Neue Möglichkeiten für gelebte Inklusion: Mit ihrer Stiftung will Christine Göttfried eine finanzielle Basis schaffen für neue Projekte, die den Weg zu einer gemeinsamen Welt für Behinderte und Nicht-Behinderte ebnen. Bei der Gründung dankte sie (hinten v.l.) Ricco Liske, Martin Mihalovits und Luitpold Grabmeyer.
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Neue Möglichkeiten für gelebte Inklusion: Mit ihrer Stiftung will Christine Göttfried eine finanzielle Basis schaffen für neue Projekte, die den Weg zu einer gemeinsamen Welt für Behinderte und Nicht-Behinderte ebnen. Bei der Gründung dankte sie (hinten v.l.) Ricco Liske, Martin Mihalovits und Luitpold Grabmeyer.

„Ich habe noch Großes vor“

Kreuth: Kämpferin für Inklusion gründet eigene Stiftung

  • Alexandra Korimorth
    vonAlexandra Korimorth
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Christine Göttfried ist eine der bekanntesten Verfechterinnen der Inklusion im Landkreis. Nun hat sich die Behindertenbeauftragte aus Kreuth einen Lebenstraum erfüllt. Sie gründete ihre eigene Stiftung.

  • Seit vielen Jahren engagiert sich die Kreutherin Christine Göttfried für die Inklusion
  • Nun hat die Behindertenbeauftragte eine eigene Stiftung gegründet
  • Obwohl sie auf den Rollstuhl angewiesen ist, geht Göttfried leidenschaftlich gerne Skifahren

Kreuth – Die 47-jährige Göttfried, die selbst mit einer Tetraspastik zur Welt kam und Zeit ihres Lebens im Rollstuhl sitzt, hat Kampfgeist und eine Vision. Ersteres habe sie von ihren Eltern erlernt, die sich Ende der 1970er-Jahre, als „man noch nicht offen über Behinderte“ gesprochen habe, dafür einsetzten, dass ihre Tochter die „normale“ Schule besuchen durfte.

Seither hat die Kreutherin die Vision von einer Welt, die sich nicht unterscheidet in eine Welt mit und ohne Behinderung. „Es gibt nur eine Welt, und in der können Behinderte und Nicht-Behinderte gemeinsam etwas Wunderbares schaffen“, sagt Göttfried fest beim Pressetermin zur Gründung ihrer eigenen Stiftung. „Ich gebe nicht auf. Ich bin eine Kämpferin“, sagt sie und lacht.

In den vergangenen 20 Jahren hat sie als Behinderten- und Seniorenbeauftragte der Gemeinde Kreuth mit großer Leidenschaft Projekte zugunsten des normalen Lebens von Menschen mit Behinderung ins Leben gerufen. 2015 hat sie mithilfe eines Duo-Tempo-Skibobs mit dem Skifahren angefangen.

Dank Skibob kann Göttfried die Freiheit auf der Piste genießen

Im Februar 2017 veranstaltete Göttfried mit Unterstützern und Partnern den 1. Göttfried Inklusions Cup. „Damals habe ich gemerkt, dass ich anderen – Behinderten und Nicht-Behinderten – meine Vision und meine Leidenschaft vermitteln kann.“ So gründete sich 2018 auch der Freundeskreis Inklusion Tegernsee e.V. (F.I.T.), und Göttfried wurde Inklusionsbeauftragte der Skischule Tegernsee – eine der wenigen europaweit, die sich das Behinderten-Skifahren auf die Fahne geschrieben haben. Hier gibt es durch die Bestrebungen von Göttfried und ihren Freunde nicht nur einen Skibob für die Abfahrt, sondern bald auch einen für das Langlaufen zum Ausprobieren und für die Schulung der Fahrer. Anfang 2021 findet der 5. Inklusions Skicup statt.

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„Der Skicup ist mein Baby“, verrät Göttfried, auch wenn sie mittlerweile das Heißluftballonfahren, das SUP-Fahren und das Segeln für sich entdeckt hat. „Durch das Skifahren hat sich für mich die Welt aufgetan, und dieses unbeschreibliche Gefühl von Freiheit und Selbstbestimmtheit will ich weiter vermitteln.“ Außerdem will sie „auch was im Sommer machen und über die Landkreise Miesbach und Bad Tölz hinaus etwas bewegen. Ich habe noch Großes vor“.

Stiftungs-Gründerin will auch andere von ihrer Vision überzeugen

Entsprechend will sie ihren Wirkungsbereich vergrößern und auch anderen, die sich für ihre Vision einer gemeinsamen Welt für Behinderte und Nicht-Behinderte begeistern, die Möglichkeit geben, sich zu engagieren und zu spenden. Deshalb hat Göttfried nun mit einem Stiftungskapital von 10.000 Euro unter dem Dach der Kreissparkasse Miesbach-Tegernsee ihre eigene Stiftung gegründet: die Christine-Göttfried-Stiftung für Inklusion. Sie soll helfen, Menschen zu vereinen und teils auch den Inklusions Skicup sowie F.I.T.-Projekte zu finanzieren.

Erstes Projekt ist schon geplant: ein behindertengerechtes Segelboot

Als erstes Projekt will Göttfried am Tegernsee ein behindertengerechtes Segelboot bereitstellen, das Behinderte selbst und ohne Skipper fahren können und so das Segeln erlernen können. „Ich möchte die Menschen in kleinen Schritten zum Umdenken bringen und habe deshalb selbst diesen für mich sehr großen Schritt getan“, sagte die Kreutherin bei der Unterzeichnung des Gründungsvertrags. Sie dankte der Kreissparkasse Miesbach-Tegernsee, insbesondere ihrem Kundenberater Ricco Liske und Stiftungs-Experte Luitpold Grabmeyer, die die 48-Jährige beim Vertragswerk und den rechtlichen Fragen unterstützten.

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Für Sparkassenchef Martin Mihalovits war es eine Ehre, dass sich Göttfried der mittlerweile acht Einzelstiftungen umfassenden Stiftungsgemeinschaft der Kreissparkasse Miesbach-Tegernsee angeschlossen hat. „Wir fühlen uns Ihnen und Ihren Ideen verbunden“, sagte Stiftungstreuhänder Mihalovits. Er wünschte nicht nur der Stiftung und deren Stifterin alles Gute, sondern versprach auch, für diese zu werben, wenn Kunden mit der Absicht an die Kreissparkasse herantreten, sich sozial und für die Inklusion im Landkreis Miesbach zu engagieren.

ak

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