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Gottseidank ein seltenes Bild im Landkreis Miesbach: Ein mit Glyphosat gespritztes Feld.

Naturkäserei gibt es ihren Kunden schriftlich

Diese Landkreis-Produkte sind garantiert glyphosatfrei

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  • Christina Jachert-Maier
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Gerade wurde Glyphosat von der EU erneut freigegeben. Die meisten Landwirte im Landkreis juckt das wenig. Sie nutzen das Herbizid nicht. Die Naturkäserei legt jetzt eine Erklärung vor.

Landkreis – Für Diskussionsstoff sorgt nach wie vor das Thema Glyphosat. Die EU hat die Zulassung des Unkrautvernichters um weitere fünf Jahre verlängert. Der Landkreis verzichtet hingegen bereits seit März auf den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln auf eigenen Liegenschaften. Und setzt sich mit einem Aktionsplan dafür ein, dass möglichst viele andere Institutionen diesem Beispiel folgen (wir berichteten). Im Kreistag hat Thomas Eichacker, Abteilungsleiter Umwelt am Landratsamt Miesbach, gestern Nachmittag einen Zwischenstandsbericht vorgelegt.

Neben Weyarn, Waakirchen, Gmund und Bad Wiessee hätten nun auch die Gemeinden Kreuth und Warngau schriftlich ihren Verzicht auf Glyphosat erklärt. Zumindest mündlich taten dies im Gremium zudem die Bürgermeister von Holzkirchen und Otterfing. In Fischbachau wird der Gemeinderat am kommenden Montag darüber abstimmen. Auch die Antwort des Staatlichen Bauamts Rosenheim sei positiv ausgefallen, berichtete Eichacker. Die Zentralen der evangelischen und katholischen Kirche hätten darum gebeten, das Thema mit den Vertretern vor Ort zu besprechen.

Weiterhin zum Einsatz kommt das Herbizid im Schienennetz im Landkreis. Sowohl DB Netz wie auch Tegernsee-Bahn hätten erklärt, dass es derzeit keine wirtschaftliche Alternative gebe. Zumindest bei der Tegernsee-Bahn stellte Eichacker aber noch ein Gespräch mit den Anteilseignern Gemeinde Gmund und Stadt Tegernsee in Aussicht. Eher unverbindlich muten die Antwortschreiben von Land- und Bundestag an. Während CSU-Umweltminister Marcel Huber immerhin erklärte, die Staatsregierung sei an einer stärkeren Reglementierung interessiert, sorgte der Brief aus dem Bundestag eher für Schmunzeln im Kreistag. „Die wollten eine Kopie für jeden Abgeordneten von uns“, berichtete Eichacker.

Im täglichen Geschäft mit dem Thema auseinandersetzen müssen sich die regionalen Milchprodukte-Händler. Vor allem, seit bekannt wurde, dass die Molkerei Berchtesgadener Land all ihren Bauern die Nutzung von Glyphosat verbietet. „Bei uns fragen viele Münchner Kunden nach“, sagt Hans Leo, Vorstandsvorsitzender der Naturkäserei Tegernseer Land. Darum habe er sich eine schriftliche Erklärung all seiner Bauern geholt, dass bei ihnen kein Glyphosat zum Einsatz kommt. Das sei nicht nur im Interesse der Kunden geschehen: „Die Rückversicherung war mir persönlich wichtig“, sagt Leo. „Wir distanzieren uns ausdrücklich vom Glyphosat.“

Auch bei den Zulieferern des Miesbacher Milchhofs sei Glyphosat kein Thema, berichtet Georg Bauer, Vorstandsvorsitzender der Milchprodukte Oberland eG. „Ich weiß keinen, der es eingesetzt hätte.“ Wenn es die Verbraucher wünschten, dass die Produkte zudem als glyphosatfrei gekennzeichnet werden, würde der Milchhof diesem Wunsch nachkommen.

Dass das Pflanzenschutzmittel im Landkreis so gut wie nicht verwendet wird, weiß auch Rüdiger Obermaier vom Landwirtschaftsamt in Holzkirchen: „Bei uns wird kaum Glyphosat eingesetzt, weil wir kein Ackerbau-Gebiet sind.“ Gerade deshalb soll der Landkreis Vorbild für andere Gebiete sein. Wichtig ist Obermaier, dass die Bürger darüber Bescheid wissen, dass es Alternativen zu dem Herbizid gibt. „Und diese sind sogar nachhaltig“, sagt Obermaier.

Dass die Privatanwender nicht außen vor gelassen werden sollen, regte im Kreistag Maria Dießl (CSU) an. Schließlich würden Glyphosat-Produkte auch in Gärten eingesetzt. „Das Zeug ist überall erhältlich“, sagte Dießl. Viele Leute wüssten gar nicht, was in Unkrautvernichtern wie „Round Up“ alles drin sei, ergänzte Michael Lechner (FWG). Um an sie heranzukommen, schlug Toni Engelhard (CSU) dem Landratsamt vor, das Gespräch mit Großmärkten und Gärtnereien zu suchen.

Karl Bär (Grüne) wies darauf hin, dass der unsachgemäße Einsatz von Glyphosat mit Geldstrafen von bis zu 50 000 Euro belegt wird. „Für mich ist das weniger ein Thema der Beratung, als vielmehr der Überwachung.“

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