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Ein Panzer als Faschingswagen ist beim Kreuther Faschingszug mitgefahren.

Feuerwehr distanziert sich von Gefährt

Auch beim Kreuther Faschingszug fuhr ein Panzer mit

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  • Christina Jachert-Maier
    Christina Jachert-Maier
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Kreuth - Im Landkreis Pfaffenhofen sorgt ein Panzer mit der Aufschrift "Ilmtaler Asylabwehr" im Faschingszug für Furore. Beim Kreuther Fasching war ein ähnliches Gefährt dabei. Ein Problem?

"Wia damois zu oide Zeitn, geht's erst nach da Kontrolle auf'd andane Seitn", steht auf dem Faschingsgefährt, mit dem einige Rottacher - darunter Feuerwehrler und Burschenschaftler - beim Kreuther Faschingszug am Sonntag dabei waren. Das Gefährt selbst: ein Panzer, mit Kanonenrohr und Camouflage-Bemalung. In Reichertshausen im oberbayerischen Landkreis Pfaffenhofen sorgt ein ähnlicher Wagen seit Montag für Aufsehen. Er trug allerdings den Schriftzug "Ilmtaler Asylabwehr" - und brachte dem Verein, der ihn gebaut hatte und sich dafür jetzt entschuldigt, nun Anzeigen wegen Volksverhetzung ein. Ist der Kreuther Panzer ähnlich problematisch?

Keineswegs, findet die Mehrheit unserer Leser auf Facebook. "Leute, es ist Fasching", schreibt zum Beispiel Thomas S.. "Narren-Freiheit, schon mal was davon gehört", fragt sich Ingrid N.. Thomas E. findet, dass die Grenze des guten Geschmacks "schon vollkommen überschritten" ist. "Wenn's nach dem geht, herrscht in Berlin 365 Tage lang 24 Stunden (Hirn-)Fasching!"

Auch Kreuths Bürgermeister Josef Bierschneider (CSU) hält die Panzeratrappe für unproblematisch. Der Wagen habe Grenzkontrollen zum Thema gehabt, nicht die Flüchtlinge. "Ich habe da keine Botschaft gegen Asylbewerber herausgelesen", sagte er. "Und ich glaube, auch kein anderer in Kreuth hat das so verstanden."

Gebaut hat den Wagen eine Gruppe von etwa 15 Burschen. "Wir haben lange über den Wagen diskutiert", sagt einer aus der Gruppe. Er will seinen Namen nicht nennen - stattdessen betont er, man habe mit dem Wagen nichts gegen Asylbewerber aussagen wollen. "Wir wollten damit thematisieren, dass hier jeder wie er will durch unser Tal fährt." Die Gruppe habe also grundsätzlich auf Grenzkontrollen anspielen wollen. "Keiner von uns hat ein Problem mit Asylbewerbern." Allerdings sagte er auch, dass er und seine Kollegen zum ersten Mal einen solchen Wagen gebaut hätten. "Man muss halt seine Erfahrungen sammeln." Wäre die Panzerattrappe in Reichertshausen nicht gewesen, glaubt er, hätte man ihren Wagen eventuell nicht missverstanden.

Doch es gibt auch kritische Facebook-Stimmen. Roswitha H. ist der Meinung, dass es auch im Fasching Grenzen gibt. "Das hat was mit Würde und Respekt des Einzelnen zu tun." Und: "Panzer aufmarschieren zu lassen, ist absolut keine Lösung. In solch einer hochsensiblen Zeit gilt das auch für Karneval." Markus L. schreibt dazu nur: "Die Grenze zwischen Narr und Depp ist fließend."

Auch außerhalb der sozialen Netzwerke hat der Panzer für nicht nur positive Reaktionen gesorgt. So sieht sich der Rottacher Feuerwehr-Kommandant gezwungen, nach erbosten Anrufen aus der Bevölkerung gegenüber der Tegernseer Zeitung festzustellen: Manche der Burschen, die das martialische Gefährt mit „Uschi an der Leine“ gebaut haben, sind zwar Mitglieder der Rottacher Feuerwehr. Die Feuerwehr als Organisation habe mit dem Wagen aber nichts zu tun, betont Kommandant Josef Stadler. „Die Feuerwehr ist absolut neutral.“ Sie beziehe in der ganzen Asyl-Diskussion keine Stellung und rücke selbstverständlich bei jedem Notfall aus, ungeachtet der Person.

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