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Elfter Tag im Mordprozess

Wie krank war Betty B.?

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War es wirklich Mord, oder starb Barbara B. vielleicht doch eines natürlichen Todes? Am elften Tag im sogenannten „Betty“-Prozess versuchte das Gericht,  Antworten zu finden.

Kreuth – Klar ist: Die Kreuther Millionärin, die alle Freunde und Bekannten nur Betty nannten, starb im März 2016 auf der Palliativstation im Krankenhaus Agatharied. Der Vorwurf der Staatsanwaltschaft: Ihre persönliche Pflegerin und Büromanagerin Renate W. soll die damals 95-jährige wehrlose Frau im Klinikzimmer mit einem Kissen oder einer Decke erstickt haben. Die Angeklagte bestreitet den Vorwurf.

Ihr Verteidiger sowie der Richter fragten deshalb genau nach, als am Dienstag vor dem Münchner Landgericht zwei Mediziner den Gesundheitszustand von Barbara B. in den Tagen vor ihrem Tod schilderten. Ein Arzt war an einem Samstag im März 2016 in das Seniorenstift Rupertihof in Rottach-Egern gerufen worden. Die unter einer immer schwerer gewordenen Demenz leidende Kreutherin war dort zuletzt gepflegt worden. „Sie saß schwer schnaufend im Rollstuhl, war aber bei klarem Bewusstsein“, erinnerte sich der Mediziner. Beim Abhören der Lunge habe er Auffälligkeiten festgestellt, die Sauerstoffsättigung im Blut sei sehr niedrig gewesen. Er wies die alte Dame deshalb in die Klinik nach Agatharied ein.

Doch ihre gesundheitliche Situation verschlechterte sich im Krankenhaus in kürzester Zeit rapide. Das sagte zumindest eine Klinikärztin aus. In der Krankenakte hatten die Mediziner eingetragen, der Zustand der Millionärin sei „komatös“. Da man im Fall von Betty ein baldiges Ableben für möglich gehalten habe, sei eine weitere Überwachung durch die Monitore bei „dem sehr schweren Krankheitsbild“ nicht zielführend gewesen, so die Klinikärztin. Auf den Einsatz von noch mehr Medikamenten und Beatmungs- und Dialysegeräten habe man verzichtet.

Unabhängig vom Einzelfall sei es nicht „untypisch, dass sich der Gesundheitszustand eines Patienten bei einem solchen Krankheitsbild noch weiter verschlechtern kann“, sagte die Medizinerin zu dem rapiden körperlichen Verfall der alten Dame innerhalb kürzester Zeit. Ob es möglich ist, dass Barbara B. in jenem März 2016 eines natürlichen Erstickungstods starb, klärt derzeit abschließend ein medizinischer Gutachter – er soll wahrscheinlich schon an diesem Mittwoch vor Gericht aussagen.

Tobias Lill

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