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Solawi Tegernseer Tal am Pointerhof: Ein Gemüsegarten für alle

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Von: Christina Jachert-Maier

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Bald wird gepflanzt: (v.l.) Daniela Schober, Daniel Glasl und Carolin Krauß auf den frisch angelegten Gemüsebeeten.
Bald wird gepflanzt: (v.l.) Daniela Schober, Daniel Glasl und Carolin Krauß auf den frisch angelegten Gemüsebeeten. © Stefan schweihofer

Als Genossenschaft will die Solawi Tegernseer Tal am Pointerhof in Kreuth ihre Mitglieder mit frischem Biogemüse versorgen. Die Beete sind schon angelegt.

Kreuth – Der Pointerhof am Fuß des Hirschbergs hat eine lange Geschichte. Daniela Schober hat einst den Hoferben geheiratet, die Tiere im Stall versorgt. Sie wurde früh Witwe, im Herzen ist sie noch immer Bäuerin. Ihr Gemüse zieht sie seit jeher selbst, das Thema Permakultur fasziniert sie. Der Begriff steht für nachhaltige Landwirtschaft, die im Einklang mit der Natur und ohne großen Maschineneinsatz hervorbringt, was der Mensch zum Leben braucht. Im Selbstversorgungs-Lernhof Jaksch im Inntal hat sich Schober, inzwischen im Rentenalter, viel Sachkenntnis angeeignet. Heute wohnt sie in einem Neubau bei dem alten Anwesen und betreibt dort auf einem Teil der Hofwiese schon seit 2014 eine kleine Permakultur. Es liegt für sie nahe, mehr daraus zu machen. Einen Gemüsegarten für alle.

Erste Solawi im Tegernseer Tal

An Vorbildern fehlt es nicht. Unter dem Begriff „Solidarische Landwirtschaft“, kurz Solawi, existiert ein ganzes Netzwerk von Betrieben. Im Tegernseer Tal wird die Solawi Pointerhof die erste ihrer Art sein. Die Genossenschaft befindet sich derzeit in Gründung, bislang sind knapp 300 Anteile zu je 100 Euro gezeichnet. Mit ihrer Idee hat Daniela Schober viele begeistert.

„Die Leidenschaft, mit der dieses Projekt betrieben wird, ist schon etwas Besonderes“, sagt Daniel Glasl. der zur Führungsriege der Pointerhof EG gehört. Den Vorstand führt Daniela Schobers Sohn Silan, auch die Schwiegertochter Anna ist mit riesigem Einsatz dabei. Daneben sind Carolin Krauß und Fridolin Sandmeyer bei der jungen Solawi engagiert. Die Genossenschaft besteht aus den drei Organen Vorstand, Aufsichtsrat und Pointerhof EG. Mittelfristig sollen die Anteile Gewinn abwerfen. „In Zeiten von Negativzinsen ist das auch wirtschaftlich interessant“, meint Glasl.

Vor allem aber geht es um gesundes Gemüse aus der Region, um den Schutz von Klima und Boden und ums Miteinander. „Wenn wir jetzt nicht lernen, zusammenzuhalten, wann dann?“, meint Schober. Sich selbst mit Lebensmitteln zu versorgen, hat in Zeiten heftig steigender Energiepreise und abreißender Lieferketten einen neuen Stellenwert bekommen. „So können wir eher meistern, was auf uns zukommt“, sagt Schober.

Ernteanteile im Abo

Das Konzept steht. Mitglieder der Genossenschaft können einen Ernteanteil im Abo beziehen. Dieser besteht aus einer wöchentlichen Gemüsekiste, erhältlich in den Größen „Single“, „Paar“ und „Familie“, zu haben für monatlich 50, 100 oder 150 Euro.

Die Kiste gibt’s jeden Freitag, stets mit Saisonalem gefüllt. Pro Person kostet die Ration Biogemüse also zwölf Euro. Damit das Sortiment rund wird und zum Beispiel genug Kartoffeln dabei sind, kauft die Solawi teils auch von Biobauern aus der Region zu. Wenn die Solawi selbst Überschüsse hat, bietet sie ihre Erzeugnisse örtlichen Händler an. Das dürfte der Fall sein, wenn Zucchini und Gurken ihre Hochphase haben. „Dann gibt’s eine Schwemme“, weiß Schober.

Kooperationen bestehen mit der Solawi Biotop Oberland in Lenggries und der Landlmühle in Stephanskirchen bei Rosenheim. Die Solawi Tegernsee stellt einen Gärtner an, der als Profi dafür sorgt, dass eine hoch produktive Permakultur-Anlage entsteht. Den Boden bereitet hat die Initiative am vergangenen Wochenende. „Wir haben gearbeitet wie die Pferde“, sagt Schober. 180 Kubikmeter Naturkompost hat es für die neu angelegten Beete gebraucht. Zu der in mehrere Zonen aufgeteilten Anlage gehört auch eine Zone „Dynamischer Agroforst“ mit Obstbäumen und Beerensträuchern. Ab Mai wird der Folientunnel aktiviert, nach und nach beginnen Aussaat und Anpflanzung.

Dass die Winter in Kreuth lang sind, ist nach Überzeugung der jungen Genossenschaft kein Problem. Das Pendant in Lenggries liege in ähnlicher Höhe und versorge 450 Familien, berichtet Glasl.

Ziel der Solawi Tegernsee für heuer ist es, 50 Erntekisten wöchentlich zu füllen. Interessenten ohne Mitgliedschaft können das Angebot vier Wochen ausprobieren.

Mitmachen erwünscht

Das Kisten-Abo gilt das ganze Jahr hindurch. Im Winter gibt es Lagergemüse und Eingewecktes, erklärt Schober. Im zweiten Schritt will sie auch Workshops anbieten, ihre Kenntnisse weitergeben. Wer nicht nur seinen Ernteanteil abholen, sondern sich einbringen möchte, ist herzlich willkommen. Es gehe nicht nur um die Versorgung mit Biogemüse, sagt Schober, sondern ums Umdenken. Das Gemüse einfach irgendwo zu kaufen, oder einen frischen Ernteanteil mit nach Hause zu nehmen, „das macht einen großen Unterschied“.

Die Genossenschaft

hofft auf viele weitere Mitglieder. Die Zahl der Anteilszeichner ist nicht begrenzt. Weitere Infos gibt’s auf der Homepage www. pointerhof.de

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