Bäume als Nahrungsquelle stürzt.“ Er verurteile daher eine unterlassene Notfütterung der Tiere „aufs Schärfste“.

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